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Gefangen im driftenden Eis

Am Freitagabend ist das Forschungsschiff Polarstern zur wohl grössten Arktisexpedition aller Zeiten gestartet. Mit dabei: 7 Schweizer.

Blick aus dem Helikopter: Die Polarstern bei ihrer Fahrt durch das Meereis. Foto: Stefan Hendricks
Blick aus dem Helikopter: Die Polarstern bei ihrer Fahrt durch das Meereis. Foto: Stefan Hendricks

Der Startschuss fiel am Freitagabend um 20.30 Uhr. Dann legte der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) im norwegischen Tromsø ab. Ziel: die Region um den Nordpol. Dort lassen die Wissenschaftler das Schiff einfrieren, um sich dann während eines Jahres mit dem Meereis Richtung Süden driften zu lassen. Die Forschenden überwintern gemäss Auskunft des AWI in einer Region, die in der Polarnacht nahezu unerreichbar ist.

Die Arktis ist für das Wetter und das Klima der Nordhalbkugel eine Schlüsselregion. Mit der Expedition Mosaic soll das Wissen über die physikalischen Prozesse an den Schnittstellen Meer, Eis und Atmosphäre besser verstanden werden. Mithilfe neuer Daten erhoffen sich die Wissenschaftler den Einfluss auf den Klimawandel besser zu verstehen und genauer voraussagen zu können.

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Seit 2007 verliert die Arktis dramatisch an Meereis. Die Erwärmung im hohen Norden hat Konsequenzen auf das Zirkulationsmuster der Atmosphäre und damit auf die Wetterentwicklung in Europa, Nordamerika und Asien. Die Luftströme, der Jetstream, werden zum Beispiel durch die schnelle arktische Erwärmung verlangsamt und damit leichter abgelenkt.

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Die Konsequenz: Mehr warme Luft wird in den Norden befördert, kalte in den Süden. Durch die Verlangsamung des Jetstreams können im Sommer gewisse Wetterlagen länger anhalten. Mit der Expedition will man solche und andere Prozesse im Detail studieren.

Im Scheinwerferlicht: Der Forschungseisbrecher Polarstern navigiert in der Nacht (Archiv).
Im Scheinwerferlicht: Der Forschungseisbrecher Polarstern navigiert in der Nacht (Archiv).
AWI
Mann über Bord: Wissenschaftler verschiedener Arbeitsgruppen auf dem Meereis (Archiv).
Mann über Bord: Wissenschaftler verschiedener Arbeitsgruppen auf dem Meereis (Archiv).
AWI
Antarktische Winterexpedition 2013: Polarlichter am Nachthimmel über dem Polarstern im Weddellmeer (Archiv).
Antarktische Winterexpedition 2013: Polarlichter am Nachthimmel über dem Polarstern im Weddellmeer (Archiv).
AWI
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Diese Drift-Expedition mag die grösste in der Arktis sein, es ist aber nicht die erste. Bereits vor 125 Jahren brach Fridtjof Nansen mit einem Segelschiff auf und liess sich einfrieren. Doch diese Expedition soll alles schlagen. Geleitet wird die Mission durch das AWI. Mosaic bringt gemäss dem Institut zum ersten Mal einen Forschungseisbrecher mit wissenschaftlichen Instrumenten im Winter in die Nähe des Nordpols. Der logistische Aufwand ist dabei enorm:

  • Insgesamt sind 600 Wissenschaftler und technisches Personal im Einsatz. 6 Gruppen zu je 100 Personen wechseln sich an Bord ab.
  • 17 Nationen sind an der Expedition beteiligt, darunter auch die Schweiz.
  • 4 Eisbrecher aus Russland, China und Schweden sind für die Versorgung der Polarstern und den Austausch der Forscherteams verantwortlich.
  • 6000 Tonnen Treibstoff werden allein für die Polarstern benötigt.
  • 2500 Kilometer wird die Polarstern insgesamt etwa zurücklegen.
  • Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Eisdrift wird etwa 7 Kilometer pro Tag betragen.
  • Mindestens 4 Forschungsflugzeuge sind im Einsatz.

Das Polarschiff ist praktisch die Zentrale innerhalb der grossen, driftenden Eisscholle. Geplant ist, um das Schiff ein kilometerweites Netz von Messstationen aufzubauen. Unter anderem werden Wasserproben durch Eisbohrungen gesammelt, meteorologische Daten werden mithilfe von Sensoren am Boden und auf Wetterballonen erhoben.

Ein Unterwasserfahrzeug kommt zum Einsatz, um die Eigenschaften von Eis und Meerwasser zu messen sowie Meeresorganismen zu beobachten. Schweizer Forscher röntgen den Schnee auf dem Meereis, um die Feinstrukturen zu erkennen.

Das Budget der Expedition beträgt über 120 Millionen Euro. Im September 2020 wird der Eisbrecher Polarstern zurückerwartet.

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