«Schweizer produzieren zu viel Abfall»

Der Umweltprüfbericht der OECD übt Kritik an den Konsumgewohnheiten in der Schweiz. Er bemängelt ausserdem den Artenschutz und die Wasser- und Luftqualität.

Das erste Farbsacktrennsystem der Schweiz soll während einem Jahr getestet werden: Eine Mitarbeiterin des Umweltamts der Stadt Bern entsorgt unterschiedlich farbige Abfallsäcke in einen Container. (24. August 2017)

Das erste Farbsacktrennsystem der Schweiz soll während einem Jahr getestet werden: Eine Mitarbeiterin des Umweltamts der Stadt Bern entsorgt unterschiedlich farbige Abfallsäcke in einen Container. (24. August 2017) Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Die OECD bemängelt in ihrem Umweltprüfbericht zur Schweiz den Schutz der Arten, die Sicherung der Wasserqualität und örtlich auch der Luftqualität. Sie kritisiert zudem die hiesigen Konsumgewohnheiten – 742 Kilogramm Siedlungsabfall gibt es pro Jahr und Kopf. Das sei zu viel.

Das Recycling zeige zwar Wirkung, heisst es im am Montag in Bern den Medien vorgestellten Bericht. Aber auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft sehen die Autoren Luft nach oben, namentlich bei Bau- und Abbruchabfällen. Mehr als 15 Millionen Tonnen Abfall im Jahr entfallen auf diese Sparte.

Hersteller zur Verantwortung ziehen

Würden die Hersteller von Baumaterial vermehrt zur Verantwortung gezogen, würde dies laut dem Bericht «die Abfallerzeuger dazu anregen», die Kosten von nicht mehr genutzten Stoffen in Betracht zu ziehen.

Schwerpunkte setzt der Bericht bei den Themen Biodiversität, Wasser und ressourcenschonendes Wachstum, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Montag mitteilte. Hier sehen die Autoren Nachholbedarf: Bei der Erhaltung der Biodiversität hinke die Schweiz den anderen OECD-Staaten hinterher.

Verbesserungsbedarf sehen sie auch bei den Schutzgebieten: Im internationalen Vergleich seien Grösse, die Qualität und auch die Vernetzung von Schutzgebieten mangelhaft. Arten kämen nicht nur wegen der Zersiedelung unter Druck, sondern auch wegen der hohen Belastung durch Ammoniak und Pestizide. Der Aktionsplan Biodiversität müsse unverzüglich umgesetzt werden.

Belastete Gewässer

Hohe Belastungen haben auch Gewässer zu tragen, und auch hier werden die von Bauern verwendeten Pestizide genannt. Aber auch Mikroverunreinigungen aus Haushalten und Industrie tragen zu den Belastungen bei. Positiv gewertet wird, dass Frischwasserentnahmen abgenommen haben und Kläranlagen die Stickstoffbelastung senken.

Trotz Verbesserungen ein Ungenügend gibt der Bericht der Schweiz bei der Luftbelastung mit Schadstoffen: Die Belastungen durch Feinstaub und Stickoxide liegen vor allem in stark befahrenen Gebieten über den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten. Feinstaub und Ozon in der Luft verursachen jedes Jahr 2000 bis 3000 vorzeitige Todesfälle.

Nachdem die Schweiz 2007 ihren Aktionsplan Umwelt und Gesundheit (APUG) nicht erneuert habe, fehle «eine ganzheitliche Sicht der umweltbedingten Gesundheitsprobleme», heisst es im Bericht. Das Programm ging auf die Konferenz von Rio von 1992 und die damals verabschiedete «Agenda 21» zurück.

Der Bericht nennt aber auch Stärken: Aufgeführt werden hier die Bestrebungen, den Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu bringen, die CO2-Abgabe, die auf biologische Vielfalt ausgerichteten Direktzahlungen für Landwirtschaftsbetriebe, die höhere Besteuerung von Diesel im Vergleich zu Benzin und die Tatsache, dass über Umweltanliegen abgestimmt werden kann.

42 Empfehlungen

Der Umweltprüfbericht 2017 ist der dritte, den die OECD für die Schweiz erstellt hat. Für den Bericht werden Entwicklungen, Strategien und Resultate geprüft, Schlussfolgerungen gezogen und Empfehlungen gemacht – 42 sind es im aktuellen Bericht für die Schweiz. Das Bafu begrüsst den Bericht, wie es schreibt.

«Wir werden die Resultate und Empfehlungen analysieren und mit den Kantonen und weiteren Interessengruppen als Grundlage nutzen, um die Belastung der Umwelt zu reduzieren», liess sich BAFU-Direktor Marc Chardonnens in der Mitteilung zitieren. Die Empfehlungen zur Senkung der Belastung mit Nährstoffen und Pestiziden sollen laut Bafu in die Agrarpolitik ab 2022 einfliessen sowie in den vom Bundesrat verabschiedeten Aktionsplan Pflanzenschutzmittel. (rub/sda)

Erstellt: 27.11.2017, 11:20 Uhr

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