Wie die Corioliskraft Sportler täuscht

Ein schlechter Pass? Sportler sind Meister darin, Ausreden zu finden. Künftig sollten sie auf die gespenstische Corioliskraft verweisen, wenn ein Ball das Ziel verfehlt.

Tom Brady, Quarterback der New England Patriots, vor der Ballabgabe: Gehts daneben, ist die Corioliskraft schuld.

Tom Brady, Quarterback der New England Patriots, vor der Ballabgabe: Gehts daneben, ist die Corioliskraft schuld. Bild: Gregory Payan/Keystone

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Sportler sind Meister darin, Ausreden zu finden. Ein Fussballer, dem ein Pass misslingt, oder ein Golfer, der den Ball in den Teich schlägt, findet verdächtig oft einen anderen Schuldigen als sich selbst: der Wind, die Platzverhältnisse, der Schiedsrichter, die Mitspieler. Eine neue Anregung für Ausreden bietet nun eine Studie im Fachblatt «Physica Scripta»: Tatsächlich werden viele Sportarten auch durch die von der Erdrotation verursachte Corioliskraft verkompliziert, die Bälle schon mal um ein paar Zentimeter ablenken kann.

Die Corioliskraft ist eine gespenstische Grösse. Es ist keine reale, sondern nur eine Scheinkraft, die mit der Trägheit der Masse zu tun hat. Wirft man etwa aus dem hohen Norden einen Ball nach Süden zum Äquator, bekommt dieser wegen der Erdrotation einen Schubs Richtung Osten mit.

Die Corioliskraft treibt Pferde aus der Bahn

Es ist jedoch nur ein kleiner Schubs, weil ein Punkt in Polnähe in 24 Stunden nur eine kleine, langsame Runde zurücklegt. Ein Punkt am Äquator hingegen rast 40’000 Kilometer am Tag im Kreis – mit diesem Tempo kann der Ball vom Nordpol nicht mithalten und bleibt hinter der Erdrotation zurück. Das sieht dann so aus, als würde er auf geisterhafte Weise nach Westen gezerrt, rechts zur Flugrichtung. Auf der Südhalbkugel ist es umgekehrt, dort wirkt die Corioliskraft nach links.

Weil Bälle üblicherweise kürzere Strecken fliegen als vom Nordpol zum Äquator, ist der Effekt meist kaum spürbar; er macht sich vor allem bei Luftströmungen bemerkbar. Trotzdem ist er da. Die australischen Forscher – und Brüder – Gary und Ian Robinson haben nun untersucht, wie er sich im Sport auswirkt. Bei einem langen Golfschlag können demnach rund vier Zentimeter Ablenkung herauskommen. Für Lawn Bowl, die britische Boule-Variante, kommen die Robinsons auf bis zu drei – entscheidende! – Zentimeter; im Cricket könnte es knapp ein Zentimeter sein. Und der fiese Effekt macht nicht an den Grenzen des Commonwealth halt. Zur Superbowl im American Football vor einigen Jahren wies der US-Astrophysiker Neil Tyson in einem Tweet darauf hin, dass die Corioliskraft bei einem Field-Goal-Schuss über 45 Meter gut einen Zentimeter ausmachen könne.

Ruderer gleichen die Abweichung automatisch aus

Noch schlimmer ist es jenseits der Ballsportarten: Würde ein olympischer Ruderer stur geradeaus rudern, könnte er sich laut den Berechnungen der Robinsons nach zwei Kilometern 40 Meter neben dem Ziel im Ufergestrüpp wiederfinden; in realen Rennen kompensieren Ruderer das. Auch Pferde in Galopprennen würden je nach Laufrichtung und Hemisphäre auf die innere oder die äussere Bahn getrieben.

Übrigens hat Gaspard-Gustave de Coriolis schon 1835 ein Standardwerk über physikalische Effekte im Sport geschrieben. Allerdings ging es um Billard, und die nach ihm benannte Scheinkraft hat der Mathematiker nicht erwähnt.

Erstellt: 05.04.2017, 14:37 Uhr

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