Eiskalte Einöden

Im Buch «Planet Wüste» stellt Michael Martin die faszinierendsten Extremlandschaften der Erde vor — darunter auch Grönland.

Vier Fünftel der Fläche Grönlands sind von einem 800'000 bis 120'000 Jahre alten und bis zu 3400 Meter mächtigen Eispanzer bedeckt. Foto: Michael Martin

Vier Fünftel der Fläche Grönlands sind von einem 800'000 bis 120'000 Jahre alten und bis zu 3400 Meter mächtigen Eispanzer bedeckt. Foto: Michael Martin

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Vier Monate lang ging die Sonne über Nordgrönland nicht mehr auf. Nur der Vollmond brachte den Bewohnern in Qaanaaq, einer der nördlichsten Siedlungen der Erde, bei klarem Himmel kurz etwas Licht. Seit ein paar Tagen ist die finstere Polarnacht in dieser Gegend vorbei. Und in den Mittagsstunden dämmert es sogar schon wieder. Dennoch herrschen weiterhin Tageshöchsttemperaturen von lediglich minus 25 Grad Celsius, sodass nicht unbedingt Frühlingsgefühle aufkommen.

Um die Rückkehr der Sonne zu erleben, begab sich der Fotograf und Geograf Michael Martin gemeinsam mit seinem Kollegen Jörg Reuther genau zu ­dieser Jahreszeit an diesen Ort der ­Extreme. Denn von Qaanaaq aus konnte er auf Hunderte Eisberge aller Grössen und Formen blicken. Und die Inuit im Alltag begleiten.

Frische, tiefgekühlte Ware nach dem Fang an einem Eisloch. Foto: Jörg Reuther

Im Jahr 2009 machte sich Martin für sein neues Buch «Planet Wüste» auf. ­Innerhalb von sechs Jahren unternahm er 40 Reisen und Expeditionen in die entlegensten Gebiete unseres Globus, und zwar auf der Nord- sowie Südhalbkugel. Dabei nahm er aber nicht nur die grandiosen Landschaften der Eiswüsten in den Polarregionen ins Visier, sondern auch diejenigen der Trockenwüsten wie etwa die Sahara. Denn nahezu die Hälfte der Landoberfäche wird von heissen und kalten Wüsten eingenommen.

Dazu gehört auch Grönland – die grösste Insel der Welt, dessen Küsten­linie mit 44'000 Kilometern länger ist als der Erdumfang. Während die Nordspitze der Insel nur 740 Kilometer vom Nordpol entfernt ist, ragt der Süden weit über den nördlichen Polarkreis hinaus. Mehr als drei Viertel Grönlands werden von Inlandeis bedeckt. Würde dieses vollständig schmelzen, würde der Meeres­spiegel weltweit um sieben Meter steigen.

Nach der Polarnacht hinaus aufs Meereis mit dem Hundeschlitten. Foto: Michael Martin

Am Ende der Polarnacht fahren die ersten Inuit-Jäger von Qaanaaq mit Hunde­schlitten auf das gefrorene Meer hinaus, um Robben, Eisbären und Wale zu jagen. «Staatlich festgelegte Fangquoten sollen dafür sorgen, dass die Bestände nicht gefährdet werden», erklärt Martin im Buch. Man finde die Jäger in der dämmrigen Mittagssonne aber auch bei ihren Eislöchern, an denen sie für ihren Eigenbedarf angeln.

Michael Martin, «Planet Wüste», Knesebeck-Verlag, 448 Seiten, ca. 67 Fr.

Erstellt: 22.02.2016, 19:13 Uhr

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Planet Wüste

Knesebeck-Verlag 448 Seiten, ca. 67 Fr.

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