Klimagipfel – Entscheid soll heute fallen

Der französische Aussenminister Laurent Fabius will erneut seinen Vorschlag für einen Weltklimavertrag präsentieren. Die 196 Länder können sich danach drei Stunden beraten.

Präsentiert am Klimagipfel wohl den entscheidenden Abkommensentwurf: Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius. (11. Dezember 2015)

Präsentiert am Klimagipfel wohl den entscheidenden Abkommensentwurf: Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius. (11. Dezember 2015) Bild: Etienne Laurent/Keystone

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Nach schwierigen Verhandlungen will der französische Aussenminister und Konferenzleiter Laurent Fabius am Samstagvormittag seinen Vorschlag für einen Weltklimavertrag präsentieren. Der neue Textentwurf soll die verbliebenen Streitpunkte überbrücken. Noch am Nachmittag soll er von den 196 Vertragspartnern angenommen werden. Es wäre der erste Vertrag, mit dem sich nahezu alle Staaten auf Klimaschutz verpflichten. Ob dieser Zeitplan aufgeht, ist aber noch fraglich.

Zuletzt waren beträchtliche Spannungen deutlich geworden. Eine selbst ernannte Koalition der Ehrgeizigen aus EU, USA und zahlreichen Entwicklungsländern warnte davor, bei den Bestimmungen zum Klimaschutz hinter dem letzten Textentwurf zurückzubleiben.

Fabius warnt vor zu hohem Pokern

Umstritten ist nach wie vor die Frage der Finanzhilfen für Entwicklungsländer. EU und USA wollen hier künftig auch finanzstarke Schwellenländer zur Kasse bitten, diese lehnen das ab. Laurent Fabius warnte die Teilnehmer davor, zu hoch zu pokern: «Wenn jeder auf seinen 100 Prozent besteht, dann gehen alle mit null Prozent nach Hause.»

Wegen anhaltender Differenzen hatte Gastgeber Frankreich die Konferenz um einen Tag verlängert. In fieberhaften Gesprächen im kleinen Kreis suchten Minister und Unterhändler am Freitag nach Kompromissen bei den heftig umstrittenen Kernpunkten. Auch Staatschefs schalteten sich ein.

Leuthard kehrt nach Paris zurück

Die Schweizer Delegation war am vergangenen Freitag bis 6 Uhr früh am Verhandeln. Bundesrätin Doris Leuthard reiste dann zurück in die Schweiz und wird nun wieder in Le Bourget vor den Toren von Paris erwartet, wie Delegationschef Franz Perrez vor den Medien sagte. Zum Schweizer Team stiess Bruno Oberle, Chef des Bundesamtes für Umwelt (Bafu).

Frankreich wolle am Samstag um 9 Uhr den überarbeiteten Text vorlegen. Das wäre dann der Schlusstext, präzisierte Perrez. Dann hätten die 195 Länder drei Stunden Zeit für Beratungen, bevor der Text im Plenum verabschiedet werden sollte.«Ein ehrgeiziges Vorgehen», kommentierte Perrez.

Brasiliens lässt Umweltschützer hoffen

Hoffnung schöpften Umweltschützer aus der Ankündigung, dass Brasilien sich der informellen Allianz für einen ehrgeizigen Klimavertrag anschloss. Christoph Bals von Germanwatch sah ein Anzeichen, dass sich Schwellen- und Industrieländer aufeinander zu bewegen. «Es zeichnet sich ab, dass Brasilien, Südafrika und Mexiko eine wichtige Brückenrolle für das Abkommen spielen können.»

Umweltschützer fürchten allerdings, dass die Detailregelungen nicht ausreichen, um die Erderwärmung wie geplant auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Mit den bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzplänen würde die Temperatur auf der Erde um etwa 2,7 Grad steigen.

Indien erwähnt Knackpunkt

Indien sieht die alle fünf Jahre geplanten Nachbesserungen der Ziele mit Skepsis und sieht zunächst die Industriestaaten in der Pflicht, die historisch viel mehr CO2-Emissionen in die Atmosphäre gepustet haben.

«Die entwickelten Länder wehren sich etwas gegen die Pflicht, Geld an die Entwicklungsländer zu zahlen», sagte der Umweltminister von Guatemala, Andreas Cord Lehnhoff Temme, der Deutschen Presse-Agentur. Ein Knackpunkt sei die Frage, ob die Hilfen freiwillig oder verpflichtend werden sollten. (afo/sda)

Erstellt: 12.12.2015, 04:48 Uhr

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