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Fragile Freiheit für einen Affen

Das Orang-Utan-Weibchen Alba ist das einzig bekannte Albino-Tier seiner Art. Heute kehrt es in den Dschungel zurück.

Im April vor einem Jahr fanden Dorfbewohner auf Borneo das auf 8,3 Kilogramm abgemagerte Tier, das blutige Schrammen aufwies.
Im April vor einem Jahr fanden Dorfbewohner auf Borneo das auf 8,3 Kilogramm abgemagerte Tier, das blutige Schrammen aufwies.
BOS Stiftung
In einer Rettungsstation der Borneo Orang-Utan Survival Foundation wurde Alba ärztlich versorgt und aufgepäpptelt.
In einer Rettungsstation der Borneo Orang-Utan Survival Foundation wurde Alba ärztlich versorgt und aufgepäpptelt.
Björn Vaughn, BOS Schweiz
Alba wird in den ersten Wochen von Wildhütern eng begleitet. Ein in die Haut einoperierter Peilsender hilft.
Alba wird in den ersten Wochen von Wildhütern eng begleitet. Ein in die Haut einoperierter Peilsender hilft.
BOSF / Indrayna
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Dass Orang-Utans verwahrlost und verletzt in Dörfern und Plantagen auftauchen, ist auf Borneo trauriger Alltag. Der Regenwald, Lebensraum der Affen, schrumpft Tag für Tag, Quadratkilometer für Quadratkilometer. Und wenn die Primaten dann unter Menschen kommen, droht ihnen entweder der meist grausame Tod oder der illegale Verkauf an Tierschauen und als tierische Boxer für Schauwettkämpfe. Oder an Bordelle.

Das verschreckte Tierchen mit schlohweissem Haar und den wasserblauen Augen aber hatte Glück: Die Bewohner von Tanggirang, einem Dörfchen im indonesischen Teil Borneos, meldeten das Weibchen den Behörden. Das aussergewöhnliche Äussere mag dabei eine Rolle gespielt haben. Nur einer von 10'000 Orang-Utans hat den Gendefekt des Albinismus, der in Haut und Haar keine Farbpigmente entstehen lässt. Sehr speziell, vielleicht auch unheimlich. Die nationale Naturschutzbehörde schaltete sich ein und übergab das Tier an die einheimische Organisation «Borneo Orang-Utan Survival Foundation» (BOSF).

Die Stiftung betreibt Rettungsstationen, in denen vertriebene Orang-Utans gesund gepflegt und für ihr ursprüngliches Leben in der Wildnis trainiert werden. Das Albino-Äffchen kam im April 2017 in eine der Stationen. Die Tierärzte stellten fest, dass es mit nur 8,3 Kilogramm untergewichtig war und geschwächt. Es hatte blutige Kratzer, möglicherweise Spuren eines Kampfes. Das Alter? Etwa fünf Jahre, und damit in seiner Entwicklung eigentlich noch ein Kind: Orang-Utan-Mütter säugen ihren Nachwuchs bis zu acht Jahre lang.

Anders als andere gerettete Orang-Utans hatte Alba – so wird das Äffchen nach einem Namenswettbewerb genannt – einen wichtigen Vorteil: Ihr vorangegangenes Leben hatte sie in der Wildnis verbracht und nicht in Gefangenschaft. Das übliche Trainingsprogramm für das Leben auf den Bäumen konnte entfallen. Statt nach mehreren Jahren wird Alba bereits jetzt wieder ausgewildert.

Das nunmehr 28 Kilogramm schwere Tier wird in einem tagelangen Transport in die Wildnis hinausgefahren, per Pick-up und per Boot. Schliesslich tragen BOSF-Mitarbeiter Alba in einer Käfigsänfte an einen für kein Verkehrsmittel erreichbaren Ort. Er befindet sich tief in einem Nationalpark, der vor Rodung und Jagd geschützt ist. Nach der Freilassung behält Alba Kontakt mit ihren Betreuern: Ein implantierter Peilsender teilt stets ihren Aufenthaltsort mit. Der Albinismus beeinträchtigt ihre Sehkraft, und das weisse Fell macht sie ohnehin zu einem leichten Ziel für Räuber. Sollte sich Alba ihrem neuen Leben nicht zurechtfinden, könnte sie wieder eingefangen und in ein spezielles Reservat gebracht werden.

Albas Schicksal ist dank der internationalen Vernetzung von BOSF nun auf der ganzen Welt bekannt. Es dient als Schau- und Beweisstück für die betrübliche Situation der Orang-Utans überhaupt. Ihre Zahl ist auf Borneo seit 2002 um etwa 150'000 auf maximal 100'000 gesunken. Der Schutz des Lebensraums, die Rehabilitation und Auswilderung von aufgefundenen Orang-Utans werden von der unabhängigen Organisation BOS Schweiz mit Millionenbeträgen aus Kleinspenden und Zuschüssen von Stiftungen unterstützt. Alba hilft beim Sammeln.

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