Neue Hinweise: Klimawandel verursacht Dürren

Mit einer neuen Methode haben Forscher einen Zusammenhang zwischen Trockenheit und dem weltweiten Temperaturanstieg nachgewiesen.

Dürreperioden bereiten Landwirten Sorgen: Sprinkler auf einem Feld während der Hitzeperiode im Sommer 2018. (6. August 2018)

Dürreperioden bereiten Landwirten Sorgen: Sprinkler auf einem Feld während der Hitzeperiode im Sommer 2018. (6. August 2018) Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

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Dürreperioden in den letzten Jahrzehnten könnten mit dem menschengemachten Klimawandel zusammenhängen. Für diese Vermutung haben Wissenschaftler neue Hinweise gefunden.

Für die Zeit von 1900 bis 1949 wiesen die Forschenden einen klaren statistischen Zusammenhang zwischen Dürren und dem globalen Temperaturanstieg nach. Von 1950 bis 1975 könnte die Luftverschmutzung den Zusammenhang verschleiert haben, erläutern die Wissenschaftler im Fachmagazin «Nature». Für die Phase danach sei der Zusammenhang wieder erkennbar.

Die Forscher um Kate Marvel von der Columbia University in New York (USA) nutzten Dürreatlanten, die auf der Auswertung von Jahresringen von Bäumen beruhen: Das Ausmass des Baumwachstums lasse Rückschlüsse auf die klimatischen Bedingungen im jeweiligen Jahr zu. In den Dürreatlanten ist die regionale Bodenfeuchte in Form des sogenannten Palmer-Dürre-Index angegeben.

Da die Jahresringe Beurteilungen des Klimas rückblickend auf viele Jahrhunderte zulassen, ergab sich für die Wissenschaftler eine gute Vergleichsbasis für Dürren vor der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Die Daten kombinierten sie mit Simulationen in Computermodellen.

Dürredaten verschiedener Weltregionen

Die Atlanten liegen für Nord- und Mittelamerika, Europa und den Mittelmeerraum sowie grosse Teile Asiens und Australiens vor. Die Forscher versprachen sich von der Kombination der Daten aus den verschiedenen Dürreatlanten einen deutlicheren statistischen Zusammenhang mit dem Klimawandel als er aus den einzelnen Atlanten ablesbar ist.

Tatsächlich ist dies für den Zeitraum 1900 bis 1949 klar erkennbar. Ab 1950 aber geht die Verbindung in den starken Schwankungen der Temperaturen und Dürren unter. Die Forscher vermuten als Ursache den Einfluss zahlreicher Partikel in der Luft durch den Anstieg der industriellen Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg.

Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der nicht an der Studie beteiligt war, erklärt die Dämpfung des Temperaturanstiegs vor allem mit Schwefel-Aerosolen. Diese Partikel hätten das einfallende Sonnenlicht verstärkt zurück ins Weltall gestreut. «Diese Schwefel-Aerosole sind im Gegensatz zu CO2 kurzlebig und haben keinen Treibhauseffekt», sagt Fink.

Dieser Global Dimming genannte Effekt habe sich Mitte der 1970er-Jahre umgedreht (Global Brightening), so der Forscher. Damals seien in Europa und Nordamerika zunehmend Filter in Fabriken und Kraftwerken installiert worden, die viele Schadstoffe, auch den Schwefel, aus Abgasen entfernten.

Schwächerer Zusammenhang ab 1980

Die Gruppe um Marvel fand wieder einen statistischen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Dürren ab dem Jahr 1981. Dieser fiel allerdings weniger deutlich aus als für die Zeit von 1900 bis 1949. Grund dafür könnte sein, dass die Zeitperiode ab 1981 noch zu kurz sei, kommentiert Sonia Seneviratne von der ETH Zürich, die ebenfalls nicht an der Studie beteiligt war. Etwas überraschend sei es dennoch, da die Erwärmung seit 1980 höher ausfiel als zwischen 1900 und 1950.

Man könne allerdings nicht ausschliessen, dass es Schwächen bei der Studie gebe, zum Beispiel einen Beitrag von regionalen Signalen, die mit natürlicher Klimavariabilität zusammenhängen. Diese könnten das das Signal von 1900 bis 1950 verstärkt, das Signal seit 1980 hingegen abgeschwächt haben.

Zudem sei zu beachten, dass die Informationen aus den Jahresringdaten nur für 54 Prozent der Landfläche ausserhalb der Antarktis gelten, so Seneviratne. Viele Regionen wie beispielsweise Südamerika, Afrika und Nordasien fehlen in der Auswertung aufgrund eines Mangels an Baumringdaten. Die abgedeckten Regionen lägen eher in mittleren Breiten, die in Klimaprojektionen eine Tendenz zur Austrocknung aufwiesen.

«Die Schlussfolgerungen der Studie sind also wahrscheinlich robust für dieses Gebiet, aber es ist noch offen, ob sich daraus eine globale Tendenz ableiten lässt», sagte die ETH-Klimaforscherin. (ij/sda)

Erstellt: 02.05.2019, 14:29 Uhr

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