Tropische Riesenzecken überwintern in Europa

Eine neue Zeckenart ist in Deutschland vorgefunden worden. Sie wurde auch schon in der Schweiz nachgewiesen.

Grösser als ihre Artgenossen: Die Hyalomma-Zecke, aufgenommen durch ein Mikroskop. (Keystone/Marco Drehmann/19. Februar 2019)

Grösser als ihre Artgenossen: Die Hyalomma-Zecke, aufgenommen durch ein Mikroskop. (Keystone/Marco Drehmann/19. Februar 2019)

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Eine neu eingewanderte tropische Zeckenart scheint erstmals in Deutschland überwintert zu haben. Fachleute der Universität Hohenheim und der Bundeswehr fanden sechs Exemplare der Gattung Hyalomma, die offenbar nicht neu von Zugvögeln eingeschleppt wurden.

2018 wiesen die Expertinnen und Experten bereits mehrere Exemplare der tropischen Zecke in Deutschland nach. Bisher wurden sie vermutlich von Zugvögeln eingeschleppt. Nun wurden fünf Zecken auf einem Pferdehof in Nordrhein-Westfalen und eine auf einem Pferd in Niedersachsen gefunden, die offenbar überwintert haben: Laut den Forschenden müssten diese Individuen zu einem Zeitpunkt eingeschleppt worden sein, als die Zugvögel noch nicht wieder da waren.

Die Hyalomma-Zecke ist an ihren auffällig geringelten Beinen und ihrer Grösse leicht zu erkennen. Sie ist zwei- bis dreimal so gross wie ihre europäischen Verwandten. Anders als diese jagt die Hyalomma-Zecke zudem aktiv und verfolgt Warmblüter über Dutzende Meter.

Die Gattung Hyalomma ist eigentlich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas heimisch. Beispielsweise kommt sie in der Türkei, in Spanien, Italien und Südfrankreich vor. Im eurasischen Raum gelten die zu den Milben zählenden Tiere zudem als Überträger des auch für den Menschen gefährlichen Krim-Kongo-Virus.

Vereinzelt auch hierzulande

Auch in der Schweiz wurde die tropische Zeckenart seit 1975 vereinzelt nachgewiesen. Forschende der Universität Neuenburg hatten damals festgestellt, dass Hyalomma-Zecken mit Zugvögeln in die Schweiz kommen. Systematisch erfasst wird das Vorkommen dieser Zeckenart hierzulande bisher jedoch nicht.

Obwohl nun in Deutschland einige Exemplare entdeckt wurden, die offenbar überwintern konnten, bedeute das noch lange nicht, dass sich die tropische Zeckenart in diesen Breiten etablieren könne, betonte der Parasitologe Alexander Mathis von der Universität Zürich gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Winter in der Schweiz seien zu kalt. Solange es noch einige richtig kalte Tage gebe, sei es sehr unwahrscheinlich, dass Hyalomma hierzulande im Freien überwintern könne.

Anders sehe es in geschützten Bereichen wie Ställen aus, so Mathis. Insofern sei es nachvollziehbar, dass die tropische Zeckenart auf Pferdehöfen überwintern konnte. «Es ist auch möglich, dass Hyalomma-Zecken beim Import von Heu und Futtermitteln eingeschleppt werden. Diese Art ist extrem trockenheitsresistent, anders als die einheimischen Arten», sagte der Parasitologe.

Keine explosionsartige Vermehrung

Ausserdem paare sich die tropische Zeckenart auf den Wirtstieren beim Blutsaugen, es müssten sich also Männchen und Weibchen auf dem gleichen Tier finden, damit sie sich vermehren könnten. Und selbst wenn dies per Zufall einmal vorkomme, so gebe es bei dieser Zeckenart nur einen Vermehrungszyklus pro Jahr – es gebe somit keine explosionsartige Vermehrung wie beispielsweise bei Stechmücken.

Dass mit der Hyalomma-Zecke auch das für den Menschen gefährliche Krim-Kongo-Fieber eingeschleppt werde und sich hier etablieren könnte, hält Mathis für äusserst unwahrscheinlich. «Die Zecken tragen den Erreger nicht automatisch in sich. Sie müssten zunächst in einem Juvenilstadium ein mit dem Krim-Kongo-Erreger infiziertes Tier stechen; erst dann könnte das nächste Entwicklungsstadium der Zecke die Krankheit übertragen.» (fal/sda)

Erstellt: 12.06.2019, 12:00 Uhr

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