So sollen Gletscher wieder wachsen

Im Oberengadin starten Schweizer Forscher ein 2,5 Millionen Franken teures Projekt zur Rettung von Gletschern.

Damit hier die Eisdicke nicht noch mehr zurückgeht: Morteratsch-Gletscher im Kanton Graubünden. Foto: Arno Balzarini/Keystone

Damit hier die Eisdicke nicht noch mehr zurückgeht: Morteratsch-Gletscher im Kanton Graubünden. Foto: Arno Balzarini/Keystone

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Gletscher retten mit einem bodenunabhängigen und stromfreien Beschneiungssystem: Dieses Pilotprojekt soll am 19. August im Oberengadin gestartet und dann während 30 Monaten durchgeführt werden. Geplant ist eine Anlage beim Morteratschgletscher.

Die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) habe die Hälfte der Kosten von total 2,5 Millionen Franken übernommen, wie Projektleiter Felix Keller gemäss einer Mitteilung der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur sagte. Die andere Hälfte stammt von Industriepartnern. Das sei ein Meilenstein. Alle Studien und Forschungen seien fast wertlos, wenn man sie technisch nicht umsetzen könne, sagte Glaziologe Felix Keller.

Gletscherwachsum soll möglich sein

Der mögliche Schutz der Gletscher basiert auf der Idee des Schmelzwasser-Recyclings. Dabei wird das im Sommer anfallende Schmelzwasser hoch oben gesammelt, um es im Winter in Form von Schnee zu recyclen und dem Gletscher zurück zu geben. Keller und sein Team konnten eigenen Angaben zufolge darlegen, dass unter den heutigen Bedingungen sogar ein Gletscherwachstum in zehn Jahren möglich sei, wenn zehn Prozent der Gletscheroberfläche mit Schnee ganzjährig zugedeckt würden.

Der Plan der HTW-Chur zeigt, was durch ihren Eingriff möglich werden soll.

Für das Forschungsprojekt soll ein bodenunabhängiges und stromfreies Beschneiungssystem zur Anwendung kommen. Noch zu entwickelnde Beschneiungsseile mit Schneeerzeugern sollen über dem Gletscher gespannt werden. Glaziologe Keller brachte dafür zwei Industriepartner zusammen und begeisterte sie für die Idee.

Beschneiung von Anlagen die an Seilen über den Gletschern hängen. Illustration: HTW Chur

Neben der HTW Chur sind weitere Forschungspartner beteiligt: die Hochschule Luzern, die Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs und St. Gallen (NTB) sowie die Fachhochschule Nordwestschweiz.

Märkte zeigen Interesse

Potenzielle Kunden für ein solches Beschneiungssystem finden sich nach Angaben der Forscher in Regionen Europas, in Zentralasien und in den Anden. In vielen Regionen hänge die Existenz der Menschen vom Schmelzwasser nahe gelegener Gletscher ab. Im Himalayagebiet, wo in wenigen Jahrzehnten 220 Millionen Menschen von einer knapper werdenden Trinkwasserversorgung direkt betroffen sein werden, könnte eine Verzögerung der Gletscherschmelze von bis zu 50 Jahren möglich sein. Laut Keller zeigen weitere Regionen mit touristischen Hintergründen Interessen am Gletscherschutz mit dem Schmelzwasser-Recycling. (sda)

Erstellt: 17.07.2019, 13:54 Uhr

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