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Wie ein Gärtner zum Glückspilz werden kann

Die ideale Lösung für bequeme Gartenbesitzer: ein Pilzgarten. Ist ein solcher angelegt, kann man ohne weiteren Aufwand einige Jahre einfach ernten.

Reto Zumbrunn in seinem Pilzgarten, den er mit einem Holzrahmen und Schnitzeln vor Schneckenangriffen geschützt hat. Foto: Adrian Moser
Reto Zumbrunn in seinem Pilzgarten, den er mit einem Holzrahmen und Schnitzeln vor Schneckenangriffen geschützt hat. Foto: Adrian Moser

Bei einer Internetrecherche stösst Reto Zumbrunn aus Hondrich BE im Frühling auf ein Thema, das perfekt zu ihm und seinen Interessen zu passen scheint: ein Pilzgarten. Etwas Neues ausprobieren? Unbedingt! Eigene Pilze auf dem Teller? Herrlich! Zumbrunn beschäftigt sich gern im Garten, hat aber für diesen nicht sonderlich viel Zeit. Zusammen mit seiner Frau besucht er einen Pilzkurs, wo die beiden lernen, Baumstämme mit Pilzmyzel zu beimpfen: Austernseitlinge, Limonenseitlinge, Shiitake, Nameko.

Seit einigen Jahren sind Pilzgärten in der Schweiz zunehmend beliebt. Es gibt mehrere Kursanbieter und Pilzmyzel-Züchter, bei denen man das nötige Material bekommt. Attraktiv an Pilzgärten ist nicht unbedingt die Optik, sondern, dass man – einmal angelegt – ein paar Jahre ohne Aufwand ernten kann.

Austernseitling für Anfänger

Die schnellste und einfachste Variante ist, bei einem Anbieter beimpfte Holzrugel zu kaufen. Dabei handelt es sich um Holzstämme, in denen das Myzel, die fadenförmigen Zellen des Pilzes, bereits angesiedelt ist. Pilze sind Destruenten oder Zersetzer – sie ernähren sich von totem, organischem Material. Einige von ihnen, etwa Austernpilz, Shiitake, Stockschwämmchen oder Samtfussrübling, leben gerne auf geschlagenem Holz. Als Anfängerpilz eignet sich der Austernseitling am besten. Er ist sehr potent und setzt sich oft durch, auch wenn man bei der Anlage des Pilzgartens den einen oder anderen Fehler gemacht hat.

Die bereits mit Pilzmyzel durchwachsenen Stämme werden stehend zu einem Drittel eingegraben. So kann sich der Pilz vom Holz in den Boden ausbreiten und diesem Feuchtigkeit entziehen. Wichtig ist der Standort: Pilzgärten sollten an schattigen, feuchten, windstillen Orten angelegt werden.

Jetzt dauert es je nach Pilzart, Temperatur und Durchmesser des Holzstammes unterschiedlich lange, bis der Pilz die ersten Fruchtkörper bildet – nach drei bis vier Monaten ist es jedoch meistens so weit. Während der folgenden Jahre ernährt sich der Pilz von seiner Grundlage, dem Holz. Je grösser der Brennwert des Holzes, je länger kann sich der Pilz davon ernähren. Weiches Holz wie etwa Tanne hat er schneller aufgebraucht als Buche oder Esche.

Einige Pilze leben gerne auf geschlagenem Holz. Foto: Adrian Moser
Einige Pilze leben gerne auf geschlagenem Holz. Foto: Adrian Moser

Günstiger fährt, wer die Hölzer selber beimpft. Auch dies ist nicht besonders schwierig. Man erkundigt sich in der Umgebung nach frisch geschlagenem Holz (etwa bei Bauern, Förstern oder Holzhäcksel-Firmen). Holz, das schon eine Weile herumlag, eignet sich nicht, da es bereits von anderen Pilzen besiedelt ist. Idealerweise haben die Stämme einen Durchmesser von 20 bis 30 Zentimetern. Bei einem entsprechenden Labor bestellt man nun mit Myzel durchwachsene Holzdübel und legt diese eine Stunde ins Wasser.

Als Anfängerpilz eignet sich der Austernseitling am besten. Er setzt fast immer durch.

Beim Stamm werden derweil die Löcher vorbereitet: Mit einem 8,5-mm-Bohrer werden rundum spiralförmig Löcher gebohrt, in die dann die Dübel eingeschlagen werden. Bei dieser Arbeit sollte man Hände und Bohrer vorgängig desinfizieren, damit keine Bakterien ins Holz eindringen. Auch auf die beiden Stirnseiten des Stammes kommt je ein Loch. Es gilt die Faustregel: Pro Kilo Holz braucht es ein bis zwei Dübel, damit sich das Myzel gut im Stamm ausbreiten kann. Im Zweifelsfall nimmt man lieber einen Dübel zu viel als zu wenig.

Sind alle Dübel eingeschlagen, wird der Holzrugel in einen Abfallsack gepackt und mit Pilzname und Datum beschriftet. Ideal ist eine Stammlänge von 47 Zentimetern – dann passen sie nämlich gut in einen 35-Liter-Sack. Das Einpacken ist nötig, damit die Feuchtigkeit im Holz erhalten bleibt und sich keine weiteren Pilze ansiedeln können. Nach drei bis vier Monaten bei Temperaturen von 15 bis 25 Grad sieht man eine weisse Schicht über der Stirnseite des Rugels. Dies ist das Zeichen, dass sich das Myzel ausgebreitet hat. Jetzt können die Rugel im Garten eingegraben werden.

Auch Schnecken mögen Pilze

Danach braucht der Pilzgarten keine spezielle Pflege mehr. Bilden sich in der Stirnseite Risse, ist dies ein Zeichen, dass das Holz zu trocken ist. Dann sollte man das Holz und die Erde gut wässern. Die Schnecken sollten ebenfalls im Auge behalten werden. Sie mögen Pilze nämlich mindestens so gern wie der Gärtner.

Reto Zumbrunn hat für diesen Fall vorgesorgt und seine Pilzrugel vor unerwünschten Gästen geschützt. Dazu hat er einen Holzrahmen gezimmert, die Stämme eingegraben und die Zwischenräume mit Schnitzel aufgefüllt. So muss er nicht dauernd auf Schneckenjagd gehen, wenn die Pilze fruchten. Und dies dürfte schon bald der Fall sein. Die Shiitake-Stämme haben nach dem letzten Regenfall erste Hüte wachsen lassen.

Weiterführende Infos zum Thema: www.pilzgarten.info, www.speisepilze.ch, www.alpine-permakultur.ch, www.shiitake.de

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