Wieso ein Tropensturm auf Irland trifft

Atlantische Tropenstürme nehmen normalerweise Kurs auf die Karibik. Bei «Ophelia» ist das anders – der Supersturm weckt Erinnerungen an 1987.

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Am 16. Oktober 1987 fegte der «Great Storm» mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 km/h über Südengland. Neben grosser Verwüstung kostete der grosse Sturm auch 18 Menschenleben und ging als grösste Fehlprognose der BBC in die Geschichte ein. Der Fernsehsender sagte davor lediglich, dass es «sehr windig» werde, die Gefahr eines Hurrikans bestehe aber nicht.

In der Theorie hatte der Wettermann recht, wie SRF Meteo erklärt, denn der Sturm vor exakt 30 Jahren war von seiner Entstehung und Fortentwicklung her kein klassischer Tropensturm. Die starken Winde übertrafen trotzdem die Intensität, welche nun für «Ophelia» erwartet werden, obwohl der aktuelle Sturm nun als Hurrikan gilt.

Dass sich ein solcher Tropensturm überhaupt auf Europa zubewegt, ist ungewöhnlich, denn nur oberhalb des 30. Breitengrades wehen die Winde nach Osten. Und dort ist es normalerweise nicht warm genug, um einen Hurrikan entstehen zu lassen. Begünstigt wurde «Ophelia» nun durch aussergewöhnlich warmes Wasser im Atlantik – mit Temperaturen von 26 bis 27 Grad Celcius ist dieser auch vor Portugal rund ein Grad wärmer als normal. Weil die Luft in der Höhe zudem ungewöhnlich kalt war, konnte sich «Ophelia» zwischen den Azoren und Madeira entwickeln.

Normalerweise bilden sich Hurrikane weiter südlich, wo sie durch Passatwinde in Richtung Karibik gedrückt werden, wie dieses Erklärvideo von ZDF zeigt:

Es ist das erste Mal, dass ein Hurrikan auf dieser Atlantikseite überhaupt die Stärke 3 erreicht. «Ophelia» ist dieses Jahr zudem der zehnte atlantische Tropensturm in Folge, der Hurrikanstärke mit Winden von über 118 km/h erreicht – das gab es zuletzt 1893.

Warme Luftmassen in Europa

Auf seinem Weg nach Irland wird dem Hurrikan aber das warme Wasser fehlen, um seine Stärke zu behalten – im Gegensatz zur Karibik, wo die Stürme noch an Intenstität gewinnen können. Auf Land treffen wird gemäss Meteorologen demnach ein aussertropischer Sturm mit Windspitzen bis 120 km/h. SRF Meteo rechnet mit Winden von 80 km/h, Starkregen und Sturmfluten. Somit wird es für Irland aber immer noch einen der stärksten Stürme der letzten 50 Jahre geben.

Weil «Ophelia» warme Luftmassen vor sich herschiebt, bedeutet das für andere Regionen ebenfalls aussergewöhnliches Wetter. In Spanien und Portugal gab es teilweise über 35 Grad, in England werden bis zu 24 Grad erwartet, auch an Orten wo die Maximaltemperatur im Oktober normalerweise bei 14 Grad liegt. In der Schweiz wird das spätsommerliche «Ophelia»-Wetter im Laufe der Woche in einen regnerischeren Herbst kippen. (anf)

Erstellt: 16.10.2017, 10:31 Uhr

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