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Viele kleine Mutmacher, die viel bewirken

An der Klimakonferenz in Madrid werden ehrgeizige Klimaziele von den Staaten erwartet. Hoffnung machen kleine CO2-Produzenten.

Einmal im Jahr, und das seit 25 Jahren, lädt die UNO zur Weltklimakonferenz. Seit einer Woche verhandeln Umweltdiplomaten in Madrid wieder Paragrafen, protestieren Umweltaktivisten gegen das Nichtstun, präsentieren Klimaforscher alarmierende Zahlen.

Seit 25 Jahren hat die Weltöffentlichkeit den Eindruck, diese Mega-Bühne der globalen Umweltdiplomatie drehe sich im Kreis. Die Überzeugung, einen grossen Schritt für den Schutz des Weltklimas getan zu haben, hat sich bis heute nicht richtig durchgesetzt.

Das Kyoto-Protokoll, seit 2005 in Kraft, hat den Industriestaaten zu schwache Verpflichtungen auferlegt, Treibhausgase zu reduzieren. Die Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 brachte eine schmerzhafte Zäsur in der internationalen Klimapolitik – und eine Neubesinnung mit der Frage: Ist die Weltgemeinschaft auf dem richtigen Weg?

«Tausende Städte, Regionen und Unternehmen zeigen, dass man sich im Klimaschutz ehrgeizige Ziele setzen kann.»

Der Klimagipfel in Paris im Jahre 2015 wurde als historischer Erfolg gefeiert. Der gute Geist von Paris. Vier Jahre später reichte der zweitgrösste Produzent von Treibhausgasen, die USA, die Kündigung des Pariser Abkommens ein. In diesem Akt zeigt sich die ganze Tragik wechselnder Regierungen. Von Barack Obama, der den Klimawandel ernst nahm, zu Donald Trump, der nicht an den menschlichen Einfluss glaubt.

Begleitet werden die politischen Tiefschläge logischerweise von alarmierenden Botschaften der Klimaforscher. Die Emissionen für dieses Jahr steigen zwar nicht mehr so stark wie im letzten Jahr, aber immer noch beträchtlich.

Tritt keine Kehrtwende ein und eine Absenkung der Emissionen in den nächsten zehn Jahren um fast 3 Prozent jährlich, ist der Klimazug laut Wissenschaftlern bald abgefahren. Eine gefährliche Erwärmung der Erde um 2 Grad ist dann bis zum Ende des Jahrhunderts nur noch durch grosse Investitionen abzuwenden.

Klimakonferenzen produzieren selten positive Nachrichten. In Madrid erwartet man neue, ehrgeizigere Klimaziele, vor allem von den Industriestaaten, um doch noch in den wissenschaftlich begründeten Absenkpfad einzuschwenken. Die meisten reichen Staaten nehmen sich aber bisher Zeit. Warum jetzt schon ihre Klimaziele für 2030 verschärfen, wenn diese gemäss Pariser Abkommen doch erst Ende des nächsten Jahres gefordert werden.

«Es ist nicht verwunderlich, dass sich in der öffentlichen Meinung allmählich Fatalismus ausbreitet.»

Erwartungen haben längst nicht mehr nur Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. Der UNO-Generalsekretär selbst, António Guterres, fordert gebetsmühlenhaft die Vertragsstaaten auf, ihre Ambitionen im Klimaschutz zu erhöhen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich in der öffentlichen Meinung allmählich Fatalismus ausbreitet: Es hat ja eh keinen Wert. Der Glaube an den Erfolg der internationalen Klimapolitik schwindet von Jahr zu Jahr. Vor dem Hintergrund, wie dringend und herausfordernd die Abkehr von den fossilen Brenn- und Treibstoffen ist, gebärt der UNO-Prozess jeweils eine Maus.

Es gibt allerdings eine Gruppe von Freiwilligen, die sich davon nicht herunterziehen lässt. Im Gegenteil. Zum Beispiel die 10'000 Städte und lokalen Regierungen in sechs Kontinenten, die bis 2030 jährlich über 1,3 Milliarden Tonnen CO2 reduzieren wollen, fast zweimal so viel wie Deutschland in einem Jahr.

«Für Pessimisten heisst das: Es gibt noch Hoffnung für die Zukunft.»

Das Netzwerk von heute 220 Teilstaaten in über 40 Ländern, darunter auch die beiden Basel, die bis 2050 die Emissionen gegen null senken wollen. Oder die Allianz der weltweit grössten Versicherungen und Pensionskassen, darunter auch drei Schweizer Unternehmen, die bis 2050 die CO2-Emissionen ihrer Anlageportfolios in der Höhe von 2,4 Billionen Dollar auf null reduzieren möchten.

Sie gehören alle zu den rund 6000 Städten und Regionen, den knapp 1500 Unternehmen und mehr als 300 internationalen Initiativen, die sich vielfach ehrgeizigere Klimaziele gesteckt haben als die Vertragsstaaten des Pariser Abkommens. Eine neue Studie zeigt, dass die Wirkung dieser freiwilligen und zusätzlichen Emissionssenkungen gross wäre – vorausgesetzt, sie werden alle realisiert.

Zusammen mit den aktuellen Zielen der nationalen Klimapläne der Vertragsstaaten wäre sogar der Emissionspfad bis 2030 wieder realistisch, auf dem die langfristigen Klimaziele bis Ende des Jahrhunderts zu erreichen sind.

Die vielen kleinen Mutmacher können offensichtlich viel bewirken. Für Pessimisten heisst das: Es gibt noch Hoffnung für die Zukunft. Für Optimisten ist es ein deutliches Zeichen: Die Vertragsstaaten des Pariser Klimaabkommens können sich in den nächsten Jahren ehrgeizigere Ziele setzen, ohne wirtschaftliche Einbusse.

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