Hitzewelle war nur wegen des Klimawandels möglich

ETH-Forscher haben die grossflächige Hitze untersucht, die vergangenen Sommer Europa, Nordamerika und Asien erfasst hat. Sie sind alarmiert.

Trockenheit in Bern: Die Aare führt wenig Wasser. Archivbild: Adrian Moser

Trockenheit in Bern: Die Aare führt wenig Wasser. Archivbild: Adrian Moser

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Der Sommer 2018 war ungewöhnlich. Die anhaltende Hitze traf nicht nur eine Region, sondern viele gleichzeitig. Dies sei nur aufgrund des menschgemachten Klimawandels möglich gewesen, schlussfolgern Forschende um Sonia Seneviratne von der ETH Zürich aus Beobachtungs- und Modelldaten. Die Ergebnisse stellte ETH-Klimaforscherin Martha Vogel am Dienstag an der Generalversammlung der European Geoscience Union (EGU) in Wien vor.

Um herauszufinden, wie sich grossflächige Hitzewellen im Zuge des Klimawandels entwickeln könnten, nutzten die Forschenden Beobachtungsdaten aus den Jahren 1958 bis 2018 und Simulationen. Dabei fokussierten sie insbesondere auf Schlüsselregionen für die Landwirtschaft und dicht besiedelte Regionen, wie die ETH am Dienstag mitteilte.

17 Länder gleichzeitig betroffen

Die Analyse des Sommers 2018 zeigte, dass zwischen Mai und Juli 22 Prozent der besiedelten und landwirtschaftlich genutzten Fläche der Nordhalbkugel gleichzeitig extrem hohe Temperaturen erlebte. Mindestens 17 Länder waren betroffen. Solch grossflächige Hitzewellen gab es erstmals 2010, dann erneut 2012 und eben 2018. Den Beobachtungsdaten zufolge gab es zuvor jedoch keine Hitzewellen, die derart grosse Gebiete gleichzeitig erfassten.

Und dies ist erst der Anfang, wie die Modellrechnungen der Forschenden zeigen. Mit der Klimaerwärmung werden grossflächige Hitzeextreme immer wahrscheinlicher. Bei einer globalen Erwärmung um 2 Grad Celsius könnte eine so grossflächige Hitzewelle wie im Sommer 2018 jedes Jahr anstehen, schrieb die ETH.

Derzeit beträgt die Klimaerwärmung bereits rund 1 Grad gegenüber die vorindustriellen Zeit - und die Konsequenzen seien bereits deutlich spürbar, liess sich Seneviratne zitieren.

Gegenseitige Hilfe wird schwierig

Die Entwicklung bezeichnet Vogel als alarmierend: «Wenn künftig mehr und mehr Flächen in landwirtschaftlichen Schlüsselregionen und dicht besiedelten Regionen gleichzeitig von Hitze betroffen sind, kann das gravierende Konsequenzen haben.» Kämpften gleichzeitig mehrere Länder mit solchen Naturkatastrophen, sei keine gegenseitige Hilfe mehr möglich, betonte Seneviratne gemäss der ETH-Mitteilung. Als Beispiel nannte sie die Waldbrände 2018 in Schweden: Damals hätten noch mehrere Länder mit Infrastruktur zur Brandbekämpfung aushelfen können. Wären jedoch mehrere Nationen gleichzeitig von grossen Waldbränden betroffen, könnten sie andere betroffene Länder nicht mehr unterstützen.

Auch könnten landwirtschaftliche Erträge grossflächig einbrechen und Lebensmittelpreise massiv verteuern. Dies zeigte sich bereits 2010, als eine Hitzewelle in Russland und der Ukraine die dortige Weizenproduktion einbrechen liess und die Weizenpreise stiegen. In Pakistan, das stark auf Weizen aus Russland angewiesen ist, stiegen die Preise um 16 Prozent.

Grossflächige Extremereignisse könnten letztlich auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln in der Schweiz gefährden, so Seneviratne. (sda/red)

Erstellt: 09.04.2019, 15:47 Uhr

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