Tipps fürs Gärtnern im Alter

Wer ein Leben lang gärtnert, kann sich meist schwer von seinem grünen Reich trennen. So fällt die Gartenarbeit im Alter leichter.

Nur für manche Schnittarbeiten holt er Hilfe: Mark Kamber in seinem grossen Garten. Foto: Daniel Ammann

Nur für manche Schnittarbeiten holt er Hilfe: Mark Kamber in seinem grossen Garten. Foto: Daniel Ammann

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Er ist 82 Jahre alt, und noch immer pflegt Mark Kamber seinen Garten weitgehend allein: Ein aufwendig bepflanztes Blütenreich, 1200 Quadratmeter gross, das fast täglich mehrere Stunden Arbeit verlangt. Seit vierzig Jahren arbeitet Kamber aus Amriswil TG an seinem Werk und kann sich nicht vorstellen, je mit Gärtnern aufzuhören.

Da er körperlich noch fit genug ist, hat er die Gartengestaltung selber noch nicht vereinfacht. Aber erste Anpassungen bei der Arbeit hat er gemacht: Seit einiger Zeit steigt er aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf Leitern, sondern überlässt alle Schnittarbeiten einem Gärtner. Beim Jäten sei er im Alter genauer als früher: «Wenn ich Unkraut sehe, jäte ich es sofort und denke nicht, das mache ich dann morgen», sagt Kamber. «Je kleiner die Pflanze, wenn man sie ausreisst, desto weniger Aufwand.»

Je länger, je mehr ist auch seine Frau Regula in die Gartenpflege eingebunden – bis vor zwei Jahren hat sie sich ausschliesslich um die Topfpflanzen gekümmert. Wenn nötig, hilft sie ihm heute auch beim Rasen­mähen und beim Pflanzenrückschnitt.

«Ich erlebe eine Ruhe, wie ich sie während meiner Berufstätigkeit nie erleben durfte.» 

Viele Studien belegen, dass Gartenarbeit und der Aufenthalt im Garten gesund sind: Stress wird reduziert, der Blutdruck reguliert, der Kreislauf angekurbelt. Zudem erhöht die Arbeit mit Pflanzen die Schmerztoleranz und macht Menschen ausgeglichener. Diese Wirkungen äussern sich bei allen Menschen – ob jung oder alt. Deshalb raten Fachleute, so lange wie möglich am Gärtnern festzuhalten. Je nach Entwicklung der körperlichen Fähigkeiten ist es jedoch nötig, den Garten oder die Gartenarbeit sukzessive seinen Möglichkeiten anzupassen. Folgende Tipps können weiterhelfen.

Sicher und bequem

  • Bei Veränderungen im Garten auch in jüngeren Jahren bereits ans Alter denken: Wie sind einzelne Elemente später mit wenig Aufwand um- oder rückbaubar?
  • Wege verbreitern und Unebenheiten ausbessern. Einen rutschfesten Belag wählen, der nicht grell reflektiert, da die Augen im Alter Helligkeitsunterschiede schlechter wahrnehmen.
  • Gärten am Hang terrassieren. So wird ihre Pflege nicht nur einfacher, sondern auch sicherer.
  • Im Gemüsegarten einige Hochbeete aufstellen, sodass pflegeintensive Kulturen auf angenehmer Höhe liegen (mindestens 80 Zentimeter).
  • Bewässerungsanlage installieren: ein Röhrensystem mit Bodensteckdosen im Garten, automatische Tröpfchenbewässerung für Töpfe.

Pflegeleichte Pflanzen

  • Statt Wechselflor gut bodendeckende Kräuter wie Thymian, Oregano, Borretsch, Zitronenmelisse und Pfefferminze setzen.
  • Gemüsebeete, die man nicht mehr bepflanzen möchte, mit pflegeleichter Gründüngung einsäen – etwa mit Phacelia, Luzerne oder Buchweizen.
  • Den Rasen in eine Wildblumenwiese entwickeln lassen. Diese muss nur zweimal jährlich geschnitten werden.
  • Exotische, nicht winterharte Pflanzen (Oleander, Fuchsien und so weiter) verschenken und stattdessen die Töpfe mit winterharten Stauden und Ziergräsern bepflanzen, sodass man keine Töpfe mehr in den Keller transportieren muss.

Gemeinsam statt einsam

  • In der Nachbarschaft oder der Familie herumfragen, ob Bedarf an Garten besteht. Unbenutzte Flächen an jüngere Garteninteressierte abtreten und gegenseitig voneinander profitieren: Neulinge sind froh um Erfahrungstipps, ältere Leute um Hilfe beim Umgraben des Kompostes.
  • Im Frühling nach der Winterpause sanft beginnen und die Garteneinsätze erst nach und nach ausdehnen, wenn der Körper wieder trainiert ist.
  • Statt eines Spatens eine zweizackige Rosengabel verwenden, da sich diese einfach einstechen lässt. Zudem altes, schweres Gartenwerkzeug durch möglichst leichte Modelle ersetzen.
  • Griffe von Gartenwerkzeugen bei Bedarf polstern, zum Beispiel mit Rohrisolation aus Schaumstoff aus dem Baumarkt.

Entdeckungen im Alter

Gärtnern im Alter habe auch Vorteile, findet Kamber. Je älter die Menschen würden, desto mehr zögen sie sich aus gesellschaftlichen Engagements zurück, desto mehr Zeit verbrächten sie zu Hause. «Ich bin heute noch stärker auf den Garten konzentriert als früher», sagt der pensionierte Lehrer. «Dabei erlebe ich beim Gärtnern eine Ruhe, wie ich sie während meiner Berufstätigkeit zwar in Ansätzen gekannt habe, aber niemals in dieser Tiefe erleben durfte.»

Obwohl er schon seit Jahrzehnten im Garten arbeitet, fallen ihm heute neue Details an seinen Pflanzen auf – oder er entdeckt Blickwinkel durch die Gehölze und Staudenbeete, die er noch nie gesehen hat. «Wenn ich im Garten arbeite, vergesse ich die Zeit», sagt er, «ich rieche das Parfüm vieler Blüten, den Duft der Erde, das nasse Laub – und empfinde grösstes Glück.»

Hier gibt es Unterstützung: www.alter-gruen-raum.ch (Plattform für Wohnprojektemit Gärten im Alter); www.pro-senectute.ch oder www.betreut.ch (Vermittlung von Gartenhilfen); www.ihr-gaertner.ch oder www.bioterra.ch (Suche nach einem Gärtner in der Region).

Erstellt: 27.08.2019, 11:10 Uhr

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