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Überlebenskünstler auf heissem Boden

Um der extremen Hitze im Sommer zu trotzen, zieht sich die Wüstenschnecke über mehrere Monate in den oberen Teil ihres Hauses zurück.

Vor der Hitze schützen sich Wüstenschnecken durch ihr Kalkgehäuse und monatelanges Nichtstun. Foto: Alamy
Vor der Hitze schützen sich Wüstenschnecken durch ihr Kalkgehäuse und monatelanges Nichtstun. Foto: Alamy

Den Sommer verschlafen und erst wieder aktiv werden, wenn es auch am Tag endlich etwas kühler wird und draussen nicht mehr Temperaturen von 43 Grad Celsius herrschen. Diese Strategie einer hitzebedingten Langzeit-Siesta hat sich die nur rund vier Gramm leichte Schnecke mit dem wissenschaftlichen Namen «Sphincterochila bois­sieri» erfolgreich zunutze gemacht.

Auch wenn die Sonne mitten in der israelischen Negevwüste noch so brennt, es dort weit und breit keinen Schatten gibt, hält es die zierliche, aber durchaus robuste Schnecke dank ihres ausgefeilten Häuschens auf dem heissen Untergrund aus und übersteht diese garstige Zeit problemlos. Erst bei etwas Regen von November bis März kommen ihre Lebensgeister zurück: Sie frisst dann auf einmal relativ grosse Mengen an Algen und Flechten, die sich in der Wüste auf dem Lössboden oder den Kieselsteinchen befinden.

Häuschen reflektiert Sonnenstrahlung effizient

Im Sommer kann der Wüstenboden vor allem um die Mittagszeit Temperaturen von bis zu 65,3 Grad Celsius erreichen, wie der norwegische Zoologe Knut Schmidt-Nielsen von der Duke University Anfang der 1970er-Jahre in einer Feldstudie vor Ort untersuchte. Er fand damals heraus, dass die Wüstenschnecken weiter oben in den Windungen ihres spiralförmigen Häuschens ­hocken. Denn dort wird es durch die isolierende Luftschicht im unteren «Stockwerk» letztlich «nur» noch maximal 50,3 Grad Celsius heiss – noch genau 5 Grad unterhalb der Temperatur, die für die Wüstenschnecke tödlich wäre.

Gut geschützt steckt der Körper des Weichtiers in den trichterförmigen Hohlräumen der Schale. Überleben kann die kleine Schnecke die Hitze nur, weil ihr helles Häuschen mit den unterschiedlich grossen Windungsumgängen die Sonnenstrahlung äusserst effizient reflektiert. Hinzu kommt, dass der von ihr verwendete Kalk als Baumaterial Wärme schlecht leitet. Ein Phänomen, das sich auch beobachten lässt, wenn ein Wasserkessel verkalkt.

Kurzum, die clevere Wüstenschnecke verkriecht sich bei äusserst hohen Temperaturen und harrt der Dinge, bis es mal wieder regnet.

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