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Langsamer Tod auf Raten

Einheimische Arten sterben durch eingeschleppte Pflanzen langsam aus. Sie bilden zwar zunächst Standort-Inseln, werden aber dadurch langfristig verdrängt. Forscher sehen nun eine Lösung für diese Entwicklung.

Verdrängt einheimische Arten langfristig: Eine kanadisch-amerikanische Goldrute in Magadino im Tessin. (Archivbild)
Verdrängt einheimische Arten langfristig: Eine kanadisch-amerikanische Goldrute in Magadino im Tessin. (Archivbild)
Keystone

Angestammte Arten, die von Exoten verdrängt werden, sterben einen langsamen Tod auf Raten. Zu diesem Schluss kommen kanadische und Schweizer Forscher in einer Studie. Damit widersprechen sie jüngeren Studien, die keine Bedrohung der heimischen Flora durch eingeschleppte Arten fanden.

Ökologen hatten nämlich beobachtet, dass trotz Tausenden von eingeschleppten Spezies bislang nur wenige Pflanzenarten effektiv ausgestorben sind. Vielmehr harren die einheimischen Arten in verstreuten, kargen Lücken aus, die für die Einwanderer ungeeignet sind, wie die Uni Toronto in einer Mitteilung schreibt.

Maskiertes Aussterben

Benjamin Gilbert von der Universität von Toronto und Jonathan Levine von der ETH Zürich zweifeln aber daran, dass dieser Rückzug die angestammten Pflanzen langfristig vor der Ausrottung bewahrt. «Besonders bedenklich ist, dass dieses kurzfristige Überleben das langfristige Aussterben maskiert», zitiert die Mitteilung Gilbert.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher Gräser in einem kalifornischen Naturschutzgebiet, in dem viele angestammte Arten in kargen Randflecken leben, umringt von Exoten aus Europa. Die Forscher massen auf Testflächen die Samenproduktion und Keimungsraten ausgewählter Arten und schätzten daraus per Computermodell ab, wie weit sie sich potenziell verbreiten können.

Aussterben wird aufgeschoben

Sie kommen zum Schluss, dass die isolierten «Inseln der Einheimischen» deren Samenproduktion reduzieren und ihr lokales Verschwinden begünstigen. «Das macht es für die einheimischen Pflanzen auch schwerer, Flecken wieder zu besiedeln, aus denen sie verdrängt wurden», sagt Gilbert.

Diese «Inseln» kreieren, was die Forscher eine «Aussterbe-Schuld» nennen: «Die Arten sterben langsam aus, aber das wahre Ende kommt erst Hunderte von Jahren nach der Invasion», erklärt der Ökologe. Ihre Studie zeige, dass sich die Auswirkungen von Invasionen oft viel später offenbaren als bisher angenommen wurde.

Die Autoren glauben, dass ihre Arbeit auch praktischen Nutzen für den Naturschutz birgt: «Wir könnten neue Lebensräume für die einheimischen Arten kreieren, die zwar immer noch zu karg für die Invasoren sind, aber so platziert werden, dass sie Brücken zu anderen Flecken bilden», sagt Gilbert.

SDA/rbi

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