Satellitenbilder zeigen Rekord-Waldbrände im Amazonas-Gebiet

Noch nie gab es im weltweit grössten Regenwald so viele Feuer. Die Auswirkungen auf Mensch und Natur sind verheerend.

Der Rauch ist sogar aus dem Weltraum zu sehen: Satellitenaufnahme der Amazonas-Brände vom <nobr>11. August</nobr> 2019. Foto: Nasa Earth Observatory

Der Rauch ist sogar aus dem Weltraum zu sehen: Satellitenaufnahme der Amazonas-Brände vom 11. August 2019. Foto: Nasa Earth Observatory

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Der weltweit grösste Regenwald ist akut bedroht. Schon über 72’800 Brände hat das brasilianische Institut für Weltraumforschung (Inpe) in diesem Jahr im Amazonas-Gebiet entdeckt. Das sind fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2018 und noch mehr als 2016, dem Jahr mit dem bisherigen Rekord. Alleine seit letztem Donnerstag sind landesweit mehr als 9500 neue Feuer dazugekommen, die meisten im Amazonas-Gebiet.

Auf Satellitenbildern der Nasa ist die starke Rauchentwicklung zu sehen, die durch die Brände verursacht wird. Daten des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zeigen, wie viele Brände derzeit in der Region wüten.

Der brasilianische Bundesstaat Amazonas hat schon am 9. August den Notstand ausgerufen. Acre, das an der Grenze zu Peru liegt, zog am vergangenen Freitag nach. Stark betroffen sind auch Roraima, Rondonia sowie Mato Grosso und Para, zwei Bundesstaaten, in denen viel Regenwald abgeholzt wird.

Über neun Länder erstreckt sich das Amazonas-Becken, betroffen von den Feuern ist vor allem Brasilien. In einigen Regionen des Landes hat es seit mehr als drei Monaten nicht geregnet. Die Böden sind staubtrocken und entzünden sich leicht. «Die Dürre begünstigt sicher die Verbreitung der Brände, gelegt wurden diese aber von Menschen, vorsätzlich oder aus Versehen», sagte Inpe-Forscher Alberto Setzer zur Nachrichtenagentur Reuters.

Vor allem Viehzüchter legen gerne Feuer, um Land zu roden, auf dem danach ihre Rinder weiden können. Seit dem Amtsantritt von Präsident Jair Bolsonaro im Januar hat sich die Geschwindigkeit der Abholzung laut Inpe-Angaben vervielfacht. Bolsonaro, der nicht viel von Umweltschutz hält, bezeichnete die Zahlen als Lüge und entliess den Leiter des Instituts.

In den betroffenen Gebieten klagen die Menschen zunehmend über Atemnot. Der Wind trägt den Rauch der Feuer zudem in andere Regionen des Landes. Copernicus-Daten zeigen, dass die Belastung sogar an der Küste im Südosten hoch ist – 2000 Kilometer entfernt.

Dort zeigte sich am Montag das ganze Ausmass der Brände eindrücklich. Um etwa 15.30 Uhr Ortszeit verdunkelte sich in der Millionenstadt São Paulo der Himmel. Der Rauch verdeckte die Sonne und sorgte so für eine gespenstische Szenerie. Mitten am Tag wurde es auf einmal dunkel.

Aus Tag wurde Nacht: Der Rauch der Waldbrände verdunkelte am Montag den Himmel über São Paulo. Video: Tamedia

Umweltschützer schlagen nun Alarm. Denn der Amazonas-Wald gilt als «Lunge der Erde» und spielt im globalen Klimaschutz eine unverzichtbare Rolle. Doch Präsident Bolsonaro, ein Freund der Agrarindustrie, begünstigt mit seiner Politik den Raubbau im Gebiet. Monokulturen wie der Anbau von Soja oder Rinderzucht werden zulasten umweltfreundlicherer Familienbetriebe gefördert.

Das sorgt international für Proteste. Deutschland und Norwegen haben bereits angekündigt, Millionen Finanzhilfen an Brasilien im Kampf gegen die Rodung des Regenwaldes auf Eis zu legen.

So schlimm war es noch nie: Satellitenaufnahme der Amazonas-Brände vom 13. August 2019. Foto: Nasa Earth Observatory

Die dortigen Brände haben schon jetzt mehr CO2 freigesetzt als jemals zuvor im August. Etwa 23 Megatonnen waren es bis am Dienstag, und der Monat dauert ja noch an. Seit dem Jahr 2003 messen die Copernicus-Forscher die Emissionen, nie haben sie einen höheren Wert verzeichnet.

Inzwischen hat Regen dabei geholfen, Brände in einigen Regionen zu löschen. Trotzdem glauben Experten, dass sich die Situation in den nächsten Wochen eher noch verschlimmern wird, anstatt sich zu entspannen. Denn der September ist traditionell der Monat, in dem sich die Waldbrände in Brasilien besonders häufen.

Erstellt: 21.08.2019, 14:43 Uhr

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