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Nun muss die Welt zeigen, dass sie Trump trotzt

Im Kampf gegen den Müll im Meer gilt das Prinzip Kaffeeküche im Büro: Irgendeiner wird sich schon kümmern. Die erste Ozean-Konferenz der UN versucht das nun zu ändern.

MeinungJan Heidtmann

Mehrere heftige Stürme hatte Ismael bereits erlebt, dazu auch einen bösartigen Riesenkraken. Doch die Schönheit der Ozeane übermannte ihn ein jedes Mal wieder. «Für den Wanderer und Weisen bleibt der selige Pazifik, wenn er ihn einmal gesehen hat, für immer das Meer seines Herzens», sagt er, als der Walfänger Pequod die Südsee durchquert.

Vor gut 160 Jahren erschien Herman Melvilles grosser Roman «Moby Dick», die Geschichte des epochalen Zweikampfs zwischen Kapitän Ahab und dem weissen Wal. Müsste er heute ausgefochten werden, würde er vermutlich im Müll stattfinden. Enorme Mengen an Plastikresten treiben durch den Südpazifik. Der Wal, er hat den epochalen Kampf längst verloren; die Frage ist nun, ob die Ozeane dasselbe Schicksal erleben müssen.

Kaum fassbare Weite der Ozeane

Wenn in dieser Woche in New York Meeresbiologen, Minister und Staatsrechtler zur ersten Ozean-Konferenz der UN zusammenkommen, dann ist das der Versuch, das schier Unregelbare zu regeln. Melvilles Werk ist noch von der Vorstellung der «Freiheit der Meere» geprägt – ein Blick auf die Wassermassen, der bis heute das Denken der Menschen bestimmt. Und tatsächlich scheinen die Ozeane in jeder Hinsicht kaum fassbar: 1,3 Milliarden Kubikkilometer Wasser sind das; denkt man sich die Erde als Scheibe, dann würde sich das Salzwasser darauf fast drei Kilometer hoch stapeln.

Plastikflaschen, Styroporbecher, Spielzeug: Ein Kran hebt pflanzliche Teile und Abfall aus dem Los Angeles River, der in den Pazifik mündet.
Plastikflaschen, Styroporbecher, Spielzeug: Ein Kran hebt pflanzliche Teile und Abfall aus dem Los Angeles River, der in den Pazifik mündet.
County of Los Angeles Department Public Works/Bob, Reuters
Bislang geborgene Teile bei der Suche nach Flug MH 370 stellten sich als unbrauchbaren Müll heraus: Undefiniertes Material schwimmt im indischen Ozean. (31. März 2014)
Bislang geborgene Teile bei der Suche nach Flug MH 370 stellten sich als unbrauchbaren Müll heraus: Undefiniertes Material schwimmt im indischen Ozean. (31. März 2014)
Rob Griffith, AFP
Der «Great Pacific Garbage Patch» im Nordpazifik hat die Grösse von Zentraleuropa: Eine vergleichsweise kleine Abfallinsel im Pazifischen Ozean. (27. August 2009)
Der «Great Pacific Garbage Patch» im Nordpazifik hat die Grösse von Zentraleuropa: Eine vergleichsweise kleine Abfallinsel im Pazifischen Ozean. (27. August 2009)
Mario Aguiler, Keystone
Acht Millionen Partikel Müll landen täglich in den Weltmeeren: Kanister, PET-Flaschen, Zahnbürsten, Einmalrasierer – drei Viertel davon sind Plastik. (22. März 2014)
Acht Millionen Partikel Müll landen täglich in den Weltmeeren: Kanister, PET-Flaschen, Zahnbürsten, Einmalrasierer – drei Viertel davon sind Plastik. (22. März 2014)
Noel Celis, AFP
Daneben verlieren ab und an Containerschiffe ihre Ladung: Container des 47'300-Tonnen-Schiffs Rena fallen vom Deck, nachdem das Schiff ein Riff in Neuseeland gerammt hatte. (17. Oktober 2011)
Daneben verlieren ab und an Containerschiffe ihre Ladung: Container des 47'300-Tonnen-Schiffs Rena fallen vom Deck, nachdem das Schiff ein Riff in Neuseeland gerammt hatte. (17. Oktober 2011)
Svitzer, Reuters
Die Abfälle stören nicht nur die Suche nach dem Flugzeug – sie stellen auch eine riesige Gefahr für die Tierwelt dar: Polizisten beobachten wie Trümmer und Schutt an den Mount Maunganui Beach gespült werden. (13. Oktober 2011)
Die Abfälle stören nicht nur die Suche nach dem Flugzeug – sie stellen auch eine riesige Gefahr für die Tierwelt dar: Polizisten beobachten wie Trümmer und Schutt an den Mount Maunganui Beach gespült werden. (13. Oktober 2011)
Mark Mitchell, Keystone
Tödliche Verwechslung: Viele Meeresschildkröten halten kleine Plastiktüten für Quallen, verschlucken das vermeintliche Futter und gehen daran zugrunde. (1. August 2007)
Tödliche Verwechslung: Viele Meeresschildkröten halten kleine Plastiktüten für Quallen, verschlucken das vermeintliche Futter und gehen daran zugrunde. (1. August 2007)
Mike Nelson, Keystone
Vögel verschlucken Plastikteile, die sie für Futter halten und verhungern mit vollem Magen: Ein Reiher sucht in den geschätzten 150 Tonnen Müll im Los Angeles River nach Futter. (11. Dezember 2006)
Vögel verschlucken Plastikteile, die sie für Futter halten und verhungern mit vollem Magen: Ein Reiher sucht in den geschätzten 150 Tonnen Müll im Los Angeles River nach Futter. (11. Dezember 2006)
Bob Riha, Jr., Reuters
Durch den Müll paddeln: Ein Philippiner sucht im Müll nach noch verwendbaren Sachen. (6. November 2005)
Durch den Müll paddeln: Ein Philippiner sucht im Müll nach noch verwendbaren Sachen. (6. November 2005)
Jay Directo, AFP
Endstation Meer: Das Ende eines Rohrs für die Entsorgung radioaktiven Abfalls vor dem französischen Cap La Hague. (14. September 1997)
Endstation Meer: Das Ende eines Rohrs für die Entsorgung radioaktiven Abfalls vor dem französischen Cap La Hague. (14. September 1997)
Greenpeace/Martijn Juijn, Keystone
Säuberungsaktion: Ein libanesischer Taucher zieht einen Abfallsack aus dem Meer in Manara. (17. August 1997)
Säuberungsaktion: Ein libanesischer Taucher zieht einen Abfallsack aus dem Meer in Manara. (17. August 1997)
Reuters
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Noch immer ist ein grosser Teil der Ozeane nicht erforscht, Tausende Meter unter der Oberfläche, in der Tiefsee, kreuchen und fleuchen unzählige unbekannte Arten. Inzwischen scheint die «Freiheit der Meere» jedoch vor allem zu heissen, dass der Mensch mit ihnen machen kann, was er will. Es gilt das Prinzip Kaffeeküche im Büro – irgendeiner wird sich schon darum kümmern.

Die Welt kann in New York zeigen, dass sie Trump tatsächlich trotzt

Doch 100 Jahre weitgehend rücksichtloser Ausbeutung und Verschmutzung haben deutliche Spuren hinterlassen: Rund 30 Prozent der Fischbestände sind dramatisch dezimiert, weitere 60 Prozent sind an ihrem Limit; werden die Ozeane weiter mit Plastik zugemüllt wie bisher, wird das Gewicht des Mülls 2050 schwerer wiegen als das der dort lebenden Fische. Der wichtigste Grund für diese kollektive Verantwortungslosigkeit ist, dass sich kein einzelner Mensch, aber auch keine Regierung wirklich zuständig fühlen muss. Abseits weniger Hundert Meilen rund um die Küstenstaaten sind die Ozeane wildes Gebiet. Zwar gibt es eine Vielzahl von Abkommen und Gesetzen, die den Fischfang regulieren sollen oder Schutzgebiete ausweisen. Nur existiert keine Institution, die die Regeln auch wirksam durchsetzen könnte.

Besitzrechte und Information gelten daher als Schlüssel zum Schutz der Meere. Denn dort, wo Länder die Verantwortung übernehmen, bessert sich ihr Zustand. So haben effektive Fangquoten an manchen Küsten Europas dazu geführt, dass sich der Bestand einzelner Fischarten wieder stabilisieren konnte. Google hat gemeinsam mit zwei anderen Unternehmungen «Global Fishing Watch» gegründet. Internet-Plattformen wie diese könnten es möglich machen, die Fahrten von Fischerbooten präzise zu verfolgen und so illegales Fischen nachhaltig zu erschweren. Hoffnung macht auch ein Projekt des 22-jährigen Niederländers Boyan Slat, der mithilfe von Sponsoren ein System entwickelt, mit dem er den schwimmenden Plastikmüll aus den Ozeanen fischen will. Nach Tests in der Ostsee soll ein erster Versuch im Pazifik noch in Jahresfrist beginnen.

Die Konferenz von New York ist die erste Zusammenkunft der Weltgemeinschaft nach der Ankündigung von Donald Trump, das Paris-Abkommen zu kündigen. Es ist die Nagelprobe für die Bekenntnisse Angela Merkels und anderer Staatschefs, sich vom US-Präsidenten nicht die Umwelt zerstören zu lassen.

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