Trübe statt klare Bergseen

Warum Bergfreunde die Gewässer in den Alpen künftig anders antreffen könnten als gewohnt.

Ein Bild, das sich verändern könnte: Blick auf den Lac de Daubensee am Gemmipass im Wallis.

Ein Bild, das sich verändern könnte: Blick auf den Lac de Daubensee am Gemmipass im Wallis. Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT/Keystone

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Durch den Klimawandel werden Wetterkapriolen immer häufiger. Das könnte klare Bergseen öfter in trübe Suppen verwandeln - mit weitreichenden Folgen für ihr Ökosystem, wie Forschende aus der Schweiz und Frankreich berichten.

Am Beispiel eines Bergsees in den französischen Alpen haben Forschende untersucht, wie sich Sommerstürme auf die Ökosysteme von Bergseen auswirken. An der Studie beteiligt waren die Forschungsanstalt Eawag, die Universität Lausanne und das nationale französische Agrarforschungsinstitut.

Während drei Sommersaisons sammelten die Wissenschaftler um Damien Bouffard von der Eawag Daten zu allen Regen- und Windstürmen am Lac de la Muzelle, wie die Forschungsanstalt am Dienstag mitteilte. Ausserdem massen sie mit speziellen Sonden regelmässig die Temperatur- und Sauerstoffprofile des Sees.

Die Forschenden registrierten im Rahmen der Untersuchung zehn Stürme, wie sie kürzlich im Fachmagazin «Global Change Biology» berichteten.

Acht dieser Stürme wirbelten zwar das Oberflächenwasser durch, der See erreichte aber schon nach einer Woche wieder seinen Normalzustand. Zwei der Stürme hatten jedoch grössere Auswirkungen und beförderten grosse Mengen von Schwebepartikeln aus dem Gletschereinzugsgebiet des Sees ins Wasser.

Lichtmangel und Algensterben

Der Lac de la Muzelle verwandelte sich dabei in eine trübe Brühe, durch die kaum mehr Licht in tiefere Wasserschichten gelangte. Algen brauchen jedoch das Licht, um Fotosynthese zu betreiben. Ohne Licht sterben sie ab, wodurch Sauerstoff und Nährstoffe fehlen. Darunter leiden wiederum die Fische.

«Es war eindrücklich zu sehen, wie ein einziger Sturm von wenigen Stunden das Ökosystem für den ganzen restlichen Sommer durcheinanderbringen kann», sagte Bouffard gemäss der Mitteilung der Eawag. Das zeige, dass für das Leben in alpinen Seen nicht nur die langfristige Klimaerwärmung eine Rolle spiele, sondern ebenso stark die Häufigkeit von Extremereignissen.

Dabei meint der Forscher nicht nur die Stürme selbst: Wie die Untersuchung weiter ergab, spielten die Tage und Wochen vor dem Sturm eine grosse Rolle dabei, ob dieser den See in eine trübe Suppe verwandelt.

Die Wahrscheinlichkeit dafür steige, wenn die Bedingungen vor dem Sturm heiss und trocken seien, schrieb die Eawag. Hitzewellen und Trockenperioden werden laut Klimamodellen mit dem Klimawandel zunehmen - auch dies trägt somit zu häufiger getrübten Bergseen bei. (sda)

Erstellt: 19.09.2018, 08:41 Uhr

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