Wissenschaftler und UNO wollen Bevölkerung reduzieren

In Nairobi hat die Weltbevölkerungskonferenz begonnen. 11'000 Forscher, auch aus der Schweiz, fordern für das Klima einen Wachstumsstopp.

Menschen in Durban feiern am Strand den Start ins neue Jahr. Archivbild: Reuters/Rogan Ward

Menschen in Durban feiern am Strand den Start ins neue Jahr. Archivbild: Reuters/Rogan Ward

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An einer Uno-Konferenz in Nairobi wollen die Beteiligten die Rechte von Frauen stärken, um das Wachstum der Weltbevölkerung zu begrenzen. Eröffnet wurde die Konferenz am Dienstag in Kenias Hauptstadt von der stellvertretenden Uno-Generalsekretärin Amina Mohammed.

«Den Zeitpunkt und die Zahl der Kinder zu bestimmen, ist ein Menschenrecht», sagte Amina Mohammed. Dabei müssten Tabus rund um sexuelle und reproduktive Gesundheit - etwa Verhütung und Sexualaufklärung - gebrochen werden, forderte Kronprinzessin Mary von Dänemark bei der Eröffnung.

Die dänische Kronprinzessin an der Konferenz in Nairobi. Bild: Keystone

Derzeit leben 7,6 Milliarden Menschen auf der Welt, bis 2050 werden es laut einer Uno-Prognose fast 10 Milliarden sein. In Afrika soll sich demnach die Bevölkerung bis dahin verdoppeln (lesen Sie hier, wie sich die Bevölkerung weltweit entwickeln wird, erklärt in fünf Grafiken). Der Gipfel in Nairobi baut auf der Uno-Weltbevölkerungskonferenz in Kairo vor 25 Jahren auf.

Die Organisatoren des Gipfels – der Uno-Bevölkerungsfonds (UNFPA) und die Regierungen Kenias und Dänemarks – fordern von den Beteiligten eine erneute Verpflichtung zum damaligen Programm, das unter anderem vorsieht, den Zugang zu Familienplanung und Sexualaufklärung zu verbessern (lesen Sie hier, wie das einstige Hungerland Äthiopien zum Vorbild für Afrika wurde).

Sie fühlen sich nicht repräsentiert und wollen keine Einmischung der UNO: Abtreibungsgegner demonstrieren in Nairobi vor der Weltbevölkerungskonferenz. Bild: Keystone

Die Konferenz hat vor allem das Ziel, bis 2030 Müttersterblichkeit und Gewalt gegen Frauen zu eliminieren und allen Menschen Zugang zu Verhütungsmitteln zu geben. An der Konferenz nehmen mehr als 6000 Menschen aus mehr als 165 Ländern teil, die Beteiligung der Staaten war aber freiwillig.

Forscher warnen vor «Klima-Notfall»

Mehr als 11'000 Wissenschaftler aus 153 Ländern haben zuvor in einer gemeinsamen Erklärung vor einem weltweiten «Klima-Notfall» gewarnt. Zu den Unterzeichnenden zählen auch über 300 Forschende an Schweizer Hochschulen und Forschungsinstitutionen.

Wenn sich das menschliche Verhalten, das zu Treibhausgasausstoss und anderen den Klimawandel begünstigenden Faktoren führt, nicht grundlegend und anhaltend verändere, sei «unsägliches menschliches Leid» nicht mehr zu verhindern, heisst es in der eine Woche zuvor veröffentlichten Erklärung. «Wissenschaftler haben eine moralische Pflicht, die Menschheit vor jeglicher katastrophaler Bedrohung zu warnen», sagte Ko-Autor Thomas Newsome von der University of Sydney. «Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass wir einem Klima-Notfall gegenüberstehen.»

«Obwohl global seit 40 Jahren verhandelt wird, haben wir weiter gemacht wie vorher und sind diese Krise nicht angegangen», sagte William Ripple von der Oregon State University in den USA. «Der Klimawandel ist da und er beschleunigt sich rascher als viele Wissenschaftler erwartet hatten.»

Forscher: Bevölkerungswachstum eindämmen

Die Forscher fordern Veränderungen vor allem in sechs Bereichen: Umstieg auf erneuerbare Energien, Reduzierung des Ausstosses von Stoffen wie Methan und Russ, besserer Schutz von Ökosystemen wie Wäldern und Mooren, Konsum von mehr pflanzlichen und weniger tierischen Produkten, nachhaltige Veränderung der Weltwirtschaft und Eindämmung des Anwachsens der Weltbevölkerung.

Zu letzterem fordern die Wissenschaftler idealerweise eine Reduktion des heutigen Wachstums von 80 Millionen Menschen pro Jahr, unter sozialverträglichen Bedingungen. Um die Geburtenraten zu senken, sollen die Menschenrechte gestärkt und die Geschlechtergleichheit durchgesetzt werden. Zudem sei Bildung für alle, speziell auch für Mädchen und junge Frauen, eine wichtige Voraussetzung (lesen Sie hier, wie Demografie-Experte Reiner Klingholz das Bevölkerungswachstum in den Griff kriegen will).

Von Klimajugend bestärkt

Die Forschenden sehen sich bestärkt von zunehmendem Umweltbewusstsein und den Protesten der «Fridays for Future»-Bewegung. Es müsse allerdings noch viel mehr passieren. «Als Zusammenschluss von Wissenschaftlern weltweit stehen wir bereit, bei einem gerechten Wandel hin zu einer nachhaltigen und gleichberechtigten Zukunft zu helfen.»

Vor zwei Jahren hatten Forschende um Ripple und Newsome bereits einen ähnlichen Beitrag initiiert. Mehr als 15'000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 180 Ländern unterzeichneten damals eine eindringliche «Warnung an die Menschheit» mit der Aufforderung zu konsequenterem Umweltschutz. (anf/sda)

Erstellt: 12.11.2019, 13:48 Uhr

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