Schweizer studieren Geschichte, Ausländer Mathematik

Woher kommen ausländische Studenten in der Schweiz? Studieren sie andere Fächer? Zehn Fragen zu erstmals veröffentlichten Zahlen.

Schweizer Universitäten sind bei ausländischen Studierenden sehr beliebt. Im Bild ein Hörsaal der ETH Zürich.

Schweizer Universitäten sind bei ausländischen Studierenden sehr beliebt. Im Bild ein Hörsaal der ETH Zürich.

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Am 17. Februar strömen die Studenten wieder an die Universitäten – das Frühlingssemester beginnt. Auch viele Studierende aus dem Ausland füllen die Plätze in den Hörsälen, wie einem aktuellen Bericht des Bundesamtes für Statistik (BFS) zu entnehmen ist.

Es publiziert darin erstmals auch Daten zu den internationalen «Eintretenden», den Studierenden also, die im Jahr 2018/19 frisch ins Schweizer Hochschulsystem eintraten. Zu erfahren ist, woher sie kommen, an welcher Hochschule sie studieren und welche Fächer sie wählen. Dazu zehn Fragen und Antworten:

1. Wie viele ausländische Studierende gibt es an Schweizer Universitäten?
Im Studienjahr 2018/19 hatte fast jeder Dritte (46'800) der 152'000 Studierenden einen ausländischen Pass. 39'000 davon waren sogenannte Bildungsausländer, also Studierende mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die bei Studieneintritt ihren Wohnsitz im Ausland hatten.

2. Nimmt die Zahl der Bildungsausländer zu oder ab?
Es werden laufend mehr. Seit dem Studienjahr 1990/91 hat ihr Anteil an hiesigen Universitäten um über 12 Prozentpunkte auf 25,5 Prozent zugenommen. Ein Viertel aller Studierenden war im letzten Studienjahr demnach ausländischer Herkunft.

Dieser Zustrom ist durchaus gewollt. Die Schweiz will international mit den besten Hochschulen mithalten. Martina Weiss, Generalsekretärin von Swissuniversities, der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen, zeigt sich erfreut: «Die Entwicklung zeigt die Bedeutung der Internationalisierung der Schweizer Hochschulen. Dank der Zirkulation von Wissen in alle Richtungen gewinnen die Schweizer Hochschulen Wissen und Erfahrung.»

3. Sind alle Studienstufen gleich attraktiv für ausländische Eintretende?
Nein, es gibt Unterschiede: Mit Abstand am grössten ist die internationale Anziehungskraft der universitären Hochschulen auf Doktoratsstufe. Seit dem Jahr 2010/11 stellen die internationalen Eintretenden mehr als die Hälfte der Doktorandinnen und Doktoranden, derzeit ist mit 57 Prozent ein Höhepunkt erreicht. Auch das Masterstudium wird bei Studierenden ausländischer Herkunft immer beliebter, während ihr Anteil auf Bachelor-Stufe seit 2004 bei plus minus 15 Prozent stagniert. Ein Grund für dürfte sein, dass die meisten Studierenden ihr Grundstudium im Heimatland absolvieren.

Dagegen gehört es zum guten Ton oder ist – insbesondere für eine naturwissenschaftliche – Karriere fast Pflicht, die Disseration im Ausland abzulegen: Einheimische Doktoranden verlassen die Schweiz, ausländische kommen hierher: «In diesem Sinn ist internationale Mobilität ein wichtiger Faktor in einer akademischen Laufbahn. Der hohe Anteil an Bildungsausländerinnen und -ausländern ist also auch Zeichen der Qualität der Doktoratsstudien und ganz allgemein der Forschung in der Schweiz», schreibt Martina Weiss von Swissuniversities.

4. Aus welchen Ländern kommen die Bildungsausländer?
Sie stammen hauptsächlich aus den Nachbarländern: Die meisten – fast jeder Vierte aller ausländischen Studierenden – wohnten vorher in Deutschland. Aus Frankreich kommen 17 Prozent und aus Italien ein Zehntel. Auf Platz vier liegen mit 1700 die Studierenden aus China (4,5 Prozent).

5. Haben die Universitäten zum Semesterbeginn am 17. Februar im Hinblick auf das Coronavirus spezielle Massnahmen für Studierende aus China erlassen?
Eine stichprobenartige Umfrage hat ergeben, dass sich die meisten Universitäten in ihren Anweisungen an die Empfehlungen des BAG halten: Studierende oder Mitarbeitende, die von einer Chinareise zurückkehren, müssen an der ETH Zürich sieben, an den Universitäten Zürich, Basel und an der ETH Lausanne 14 Tage zu Hause arbeiten. In Basel sollen zusätzliche Desinfektionsspender aufgestellt werden. An der ETH Lausanne muss, wer nach einer Chinareise Grippesymptome verspürt, einen Arzt aufsuchen; zusätzlich wurde für Studierende und Mitarbeiter ein Reiseverbot nach China erlassen.

An der Università della Svizzera Italiana (USI) in Lugano sind rund 50 Studierende und Mitarbeitende chinesischer Nationalität eingeschrieben oder angestellt, in Basel 90, an der Uni Zürich rund 340, an der ETH Lausanne 350 und an der ETH Zürich um die 600.

6. Welche Universitäten sind bei Bildungsausländern am beliebtesten?
Von den 10'000, die sich 2018/19 erstmals ins Schweizer Hochschulsystem einschrieben, wählen die meisten eine der Technischen Hochschulen in Zürich (2100) oder Lausanne (1900). Am wenigsten Studenten entscheiden sich für Luzern und Neuenburg, wo nur 100 respektive 220 das Studium aufnahmen. Die Attraktivität variiert im Übrigen je nach Studienstufe erheblich:

Die internationalen Eintretenden ins Bachelorstudium machten an den Universitäten Bern, Zürich, Freiburg und Luzern jeweils weniger als 10 Prozent aus, während ihre Eintrittsquote an der Tessiner USI stolze 49 Prozent und an der ETH Lausanne 41 Prozent betrug.

Auf Masterstufe liegt ebenfalls die USI vorn mit über drei Vierteln Eintretenden aus dem Ausland. Als Grund für den hohen Ausländeranteil führt die USI die «weltberühmte, von Botta gegründete Akademie für Architektur, die internationale Ausrichtung der Programme (Computermethoden, Finanzen) und die Nähe zu Italien» an; ein Siebtel der neuen Masterstudenten kam 2018/19 laut BFS aus Italien. Die anderen universitären Institutionen kommen ebenfalls auf über 70 Prozent. Zurückzuführen sei dieser Anteil auf die Anziehungskraft des Genfer «Institut des Hautes Etudes Internationales et du Développement» für Studierende aus Indien und den USA, heisst es im Bericht des BFS.

Auf Doktoratsstufe schliesslich stellten die internationalen Eintretenden 2018/19 an fast allen Universitäten mehr als die Hälfte. Ausnahmen sind Zürich, Luzern, Bern und Luzern. Besonders hoch ist ihr Anteil an den technischen Hochschulen in Zürich (75%) und Lausanne (85%). Das hat nicht zuletzt mit dem Fächerangebot zu tun:

7. Welche Fächer sind bei Ausländern besonders beliebt?
Besonders beliebt sind die Technischen Wissenschaften (45%) und die Exakten und Naturwissenschaften (41%). Das Interesse für diese beiden Fachbereiche ist seit 1990 am meisten gewachsen: plus 20 Prozentpunkte. Weiss vom Dachverband der Schweizer Unis führt diesen Umstand auf die hohe Qualität der hiesigen technischen Hochschulen zurück, die die besten Doktorandinnen und Forschenden anziehen: «Das wiederum steigert ihre Attraktivität für weitere internationale Doktoranden.»

Bei den Geistes- und Sozialwissenschaften hingegen hat sich das internationale Interesse von 25 Prozent in den letzten 30 Jahren nur um plus 4 Prozentpunkte gesteigert.

8. Wählen Bildungsausländer und Einheimische das gleiche Studium?
Nein. Während im Jahr 2018/19 bei den Studienanfängern aus dem Ausland die Exakten und Naturwissenschaften sowohl auf Master- wie Bachelorstufe top waren, konnten sich von den Schweizer Studierenden auf Bachelorstufe nur 19 Prozent für dieses Fach erwärmen, auf Masterstufe sogar nur 16 Prozent. Die Einheimischen schreiben sich lieber in den Sozial- und Geisteswissenschaften ein (2018/19: 29 Prozent im Bachelor, 27 im Master.)

Auf Doktoratsstufe zogen ebenfalls die Exakten und Naturwissenschaften am meisten ausländische Studenten an: 2018/19 begannen hier 42 Prozent aller Doktoranden aus dem Ausland eine Dissertation, und 19 Prozent nahmen ein Doktorat in Technischen Wissenschaften auf. Am wenigsten, nur 6 Prozent, der ausländischen Doktoranden wählten Wirtschaftswissenschaften.

9. Welche Fächer sind für ausländische Neulinge wenig interessant?
Wenig Anziehung auf ausländische Studenten hatte 2018/19 das Rechtsstudium, was das BFS auf dessen nationale Ausrichtung zurückführt. Medizin und Pharmazie konnten bei den Bildungsausländern ebenso wenig reüssieren. Die strengen Zulassungskriterien für diese Studiengänge sind laut Bericht die Gründe dafür.

Dass nur sechs Prozent der internationalen Eintretenden, die 2018/19 ein Doktorat aufnahmen, die Wirtschaftswissenschaften wählten, entspricht laut Weiss einem allgemeinen Trend: In diesen Gebieten entschieden sich Studierende einfach traditionellerweise weitaus seltener für ein Doktorat. Bei den Schweizer Eintretenden auf Doktoratsstufe waren es im Fach Wirtschaft sogar nur fünf Prozent. Martina Weiss: «Dies hat mutmasslich mit dem Arbeitsmarkt und den üblichen Anforderungen und Traditionen in den unterschiedlichen Fachgebieten zu tun.»

10. Wie viel Studiengebühren zahlen Bildungsausländer in der Schweiz?
Die Studiengebühren variieren von Uni zu Uni. An den technischen Hochschulen Lausanne und Zürich mit den meisten ausländischen Studierenden zahlen diese gleich viel wie die Schweizer Kollegen. Am meisten Semestergeld zahlen Bildungsausländer an der USI im Tessin: 4000 Franken – das ist doppelt so viel wie Studierende mit einem Schweizer Pass. Gerechtfertigt werden die hohen Gebühren mit der «starken Präsenz international ausgerichteter Programme (etwa Finanzen, Unternehmenskommunikation, Computermethoden), die international konkurrieren können», schreibt die USI.

Erstellt: 14.02.2020, 11:54 Uhr

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