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Erster globaler Atlas für Meeresplankton

Unter Beteiligung der ETH ist eine umfassende Sammlung von Daten über Plankton entstanden. Sie hilft den Klimaforschern, ihre Modelle zu verbessern.

Ralf Schiebel Université d'Anger
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Was Pflanzen für das Leben an Land sind, ist Plankton für die Ozeane: Nahrungsgrundlage und Angelpunkt der Stoffkreisläufe. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der ETH Zürich hat nun einen globalen Atlas vorgestellt, der die Verbeitung, den Zeitpunkt und die Höhe der Konzentrationen von Plankton abbildet, wie die ETH gestern mitteilte. Im Vergleich zu den Ökosystemen auf dem Land weiss die Wissenschaft über das Leben im Meer deutlich weniger – besonders was die Verbreitung von Plankton betrifft. Um sich ein Bild zu machen, haben Wissenschaftler zahlreicher Universitäten und Observatorien unter der Koordination von Forschenden der ETH Zürich und der britischen Universität von East Anglia Daten zu Artenvielfalt und Biomasse von 500  000 Messpunkten gesammelt. Ziel war es unter anderem auch abzuschätzen, wie viel Kohlenstoff im Plankton enthalten ist. Die Daten sind unter dem Namen Maredat in einer Sonderausgabe der Zeitschrift «Earth System Science Data» erschienen. Solche Daten sind für Klimaforscher wertvoll. Diese verfügen nun, so heisst es in der Mitteilung der ETH, über eine solidere Datengrundlage, um die Modelle zu validieren. Die bisherigen Modelle rechneten mit höchstens zwei Arten von Zoo-und Phytoplankton. Je besser jedoch die Artenvielfalt von Planktongruppen abgebildet wird, desto exakter kann beurteilt werden, wie viel Kohlenstoff der Ozean aus der Atmosphäre speichern kann.

Winzlinge regulieren Klima

Zum Plankton gehören Organismen vom Milliardstel Millimeter winzigen Bakterium bis zum Zentimeter grossen Krill-Krebschen. Die Mikroorganismen sind zu klein, um gegen Ozeanströmungen anzuschwimmen. Pflanzliches Plankton entzieht der Atmosphäre durch die Photosynthese Kohlendioxid (CO2) und trägt dazu bei, das globale Klima zu regulieren. Tierisches Plankton wie Krill wiederum veratmet Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid und ist Nahrungsquelle für Wale, Fische und andere höhere Meereslebewesen. Erste Auswerungen zeigen, dass in der Tiefsee viel mehr tierisches Plankton lebt als bisher angenommen. Ausserdem scheint Zooplankton in den Weltmeeren mindestens so viel Biomasse zu enthalten wie pflanzliches. «Das ist erstaunlich», sagt die ETH-Forscherin Meike Vogt. An Land sei es meist genau umkehrt – es gibt weitaus mehr Pflanzen als Tiere.

Datensammlung vergrössern

«Die Menschen stören Ozeane auf unterschiedlichste Weise und auf diversen Ebenen der Nahrungskette», sagt Meike Vogt. Meeres-Ökosysteme sind sehr komplex. Die Daten sollen helfen zu verstehen, wie sich planktonische Organismen in Ökosystemen organisieren, welche Spezies mit anderen gemeinsam auftreten und ob sich davon spezifische Lebensräume ableiten lassen. Wenig bekannt ist auch, welche Lebewesen sich wo befinden. Nur mit diesem Wissen lassen sich Schlüsse ziehen, wie sich etwa die Überfischung auswirkt oder die Ansäuerung der Meere, die durch den CO2-Ausstoss verursacht wird, der bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht. In den nächsten Jahren wollen die Wissenschaftler noch mehr Daten sammeln, um die Veränderung des Planktonbestandes dokumentieren zu können.

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