So beeinflusst der Saharastaub unser Wetter

Das Phänomen bringt nicht nur heisse Luft, sondern kann auch die Sonneneinstrahlung mindern. Welche Folgen das hat.

Der Himmel ist gesättigt mit Saharastaub: Gelbbraune Abendstimmung über dem Calanda. (Archivbild: Keystone)

Der Himmel ist gesättigt mit Saharastaub: Gelbbraune Abendstimmung über dem Calanda. (Archivbild: Keystone)

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Die Hitzewelle hat ihren Höhepunkt erreicht. Heute und gestern wurden mehrere Allzeit-Temperaturrekorde aufgestellt: Auf dem Tessiner Berg Cimetta in 1672 Meter Höhe zeigte das Thermometer über 29 Grad an, in Schuls im Engadin 33,3 Grad, auf dem Säntis auf 2504 Metern 21 Grad. Ausserdem übertrafen zahlreiche Orte in tieferen Lagen wie etwa Langnau und Delsberg ihre bisherigen Juni-Rekorde.

Schuld daran ist unter anderem der Saharastaub, der sich aus Nordafrika Richtung Mitteleuropa bewegt und auf den die Wetterdienste seit Tagen hinweisen. Er ensteht durch das Zusammenspiel des Tiefdruckgebiets Nasir über dem Atlantik und dem Hoch Ulla über der Ostsee. Der Druckunterschied zwischen beiden sorgt dafür, dass derzeit heisse Luft direkt aus der Saharawüste in die Schweiz befördert wird – und mit ihr der Staub.

Die starke Südströmung transportiert viele Sandpartikel in unsere Breitengrade. Kommen diese in einer erhöhten Konzentration in der Atmosphäre vor, können sie nach Ansicht von Meteorologen sogar dafür sorgen, dass die Temperaturen doch nicht so hoch klettern wie erwartet. «Die Partikel können die Sonneneinstrahlung reflektieren und dadurch dämpfen, was die Temperatur senkt», bestätigt Markus Kägi von Meteo Schweiz auf Anfrage. «Wir reden hier aber nicht von 5 bis 10 Grad, sondern vielleicht von 1 Grad. Ganz genau ist das schwierig zu messen.»

Trotzdem bezeichnet Kägi das Phänomen als «spannenden Nebeneffekt». Wer Saharastaub hört, denkt ausschliesslich an Hitze. Dass dieser aber auch für eine Abschwächung der Temperatur sorgen kann, ist wohl den wenigsten bewusst.

Aktuell ist die Konzentration von Saharastaub in der Schweiz so hoch, dass man ihn deutlich erkennen kann, besonders in hohen Lagen. Der Himmel wirkt milchiger als sonst, weil die winzigen Teilchen das Licht streuen. Bei Sonnenauf- und -untergängen entsteht so eine ganz spezielle Stimmung, wie zum Beispiel der Blick vom Säntis heute morgen zeigt.

Heisse Temperaturen, teils weniger Sonneneinstrahlung und diffuse Sichtverhältnisse sind nicht die einzigen Auswirkungen auf unser Wetter. Der Saharastaub kann auch Einfluss auf die Wolkenbildung haben, indem aus den Partikeln neue Wolken entstehen. «Momentan ist das nicht der Fall, weil es zu trocken ist», erklärt Meteorologe Kägi.

Zudem ist es möglich, dass der Staub eine Auswirkung auf die Energiegewinnung hat. Solaranlagen produzieren weniger Strom, wenn die Sonneneinstrahlung auf die Erde nachlässt. Sind die Panels selbst noch von Staub bedeckt, der sich abgelagert hat, wird das Licht zusätzlich gefiltert.

Das dürfte auch in den kommenden Tagen der Fall sein. Der Sandtransport über das Mittelmeer hält an, wie eine Simulation des Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) zeigt, des Erdbeobachtungsprogramms der EU. In der Schweiz wird die Konzentration von Saharastaub wohl etwas nachlassen.

Heisse Luft und Sand in Richtung Norden: Die Saharastaub-Prognose vom 25. bis zum 29. Juni. (Simulation: CAMS)

Noch bleibt es am Freitag und am Wochenende aber unvermindert heiss mit Temperaturen, die vielerorts deutlich über 30 Grad liegen. Tagsüber werden diese erst kommende Woche etwas sinken. Zumindest die kommenden Nächte versprechen etwa Kühlung.

Für Allergiker sind das gute Nachrichten. Denn Saharastaub gilt als natürliche Quelle von Feinstaub, der ab einer bestimmten Konzentration gesundheitliche Folgen hat. Für Pflanzen kann der Staub ebenfalls Probleme mit sich bringen. Er verhindert die Fotosynthese, wenn er die Blätter bedeckt.

Andererseits enthält der Staub auch wichtige Mineralstoffe, die Pflanzen als Nährstoffe dienen können. Das zeigt sich besonders im Amazonas-Gebiet, wo sich jährlich bis zu 40 Millionen Tonnen Saharastaub anlagern und als natürlicher Dünger dienen.

Wichtig für die Pflanzen: Die Nasa zeigt die Auswirkungen des Saharastaubs auf den Amazonas. (Video: Youtube)

Von der Sahara nach Westen über den Atlantik werden noch viel grössere Mengen an Sand transportiert als Richtung Europa. Die Passatwinde bringen die Partikel bis in den Amazonas und die Regenwälder der Karibik, wo sie entscheidend zum Pflanzenwachstum beitragen.

Insgesamt wehen jedes Jahr rund 500 Millionen Tonnen Sand aus der Sahara in verschiedene Erdteile, teils Tausende Kilometer weit. Der Staub schaffte es sogar schon bis nach Island – und legte dafür eine Distanz von über 5000 Kilometern zurück.

Erstellt: 27.06.2019, 16:48 Uhr

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