So sieht der Aletschgletscher in 80 Jahren aus

Welche Aussicht werden Touristen Ende des Jahrhunderts vom Jungfraujoch aus haben? ETH-Forscher haben es berechnet.

Entwicklung des Aletschgletschers bis 2100: Das Video zeigt die drei Szenarien nebeneinander. Video: ETH Zürich

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Geht der Klimawandel ungebremst weiter, wird der grösste Gletscher der Alpen, der Aletschgletscher, bis 2100 fast völlig verschwinden. Mit energischem Klimaschutz liesse sich jedoch rund ein Drittel des heutigen Gletschervolumens retten.

Die majestätischen Eismassen des Aletschgletschers sind ein Touristenmagnet. Jedoch dürften Ende des Jahrhunderts nur noch eine Handvoll kleiner Eisflecken vom grössten Eisstrom der Alpen übrig sein, wenn es mit dem Klimawandel ungebremst weitergeht.

Guillaume Jouvet und Matthias Huss von der ETH Zürich haben ein dreidimensionales Computermodell des Aletschgletschers erstellt, um zu zeigen, welcher Anblick sich aus der Luft oder von verschiedenen Aussichtspunkten im Jahr 2100 bieten wird.

Simulation zeigt Gletscherschrumpfen

Die Simulation liessen sie mit regionalen Klimaszenarien laufen: eine Erwärmung von 1 bis 2 Grad, 2 bis 4 Grad oder 4 bis 8 Grad im Vergleich zur Periode zwischen 1960 und 1990 – bevor sich die Klimaerwärmung rasant beschleunigte. Von ihren Ergebnissen berichten die Forscher im Fachmagazin «Journal of Glaciology».

In animierten Grafiken auf einer eigens erstellten Website schrumpft das Eisvolumen im Zeitraffer, bis – im schlimmsten Fall – praktisch nichts mehr übrig ist. Schafft es die Staatengemeinschaft jedoch, die Ziele des Pariser Klimaabkommens umzusetzen, die CO2-Emissionen rasch und massiv zu senken und das Klima gegen Mitte des Jahrhunderts zu stabilisieren, liesse sich deutlich mehr des Gletschers retten. «Etwa 40 Prozent des heutigen Eisvolumens wären dann im Jahr 2100 noch übrig», sagte Jouvet im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Aber dafür brauche es grosse Anstrengungen.

Selbst wenn sich die Klimaerwärmung auf dem heutigen Stand stoppen liesse, wird es mit dem Eisverlust am Aletschgletscher bis Ende des Jahrhunderts weitergehen, so Jouvet. Die Forscher liessen ihre Simulation auch auf Basis des Klimas der letzten 10 Jahre laufen.

«Damit sind wir unabhängig von den Projektionen verschiedener Klimaszenarien – und selbst dann wird der Aletschgletscher etwa die Hälfte des heutigen Volumens bis 2100 verlieren.» Grund dafür ist, dass die Eisschmelze bei grossen Gletschern einen langen «Bremsweg» hat: Sie reagieren mit Verzögerung auf Klimaveränderungen.

Ohne energischen Klimaschutz dürfte auch der Konkordiaplatz unter dem Jungfraujoch, wo sich heute noch rund 800 Meter hoch das Eis türmt, bis 2100 völlig eisfrei sein, sagte Jouvet. (ij/sda)

Erstellt: 12.09.2019, 11:46 Uhr

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