Wenn Schlittenhunde übers Wasser laufen

Ein Bild aus Grönland sorgt für Aufsehen. Ist es echt – oder doch manipuliert? Ein dänischer Forscher klärt auf.

Ein ungewöhnliches, aber erklärbares Bild: Hohe Temperaturen in Grönland haben die Eisschmelze vorangetrieben. (Screenshot stern.de)

Ein ungewöhnliches, aber erklärbares Bild: Hohe Temperaturen in Grönland haben die Eisschmelze vorangetrieben. (Screenshot stern.de)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Steffen M. Olsen ist Däne und von Beruf Klimaforscher. Er hat vor sechs Tagen im Inglefield-Fjord im Nordwesten Grönlands ein Bild aufgenommen und auf Twitter veröffentlicht, das weltweit für Furore sorgt. Das Bild zeigt, wie sich Schlittenhunde auf Wasser bewegen. Da taucht sofort die Frage auf: Handelt es sich um ein gestelltes, manipuliertes Bild? Oder ist es doch echt?

Olsen liefert die Erklärung dazu. Für das Dänische Meteorologische Institut (DMI) in Kopenhagen sollte er Messstationen auf dem Meereis in Nordwestgrönland bergen, wie welt.de berichtet. Seit Dezember hätten sie mithilfe von Satellitenbildern und dem grossen Erfahrungsschatz einheimischer Jäger und ihrer Hunde die Eisdicke in dieser arktischen Region gemessen, bemerkte er auf Twitter. Nun aber erwischte sie die Eisschmelze deutlich früher und stärker als sonst.

Die ersten Tage in diesem Monat bescherten der arktischen Region speziell warmes Wetter. Gemäss DMI kletterten die Temperaturen auf bis zu 17,3 Grad Celsius. Meteorologen meinen, dass normalerweise das Schmelzwasser erst im Laufe des Sommers so hoch stehe.

«Noch nie solche Zustände gesehen»

Das Foto möglich machte gemäss Welt.de auch ein besonderer Sachverhalt im Inglefield-Fjord. Die Forschergruppe bewegte sich über eine 1,2 Meter dicke Eisschicht. Darunter befindet sich gemäss Olsen 870 Meter tiefes Meerwasser. Die dicke, undurchlässige Eisschicht verhindere aber, dass das Schmelzwasser wie andernorts durch Risse abfliessen könne, bemerkte sein Kollege am DMI-Zentrum für Ozean und Eis, Rasmus Tonboe, auf Twitter.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass das Eis schmelze, wenn Frühling und Sommer beginnen, erklärte Olsen in einem Interview mit dem deutschen Magazin stern.de. «Was aussergewöhnlich war, ist, dass es so abrupt passierte. Es war so heftig, dass wir ausserhalb unserer Komfortzone waren. Wir haben noch nie solche Zustände gesehen – nicht annähernd.»

Der Klimaforscher gab zudem zu, dass die Situation für das Forscherteam ziemlich brenzlig war. «Wir waren zehn Kilometer von der Küste entfernt. Das Eis ist unter unseren Füssen geschmolzen, und das Wasser ist gestiegen.» Sie hätten schon gewusst, wie sie davonkommen konnten. «Aber die Situation ist schlimmer geworden, als wir uns gewünscht hätten.» Ist dieses Bild ein weiterer Beweis für den Klimawandel? Im April hatte Olsen auf Twitter gepostet, dass vorläufige Messresultate in diesem Jahr eine dickere Eisschicht und geringere Temperaturen im Ozean im Vergleich zu den Vorjahren zeigten. US-Forscher bezeichneten die Schmelze in diesem Frühling als «signifikant», aber vergleichbar zu anderen Jahren zwischen 2010 und 2018. Der Juni sei ein extremer Ausreisser gewesen. In der Zwischenzeit seien die Temperaturen jedoch wieder gesunken.

Das Ausmass des Schmelzwassers in Grönland seit 1981 und heute. (Screenshot Twitter/Christof Specht) (fal)

Erstellt: 19.06.2019, 10:36 Uhr

Artikel zum Thema

Roboter filmt Tierwelt unter dem Packeis der Antarktis

Video Seltene Einblicke unter das antarktische Eis geben die Aufnahmen australischer Forscher. Mehr...

Eine Rammfahrt durchs Packeis

Eine Winterexpedition in die Antarktis ist äusserst heikel. Ein Buch beschreibt nun die abenteuerliche Reise des Forschungsschiffs Polarstern. Mehr...

Das sind die beliebtesten Klima-Ausreden

Gastbeitrag Ich kann ja sowieso nichts ändern, die Chinesen sind noch viel schlimmer: Es gibt viele schlechte Gründe, um nichts gegen den Klimawandel zu unternehmen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...