«Viele kleine Gletscher zerfallen richtiggehend»

Die Gletscher haben erneut an Eisvolumen eingebüsst. Es hätte aber noch viel schlimmer kommen können.

Blick auf den Aletsch-Gletscher: Der Klimawandel setzt den Schweizer Alpen zu. (7. Juli 2018)

Blick auf den Aletsch-Gletscher: Der Klimawandel setzt den Schweizer Alpen zu. (7. Juli 2018) Bild: Anthony Anex/Keystone

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Eine Studie hat ergeben, dass allein im Jahr 2017/18 die Gletscher in der Schweiz 2,5 Prozent ihrer Masse verloren. Und wenn es im letzten Winter in den hohen Lagen nicht soviel geschneit hätte, würden die Zahlen auf Grund des heissen Sommers noch viel bedrohlicher sein. «Für alle rund 1500 Schweizer Gletscher wird für das hydrologische Jahr 2017/18 ein Verlust von rund 1400 Millionen Kubikmetern Eis geschätzt», schreibt die Akademie der Naturwissenschaften in einer Mitteilung von Dienstag.

Summiert auf die letzten zehn Jahre haben die Gletscher rund 20 Prozent verloren. Oder bildlich gesprochen: Mit dem entsprechenden Wasser liesse sich die gesamte Fläche der Schweiz 25 Zentimeter hoch bedecken, schreiben die Naturwissenschaftler weiter. Besonders den kleinen Gletschern machten demnach die immer häufiger auftretenden extrem heissen und trockenen Sommer zu schaffen. «Viele zerfallen richtiggehend.»

Laut MeteoSchweiz waren die vergangenen Monate Juni bis August nach 2003 und 2015 die drittwärmsten seit Messbeginn. Das Sommerhalbjahr von April bis September war gar das wärmste überhaupt. Den Gletschern hat darüber hinaus zugesetzt, dass das Sommerhalbjahr zudem extrem trocken war.

Neuschnee hat Schlimmeres verhindert

Dabei wären die Gletscher noch viel extremer zurückgegangen, wenn sie nicht bis ins Frühjahr von einer überdurchschnittlich hohen Schneedecke geschützt worden wären. «Ohne die riesigen Winterschneemengen wäre die Schmelze noch viel dramatischer ausgefallen», heisst es in der Mitteilung. Dies gilt vor allem für das Wallis.

Bilder: Gletscher werden weiter schmelzen

In hohen Lagen fiel von Ende Dezember bis Ende Januar gebietsweise 2,5 bis 6 Meter Schnee. Und bis Ende März lag immer noch bis zu doppelt so viel Schnee wie üblich. Aber: In den sehr warmen Monaten April und Mai ist der Schnee in der warmen und trockenen Witterung geschmolzen, sodass bis in den Frühling überall normale Schneehöhen gemessen wurden. Die Gletscher haben also trotz rekordhoher Neuschneemengen – «die Schneehöhen waren 2018 grösser als in den letzten 20 Jahren je gemessen wurde» – durch Schmelze mehr verloren, als sie durch Neuschnee gewachsen sind.

Der Klimawandel setzt den Alpen zu

Der Rückgang der Gletscher stehe im «direkten» Zusammenhang mit dem Klimawandel, betonte Matthias Huss vom Schweizer Gletschermessnetz Glamos. «Die Gletscher sind sehr empfindlich für hohe Lufttemperaturen und diese hängen eindeutig mit höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre zusammen.»

Schreitet die Erderwärmung in diesem Tempo voran, «werden viele kleine Gletscher verschwinden», warnte der Experte. Der Aletsch-Gletscher, der grösste Gletscher der Alpen, werde auch in 20 Jahren noch bewundert werden können, aber das Abschmelzen werde sich beschleunigen. (fal/sda/afp)

Erstellt: 16.10.2018, 19:55 Uhr

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