«Der Nobelpreis stellt mein Leben auf den Kopf»

Der Schweizer Astronom Didier Queloz über den Moment, als er und Michel Mayor eine bahnbrechende Entdeckung machten.

Der Nobelpreis wird sein Leben auf den Kopf stellen, sagt Nobelpreisträger Didier Queloz. Foto: François Wavre (Lundi 13)

Der Nobelpreis wird sein Leben auf den Kopf stellen, sagt Nobelpreisträger Didier Queloz. Foto: François Wavre (Lundi 13)

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Herr Queloz, herzliche Gratulation zu Ihrem Erfolg! Sie weilen derzeit an der Universität Cambridge, wo Sie eine Professur haben. Wie wichtig ist Ihnen dieser Preis?
Er stellt mein Leben auf den Kopf. Künftig wird es möglich sein, in der Wissenschaft Dinge zu verwirklichen, die für mich bis jetzt schwierig waren. Für die Exoplaneten-Forschung ist der Preis eine ganz wichtige Anerkennung für all die Arbeit, die gemacht wurde. Vor 25 Jahren gab es diese Forschungsrichtung gar nicht. Mit dem Nobelpreis ist sie erwachsen geworden. Darüber bin ich sehr glücklich.

Er ist sicher auch ein Schub für die Schweizer Forschung.
Das hoffe ich sehr. Meine wichtigsten Arbeiten habe ich in der Schweiz gemacht. Dabei wurde ich stark unterstützt. Der Nobelpreis wird nun hoffentlich helfen zu zeigen, dass all diese Investitionen und Entwicklungen zu Resultaten führen.

Sie und Michel Mayor haben sehr lange und beharrlich gearbeitet, bis Sie Ihre Entdeckung machten.
Das ist nichts Besonderes. In der Wissenschaft geht es um Geduld, Leidenschaft und den Zeitpunkt.

Was war das Geheimnis Ihres Erfolgs?
Es sind verschiedene Dinge zusammengekommen. Die Zusammenarbeit mit Michel Mayor war wundervoll. Wir haben uns ideal ergänzt. Michel hatte viel Vertrauen in mich und umgekehrt. Dadurch waren wir in der Lage, Aussergewöhnliches zu schaffen, wie dies normalerweise nicht möglich ist. Wir waren ein Traumteam, es war magisch. Hinzu kam, dass wir das Glück hatten, finanziell ausreichend unterstützt zu werden, um unser Projekt voranzutreiben.

«Wir hatten einen Planeten entdeckt, den die gängige Theorie nicht vorsah.»

Wann begriffen Sie die Bedeutung Ihrer Entdeckung?
Als wir sie öffentlich präsentierten, war klar, dass es etwas wirklich Grosses ist. Ich realisierte jedoch nicht, wie gross es tatsächlich werden wird. Planeten haben ja auch diese emotionale Komponente, weil sie mit dem Leben verbunden sind. Das massive öffentliche Interesse an dieser Exoplaneten-Forschung hatte ich nicht erwartet. Aber klar, wir waren uns auch schon vorher bewusst, dass wir wichtige Arbeit machten. Darum waren wir auch sehr vorsichtig. Wir wollten sicher sein, dass eine Veröffentlichung kein Desaster wird. Für mich wäre es das Ende der Forscherlaufbahn gewesen. Und auch Michel hätte Schwierigkeiten bekommen. Wir hatten einen Planeten entdeckt, den die gängige Theorie nicht vorsah. Es gab deshalb Leute, die nicht an unsere Entdeckung glaubten.

Seither ist die Zahl der neuen Exoplaneten explodiert.
Wir waren uns nicht bewusst, dass so viele weitere Planeten entdeckt würden. Wir glaubten, dass es vielleicht ein paar mehr sein würden. Heute aber geht man davon aus, dass fast alle Sterne eigene Planeten haben. Das hätte ich in meinen wildesten Träumen nicht erwartet.

Erinnern Sie sich noch an den Moment der Entdeckung?
Michel gab mir die Schlüssel für die Messungen und ging ins Sabbatical. Er sagte mir, dass ich nicht erwarten solle, schon etwas zu finden. Das würde Jahre brauchen. Sie können sich vorstellen, wie überrascht ich war, als ich Daten bekam, die irgendwie nicht passten. Anfangs hatte ich Panik und dachte, dass etwas mit den Geräten nicht stimmt. Am Ende war für mich die einzige Erklärung, dass es dort einen Planeten geben muss. Ich hatte Sorge, dass Michel mich auslachen würde, und habe alles immer wieder überprüft. Die Entdeckung hat uns überrumpelt und unser Leben verändert.

«Planeten haben diese emotionale Komponente»: Didier Queloz und Michel Mayor im Observatorium der Genfer Universität. Foto: Laurent Guillieron, Keystone

Sie wurden bereits in den letzten Jahren als Nobelpreisanwärter gehandelt. Haben Sie damit gerechnet?
Ich habe das wirklich nicht erwartet. Ich wusste, dass wir mehrfach vorgeschlagen wurden. Aber es gibt so viele wichtige Entdeckungen. Heute wurde ich deshalb völlig überrumpelt. Es war ein Schock für mich. Es gibt viele Dinge, von denen wir wissen, dass sie passieren können. Aber wenn es tatsächlich so weit kommt, ist alles komplett anders.

Werden Sie heute noch feiern?
Heute versuche ich vor allem zu überleben. Ich habe vorhin kurz mit meinen Kollegen angestossen. Nachher wird es hier in Cambridge weitere Feiern geben. Am Donnerstag fliege ich dann endlich nach Boston, wo ich zurzeit mein Sabbatical mache. Dort werde ich mit meiner Frau feiern.

Erstellt: 09.10.2019, 08:34 Uhr

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