Zum Hauptinhalt springen

Wenn die Gletscher schmelzen, beginnt der Kampf ums Trinkwasser

In Zentralasien schrumpfen die Gletscher ähnlich rasch wie in der Schweiz. Stimmen die Prognosen, sind gewalttätige Konflikte ums Wasser absehbar.

Im Sommer sind sie Trinkwasserquelle: Gletscher im Gebirge von Tian Shian an der Grenze von China, Kasachstan und Kirgistan. (Bild: Yunsheng Bai/Flickr.com)
Im Sommer sind sie Trinkwasserquelle: Gletscher im Gebirge von Tian Shian an der Grenze von China, Kasachstan und Kirgistan. (Bild: Yunsheng Bai/Flickr.com)

Die Gletscherschmelze bedroht die Wasserversorgung in Zentralasien. Ohne das Schmelzwasser werden die Menschen auf unsichere Sommerregenfälle angewiesen sein, berichten nun Forscher aus Genf, Bern und Zürich. Die Wasserknappheit drohe politische Spannungen in der Region zu verschärfen.

Im zentralasiatischen Tien Shan-Gebirge beliefern 15'000 Quadratkilometer Gletscher – das entspricht einem Drittel der Fläche der Schweiz – tiefer gelegene Länder wie Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan und Nordchina mit Wasser. «Im Sommer sind Gletscher die einzige Wasserquelle für die Bewässerung und das Trinkwasser», erklärt Erstautorin Annina Sorg, Umweltwissenschaftlerin an den Universitäten Genf und Bern in einer Mitteilung der Universität Genf.

Gletscherschmelze wie in der Schweiz

Doch das Eis schmilzt ähnlich schnell wie in den Schweizer Alpen, wie Sorg und Kollegen nun in einem Übersichtsartikel im Fachblatt «Nature Climate Change» aufzeigen. «Die Gletscherschmelze wird die Menge und jahreszeitliche Verteilung des verfügbaren Wassers beeinflussen», sagt Sorg. Die Forschenden analysierten im Rahmen des europäischen Projekts Acqwa Datenreihen zu Klima, Gletscherschmelze und Abflussmengen und fügten diese erstmals zu einem Gesamtbild zusammen. Dabei stellte sich zwar heraus, dass der Klimawandel derzeit noch vermehrte Niederschläge im Winter bringt, was die Gletscherschmelze vorübergehend kompensiert.

Doch sollten die Hochrechnungen des UNO-Klimarats zutreffen, werden die Sommerregenfälle in der Region um vier bis acht Prozent sinken. Ab 2050 müsse in heissen, trockenen Sommern mit deutlich geringeren Abflussmengen gerechnet werden, schreiben die Forschenden. Dies werde ökologische Probleme wie die Austrocknung des Aralsees durch die Bewässerung und das Risiko von Hochwasserkatastrophen verschärfen, warnen die Forscher.

Streit absehbar

Zudem seien politische Konsequenzen absehbar: Schon heute streiten die Länder um die Abflussmengen aus Staudämmen an den Oberläufen. «Wasserknappheit im Sommer wird das landwirtschaftliche System in der ganzen Region in Frage stellen, was seit dem Kollaps der Sowjetunion bestehende Spannungen schüren wird», schreiben die Wissenschaftler.

SDA/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch