Wie gefährlich sind Meteoriten?

Immer wieder prallen Himmelskörper auf die Erde – mit tödlichen Auswirkungen. Der nächste Einschlag ist überfällig.

Zerstörte Gebäude: Der Einschlag von Meteoritentrümmern im russischen Tscheljabinsk 2013 richtete grosse Schäden an.

Zerstörte Gebäude: Der Einschlag von Meteoritentrümmern im russischen Tscheljabinsk 2013 richtete grosse Schäden an. Bild: Keystone

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Kürzlich war in den Nachrichten zu lesen, dass die Nasa einen Meteoriten entdeckt hat, der am Himmel über Russland explodiert ist und so viel Energie wie zehn Hiroshima-Atombomben freigesetzt hat. Nach solchen Ereignissen bekomme ich immer viele Anfragen von Journalisten, die wissen wollen, wie gefährlich Meteoriten eigentlich sind.

Unser Sonnensystem ist voller Asteroiden und Kometen. Hin und wieder kollidieren diese Brocken mit der Erde – mit einer Geschwindigkeit von bis zu dreissig Kilometern pro Sekunde. Weltraumfelsen, die kleiner als etwa zehn Meter sind, verglühen in unserer Atmosphäre als Feuerball. Grössere Objekte hingegen durchdringen in wenigen Sekunden unsere Atmosphäre, prallen mit enormer Wucht auf die Erde und hinterlassen einen Einschlagskrater, der etwa zehnmal so gross ist wie das Objekt selbst. Circa alle hundert Jahre trifft ein Brocken in der Grösse eines Reisebusses auf die Erde. Der letzte solche Einschlag ereignete sich 2013 in der russischen Region Tscheljabinsk. Mehr als siebentausend Gebäude wurden beschädigt und Hunderte von Menschen verletzt.

Trümmer im See gefunden: Teile des 2013 über Tscheljabinsk explodierten Meteoriten wurden kurz danach geborgen. Video: Reuters

Alle tausend Jahre trifft ein Objekt in der Grösse eines Wolkenkratzers auf die Erde. Das letzte landete ebenfalls in Russland – der berühmte Tunguska-Einschlag von 1908. Obwohl es sich um einen hundert Meter grossen eisigen Kometen handelte, der knapp über dem Boden explodierte, fällte die Schockwelle geschätzte achtzig Millionen Bäume auf zweitausend Quadratkilometern. Vielleicht sollte man sich einfach von Russland fernhalten, wenn man nicht von einem Brocken aus dem All getroffen werden will.

Asteroiden und Kometen mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer kollidieren etwa jede Million Jahre mit der Erde. Die letzten grossen Einschläge fanden im Pliozän statt, als ein fünf Kilometer langer Asteroid vor 35 Millionen Jahren den hundert Kilometer langen Popigai-Krater in Sibirien schuf. Einige Wissenschaftler haben dieses Ereignis mit dem Massensterben des Eozäns in Verbindung gebracht, bei dem vor 33,7 Millionen Jahren ein Grossteil der Meerestiere verschwand, doch ist dies unwahrscheinlich, da der Einschlag sich ja eine Million Jahre früher ereignete.

Vor 160'000 Jahren über der Schweiz explodiert: Der grösste Brocken des Twannberg-Meteorits wurde 1984 auf dem Mont Sujet gefunden. Foto: Keystone

Der einzige bekannte Asteroideneinschlag, dem unmittelbar ein Massensterben folgte, war jener von Chicxulub. Vor etwa 66 Millionen Jahren schuf ein zehn Kilometer grosser Asteroid in Yucatán im heutigen Mexiko einen zweihundert Kilometer breiten Krater, dessen Schutt auf der ganzen Erde landete. Viele Wissenschaftler glauben, die Nachwirkungen dieses Ereignisses hätten zum Aussterben von über siebzig Prozent der Pflanzen- und Tierarten auf der Erde geführt, einschliesslich der Dinosaurier.

Andere haben jedoch überzeugend argumentiert, dass das Massensterben eine Folge der Vulkanausbrüche des Dekkan-Trapps im heutigen Indien war. Diese massiven Eruptionen bedeckten eine Region von der Grösse Frankreichs mit einer zwei Kilometer dicken Lavaschicht.

Im vergangenen Monat publizierte Untersuchungen zeigen, dass die Entstehung des Dekkan-Trapps auf etwa zehntausend Jahre genau mit dem Zeitpunkt des Massensterbens und des Chicxulub-Einschlags übereinstimmt – der riesige Einschlag könnte also die Vulkanausbrüche ausgelöst haben. Statistisch gesehen, treten solch gigantische Einschläge alle fünfzig Millionen Jahre auf – der nächste ist also überfällig.

Ben Moore ist Professor für Astrophysik an der Universität Zürich.

Erstellt: 01.04.2019, 21:03 Uhr

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