Künstlicher Eisberg in der Wüste

Am Rande des Himalaja-Gebirges kämpft eine Region mit Wasserknappheit. Ein Wissenschaftler fand jetzt eine verblüffende Lösung für das Problem.

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Im Norden Indiens, eingekesselt zwischen den höchsten Gebirgen der Welt, dem Himalaja und dem Kunlun-Gebirge, liegt die Steinwüste Ladakh. Es sei der einzige Ort der Welt, an dem man, wenn man in der Sonne sitzt und die Füsse im Schatten hat, gleichzeitig einen Sonnenstich und Frostbeulen bekommen kann, behaupten die Bewohner des trockenen Landstriches. Minustemperaturen bis zu –20 °C sind in den Wintermonaten keine Seltenheit. Nur an wenigen Tagen steigt die Temperatur über den Gefrierpunkt, doch im Sommer klettert das Thermometer bis 25 °C.

Aber nicht nur die Temperaturschwankungen machen den Einwohnern zu schaffen: Durch die Klimaerwärmung fehlt es der Region besonders im Frühjahr an Wasser, welches die Bauern für die Bepflanzung ihrer Felder bräuchten. Erst mit den steigenden Temperaturen der Sommermonate fliesst das Gletscherwasser von den Bergen ins Tal.

Verschiedene Forscher suchten schon nach Lösungen für das Problem. Sonam Wangchuck scheint nun eine gefunden zu haben: Der Ingenieur errichtet künstliche Gletscher in der Steinwüste. Die sogenannten Eis-Stupas sollen als Wasser-Reservoir für die Landwirtschaft dienen. Mithilfe eines Crowdfundings baute der Ingenieur 2015 eine Leitung, die verschiedene Gletscherströme aus den Bergen an einen zentralen Ort lenkt. Von dort aus gelangt das Wasser durch unterirdische Schläuche weiter ins Tal, hin zu jener Stelle, an der ein Eisberg entstehen soll. Mithilfe von hydrostatischem Druck entsteht anschliessend der künstliche Eishügel. Das Wasser schiesst im Tal aus dem Boden und gefriert bei Wintertemperaturen oder in der Nacht sofort. Ein Eis-Stupa entsteht. Dieser ist bis zu 40 Meter hoch und kann rund 150'000 Liter Wasser speichern.

Im April pünktlich zur Zeit der Aussaat schmelzen die Eisberge und versorgen so die Bauern mit Wasser. (lip)

Erstellt: 26.07.2017, 10:33 Uhr

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