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Forscherskandal um Plastikstudie

Eine Studie über die katastrophalen Auswirkungen von Mikroplastik auf die Fische ist womöglich falsch. Schwedische Forscher mussten die Arbeit zurückziehen.

Wie gefährlich ist Plastikmüll? Unschönes Bild mit Abfällen an einem Strand in Ghana. (13. Juni 2016) (Bild: Christian Thompson)
Wie gefährlich ist Plastikmüll? Unschönes Bild mit Abfällen an einem Strand in Ghana. (13. Juni 2016) (Bild: Christian Thompson)

Vor ziemlich genau einem Jahr rüttelte eine alarmierende Umweltstudie die Weltöffentlichkeit auf. Sie zeigte erstmals, wie der Plastikmüll in den Weltmeeren die Fische gefährdet. Die schwedischen Meeresbiologen Oona Lönnstedt und Peter Eklöv konnten nämlich in einem Fütterungsversuch nachweisen, dass Barschlarven den zu winzigen Stückchen abgebauten Plastik, den Mikroplastik, sogar zu fressen beginnen. Daran würden die Fische zwar nicht direkt sterben, aber ihre Weiterentwicklung würde beeinträchtigt und sie würden schneller von ihren Fressfeinden erbeutet – im Endeffekt eine viel grössere Naturkatastrophe, die das Gleichgewicht der Meere aus dem Lot bringt.

Rohdaten nicht mehr greifbar

Doch jetzt mussten die beiden Forscher die am 3. Juni 2016 im renommierten Wissenschaftsjournal «Science» erschienene Plastikstudie zurückziehen. Lönnstedt und Eklöv selber stellten den Antrag, obwohl sie die Vorwürfe des wissenschaftlichen Fehlverhaltens entschieden zurückweisen. «Forschung muss auf wissenschaftlich einwandfreier Grundlage basieren, und den Resultaten dieser Studie, selbst wenn sie korrekt sind, würde nicht vertraut werden, solange sie mit einem Verdacht auf Fehlverhalten behaftet sind», erklärten sie gegenüber dem Wissenschaftsmagazin «Nature». Am Mittwoch hat «Science» die Studie nun definitiv zurückgezogen.

Der Magen der Barschlarve ist mit Kügelchen aus Mikroplastik gefüllt. (Bild: Oona Lönnstedt)
Der Magen der Barschlarve ist mit Kügelchen aus Mikroplastik gefüllt. (Bild: Oona Lönnstedt)

Vorwürfe gegen die beiden Forscher waren bereits wenige Wochen nach der Publikation im vergangenen Jahr laut geworden. Bereits damals wurde bemängelt, dass ein Grossteil der Rohdaten der Studie nicht mehr greifbar sei. Andere Forscher, die auf derselben Forschungsstation auf der Insel Gotland im baltischen Meer tätig waren, sagten zudem, dass Oona Lönnstedt viel zu kurz anwesend war, um die Experimente überhaupt so durchzuführen, wie sie im «Science»-Paper beschrieben waren.

Laptop aus dem Auto gestohlen

Eine erste Untersuchung von Lönnstedts Heimuniversität Uppsala entlastete die beiden Forscher noch vom Verdacht des wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Doch in einem zweiten Bericht, welchen die zentrale schwedische Ethikkommission erarbeitete und der Mitte April veröffentlicht worden war, verstärkten sich die Verdachtsmomente. Die Forscher hätten widersprüchliche Antworten gegeben und immer wieder neue Fragen aufgeworfen. So hätten Lönnstedt und Eklöv fälschlicherweise behauptet, dass die Fütterungsversuche von einer Ethikkommission abgesegnet worden seien.

Die schwedischen Meeresbiologen Peter Eklöv und Oona Lönnstedt stehen unter Verdacht des wissenschaftlichen Fehlverhaltens.
Die schwedischen Meeresbiologen Peter Eklöv und Oona Lönnstedt stehen unter Verdacht des wissenschaftlichen Fehlverhaltens.

Lönnstedt und Eklöv selber bemängeln den zweiten Bericht als parteiisch und werfen ihren Gegnern vor, die Anschuldigungen seien vom Neid der Forscherkollegen getrieben. Sie geben allerdings zu, dass ein Teil der Rohdaten fehle, dies jedoch, weil ihnen kurz nach der Publikation ein Laptop mit Rohdaten aus dem Auto gestohlen worden sei. Die Universität Uppsala möchte nun den neuen Bericht noch einmal analysieren, bevor sie weitere Massnahmen ergreifen würden.

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