7.12 Uhr in Abu Dhabi – Take-off zum Rekordflug

Das Schweizer Projekt Solar Impulse 2 ist in der Luft. Noch in der Nacht gratulierte das EDA, weltweit berichten die Medien. Klicken Sie sich live ins Cockpit.

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Erstmals soll ein Flugzeug einzig mit Sonnenenergie die gesamte Erde umrunden. Die historische Mission der beiden Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard und André Borschberg startete um 7.12 Uhr in Abu Dhabi.

Der eigens entwickelte Flieger Solar Impulse soll in den nächsten fünf Monaten 35'000 Kilometer zurücklegen – nur mithilfe von gut 17'200 Solarzellen und ohne einen Tropfen Flugbenzin. Der Pionierflug soll Aufmerksamkeit auf erneuerbare Energien und den Klimaschutz lenken.

Dafür nehmen die beiden Piloten nach eigener Darstellung grenzwertige Strapazen auf sich: Jeweils einer von ihnen steuert allein bis zu sechs Tage lang den Flieger, der zwar die gigantische Flügelspannweite von 72 Metern hat, aber mit 3,8 Quadratmetern im Cockpit nur einer Person Platz bietet. Auf einem «Multifunktionssitz» mit eingebauter Toilette soll sich der jeweilige Pilot mit Selbsthypnose und Kurzschlaf fit halten.

Heute sass für die erste zehnstündige Etappe nach Oman zunächst Borschberg am Steuer. Dann wird Piccard den Einsitzer übernehmen. Der Abenteurer, der 1999 mit einem Nonstop-Ballonflug um die Erde Furore machte, sagte zum Start: «Jetzt hat das Abenteuer begonnen.»

Am Abend wird das Flugzeug in Muscat, der Hauptstadt von Oman, landen. Anschliessend soll es weitergehen nach Indien, Burma und China, bevor das Flugzeug über den Pazifik fliegt und die USA überquert. Von dort soll die Solar Impulse 2 über den Atlantik nach Südeuropa fliegen und dann über Nordafrika zurück nach Abu Dhabi gelangen.

Geglückter Start in Abu Dhabi. (Video: Solar Impulse)

«Wir sind jetzt wirklich tief bewegt», sagte der Schweizer Flugpionier Piccard im Golfemirat Abu Dhabi bei der letzten Pressekonferenz vor dem mit Spannung erwarteten Beginn der Mission.

Livestream aus dem Cockpit. (Video: Solar Impulse)

Der Start war wegen widriger Witterungsbedingungen mehrmals verschoben worden. Nun seien aber alle Voraussetzungen erfüllt, erklärten Piccard und sein langjähriger Freund und Projektpartner Borschberg.

Borschberg fliegt erste Etappe

Borschberg, Ex-Pilot der Schweizer Luftwaffe, wird bei der ersten Etappe im Ein-Personen-Cockpit der Solar Impulse 2 sitzen und die Maschine in geschätzten zwölf Stunden nach Muscat im Sultanat Oman fliegen. Piccard bleibt das Finale vorbehalten – die letzte Etappe der Weltumrundung, für die insgesamt 25 Flugtage innerhalb von fünf Monaten vorgesehen sind. Zwischendurch wechseln sich die Piloten ab.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wünschte den beiden Flugpionieren viel Erfolg. EDA-Vorsteher Didier Burkhalter sagte: «Ich freue mich über diese Pioniertat, die den jüngeren Generationen vor Augen führen wird, dass das, was gestern noch unerreichbar schien, heute in unserer Reichweite liegt.»

Während ihrer Reise wollen sich die beiden Piloten kurze Schlafpausen von höchstens 20 Minuten gönnen, wie Borschberg in einem Interview sagte. Sie beide hätten jeweils ihre eigene Technik, um die Konzentration zu wahren: Yoga für beide, Meditation für Borschberg und Selbsthypnose für Piccard.

17'200 Solarzellen

Der Enkel des Abenteurers Auguste Piccard und der ehemalige Militärpilot Borschberg hatten die zweite Version des Solarflugzeugs im April 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist mit 17'200 Solarzellen sowie mit Batterien ausgestattet. Die Flügelspannweite beträgt 72 Meter, so viel wie beim Airbus A380. Mit einem Gewicht von 2300 Kilogramm wiegt das Flugzeug aber 150-mal weniger als der Superjumbo.

Infografik: Die Solar Impulse im Detail.

Mit dem Prototyp des Solarfliegers haben Borschberg und Piccard bereits viele Tausend Kilometer Flugerfahrung gesammelt. Im Jahr 2010 absolvierten sie einen ersten 26-stündigen Flug ohne Zwischenstopp. Das Flugzeug wird auf seiner Erdumrundung auf einer Höhe von höchstens 8500 Metern fliegen und ist mit einem Tempo von 50 bis 100 Stundenkilometern unterwegs. Während der Nacht wird die Geschwindigkeit reduziert, um Energie zu sparen. Insgesamt beteiligen sich 130 Personen an dem Vorhaben. 65 Personen reisten mit ihnen um die Welt und 65 seien auf einem Kontrollposten in Monaco stationiert, erklärte Piccard.

Video: Die Entstehung von Solarimpuls 2 im Zeitraster

(thu/chk/sda/AFP)

Erstellt: 08.03.2015, 19:46 Uhr

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