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Warten auf den Asteroiden-Streifschuss

Ein Asteroid von der Grösse eines Flugzeugträgers wird am nächsten Dienstag nur knapp an der Erde vorbeischrammen. Zuletzt ist 1976 ein Asteroid dieser Grösse der Erde so nahe gekommen.

Von gigantischer Grösse: Der Asteroid 2005 YU55.
Von gigantischer Grösse: Der Asteroid 2005 YU55.
Nasa

Er bietet Astronomen die seltene Chance, Urgestein aus dem Weltall zu erforschen, ohne eine Raumsonde ins All schicken zu müssen. Der kosmische Brocken mit der Bezeichnung 2005 YU55 wird unseren Planeten nach Berechnungen der US-Raumfahrtbehörde Nasa im Abstand von nur gut 324'000 Kilometern passieren. Das ist weniger als die Distanz zwischen Erde und Mond und nach astronomischen Massstäben ein Streifschuss.

Zuletzt ist 1976 ein Asteroid dieser Grösse der Erde so nahe gekommen. Erst im Jahr 2028 wird nach derzeitigem Wissensstand erneut ein Asteroid vergleichbarer Grösse so dicht an der Erde vorbeiziehen, wie das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa in Pasadena im US-Bundesstaat Kalifornien errechnet hat.

Kosmisches Relikt

Trotzdem wird 2005 YU55 mit blossem Auge nicht zu sehen sein - selbst für Hobby-Astronomen lohnt sich die Suche nur, wenn sie über grössere Teleskope verfügen. Überhaupt wird die Stippvisite denkbar unspektakulär verlaufen: Laut Nasa übt seine Schwerkraft keinen messbaren Effekt auf die Erde aus.

2005 YU55 gilt wie seine zahllosen Artgenossen im All als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren - und er zählt zu den Gesteinsbrocken, die auf ihrer Bahn um die Sonne der Erde ungemütlich nahe kommen können. Einen Einschlag können die Forscher aber zumindest für die nächsten hundert Jahre ausschliessen.

Zum Glück für unseren Planeten, denn Asteroiden-Kollisionen können verheerende Folgen haben. So raste am 30. Juni 1908 ein Brocken aus dem All auf eine abgeschiedene Region in Sibirien zu. Mit 70'000 Stundenkilometern drang er in die Atmosphäre ein und explodierte über dem Fluss Steinige Tunguska.

Verheerende Einschläge

Die Explosion löste eine Druckwelle aus, die mit der Sprengkraft von mehreren hundert Hiroshima-Atombomben das sibirische Waldgebiet weiträumig verwüstete. Der Durchmesser des Tunguska-Geschosses wird heute auf 50 Meter geschätzt - also gerade mal ein Achtel des Durchmessers, den 2005 YU55 aufweist.

Vor 65 Millionen Jahren schlug ein zehn Kilometer grosser Asteroid auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan ein und löste einen Klimawandel aus, der höchstwahrscheinlich zum Aussterben der Dinosaurier beitrug. Im Vergleich mit diesem Riesen-Asteroiden ist 2005 YU55 zwar ein Knirps.

Doch sollte der zur Klasse der sogenannten Apollo-Asteroiden gehörende Brocken einst mit der Erde kollidieren, würde dabei die Sprengkraft von zigtausenden Hiroshima-Bomben freigesetzt. Ausserdem drohten Erdbeben und Tsunamis von ungeheurer Zerstörungskraft.

Gespannte Astronomen

Während die Erdbewohner zumindest dem nun bevorstehenden Rendezvous mit 2005 YU55 beruhigt entgegensehen können, herrscht bei den Astronomen grosse Spannung. Der Vorbeiflug von 2005 YU55 biete eine «grossartige Möglichkeit», den Asteroiden mit Instrumenten von der Erde aus zu beobachten, sagte JPL-Wissenschaftlerin Barbara Wilson.

Dabei hoffen die Forscher vor allem, seine mineralische Zusammensetzung zu entschlüsseln. Denn dies würde Wilson zufolge Rückschlüsse erlauben, welche Asteroiden sogar am besten geeignet sein könnten für eine künftige bemannte Mission.

SDA/jak

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