Erstmals rast ein interstellarer Besucher an der Erde vorbei

Astronomen haben ein Flugobjekt aus einem anderen Sonnensystem entdeckt. Darauf haben die Wissenschaftler jahrzehntelang gewartet.

Von ausserhalb des Sonnensystems flog A/2017 U1 zuerst an der Sonne vorbei und wurde von deren Anziehungskraft abgelenkt. An der Erde raste das Objekt Mitte Oktober vorbei. (Bild: Nasa/JPL-Caltech)

Von ausserhalb des Sonnensystems flog A/2017 U1 zuerst an der Sonne vorbei und wurde von deren Anziehungskraft abgelenkt. An der Erde raste das Objekt Mitte Oktober vorbei. (Bild: Nasa/JPL-Caltech)

Ohne Vorwarnung hat sich ein rund 400 Meter langer Asteroid in unser Sonnensystem geschlichen. Möglicherweise ist es auch ein Komet, die Wissenschaftler wissen das selbst noch nicht genau, obwohl A/2017 U1, wie das Objekt momentan heisst, schon Anfang September in unser Sonnensystem eintrat. Es ist das erste Mal, dass die Astronomen ein solches extrasolares Objekt sichten. Weil es zu Beginn von der hellen Sonne verdeckt wurde, haben die Wissenschaftler es erst vor wenigen Tagen entdeckt. Nun rangeln sie um die besten Teleskope, um A/2017 U1 zu beobachten und genauer einordnen zu können.

Die Astronomen sind von A/2017 U1 restlos begeistert. «Auf diesen Tag haben wir jahrzehntelang gewartet», sagt Paul Chodas vom Zentrum für erdnahe Objekte bei der Nasa. «Wir haben vermutet, dass es solche Objekte gibt, aber das ist das erste Mal, dass wir eines entdecken.» Das erklärt auch, weshalb A/2017 U1 noch keinen klingenderen Namen erhalten hat, denn die Internationale Astronomische Union hat für solche Objekte schlicht noch keine Namensregeln aufgestellt. Das müssen die Wissenschaftler nun schleunigst nachholen.

Der mutmassliche Asteroid wurde zuerst als Komet eingestuft. Er raste am 14. Oktober mit einer beachtlichen Geschwindigkeit von rund 40 Kilometern pro Sekunde an der Erde vorbei – von Zürich nach New York hätte er demnach 2,5 Minuten gehabt. Seine Flugbahn wurde von der Anziehungskraft der Sonne bestimmt, er macht nun eine hyperbolische Kurve, ist aber zu schnell, um von unserem Stern in eine Umlaufbahn gezwungen zu werden. Aus dieser Flugbahn schlossen die Astronomen denn auch, dass A/2017 U1 aus einem anderen Sonnensystem stammen muss.

Die Animation der Nasa zeigt den Weg des Flugobjekts durch unser Sonnensystem. (Nasa/JPL-Caltech)

Die Astronomen warten nun alle auf etwas Beobachtungszeit an den besten Teleskopen, um noch einen Blick auf den extrasolaren Besucher zu erhaschen und möglichst viele Daten zu sammeln, bevor der Flugkörper unser Sonnensystem wieder verlässt, wie Karen Meech von der University of Hawaii gegenüber der «New York Times» sagt. Auf der Pazifikinsel Maui wurde das Flugobjekt denn auch zuerst entdeckt. Dort steht das Pan-Starrs-1-Teleskop der Nasa, welches das Weltall nach erdnahen Objekten absucht (die Abkürzung steht für Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System).

Keine Gefahr für die Erde

Gefährlich wurde der Brocken für die Erdbewohner nie. Am nächsten kam A/2017 U1 unserem Planeten am 14. Oktober, mit knapp 25 Millionen Kilometer Entfernung gab es aber noch ordentlich Raum zwischen Erde und dem noch weitgehend unbekannten Flugobjekt. Zum Vergleich, zum Mond sind es bereits 400'000 Kilometer, der Asteroid (oder Komet) war also noch rund 60-mal weiter weg.

Die Gefahr, dass ein solches extrasolares Objekt die Erde trifft, ist gemäss Wissenschaftlern denn auch extrem klein. Noch eher würde ein Asteroid aus unserem eigenen Sonnensystem für eine Apokalypse sorgen, ein solcher ist bisher aber nicht in Sicht.

Die Universität von Hawaii hat dargestellt, wie das Objekt quasi «von oben» in die Umlaufbahn der Planeten in unserem Sonnensystem eingetreten ist.

Erstellt: 30.10.2017, 11:09 Uhr

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