Bald kann jeder fliegen wie ein Vogel

Dem Menschheitstraum vom Fliegen ein Stück näher: Der Flugsimulator «Birdly» lässt Menschen im Vogelflug durch Manhattan segeln. Dank einem Schweizer.

Durch Manhattan fliegen wie ein Vogel: Virtueller Flug des Simulators Birdly. (Video: somniac.com)


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Seit rund einem Jahr tourt der Schweizer Max Rheiner mit seinem «Birdly» durch die Welt, einem futuristisch, aber unspektakulär anmutenden Tisch mit Flügeln. Jetzt soll der Vogelflug-Simulator bald zu kaufen sein.

Mit ein paar Armschlägen schwingt sich Kip Fenton hoch in die Luft. Elegant kreist er über der Skyline von Manhattan, während ihm der Flugwind um die Nase weht. Fliegen wie ein Vogel war schon immer ein Traum des 59-Jährigen – der «Birdly»-Flugsimulator des Schweizer Wissenschaftlers hat ihn Wirklichkeit werden lassen.

Und so sieht es aus, wenn jemand den «Birdly» bedient:

Untersuchungstisch mit Flügeln

«Wenn ich ein Tier sein könnte, wäre ich ein Vogel», sagt Fenton, als er schweren Herzens von «Birdly» absteigt. Jetzt ist er wieder der Software-Entwickler in Jeans und grünem Shirt, zurück auf dem Boden in einem hellen weissen Raum in Boston. Das Gerät, das ihn zum Vogel werden liess, sieht recht unspektakulär aus: wie ein futuristisch angehauchter Untersuchungstisch mit Flügeln.

Ersonnen hat den Simulator ein Team der Zürcher Hochschule der Künste in Zusammenarbeit mit dem BirdLife-Naturzentrum in Neeracherried. «Birdly lässt den Traum vom Fliegen wahr werden», sagt Entwickler Max Rheiner, der mit seinem Vogelflugsimulator seit gut einem Jahr durch die Welt tourt. Derzeit macht er Station im Bostoner Vorort Cambridge, wo endlich auch Kip Fenton auf seine Kosten kommt.

Sich fühlen wie ein Vogel

«Es war super», schwärmt er. «Ich habe das genossen!» Wer sich wie ein Vogel fühlen will, muss sich bäuchlings auf das Gerät legen, die Arme zu beiden Seiten ausgestreckt. Die Hände liegen fest auf schwenkbaren Platten – den Flügelspitzen. Auf die Ohren kommt ein Kopfhörer, auf die Augen eine Brille. Der Tisch kippt nach vorne, um die Schwere aus den Beinen zu nehmen, die Brille füllt sich mit der virtuellen Wirklichkeit.

Während seines Flugs über Manhattan probiert Fenton Steig- und Senkflug aus. Das alles geht mit der Bewegung seiner Hände. Um Geschwindigkeit aufzunehmen, schlägt er mit den Armen auf und ab. Über den Kopfhörer begleitet ihn das Rauschen des Windes, für das kühle Lüftchen sorgt ein Ventilator. Und auch die Gerüche fehlen nicht. Wenn Fenton den Kopf bewegt, erschliesst sich ihm das ganze Panorama.

Die meisten Probanden sind begeistert

Die Bewegungen sollten den Nutzern von «Birdly» so intuitiv wie möglich aus den Armen kommen, sagt Erfinder Rheiner. Schon nach ein paar Minuten machten die meisten das ganz natürlich. Weil niemand weiss, wie sich ein Vogel im Flug fühlt, versuchten Rheiner und sein Team, menschliche Träume vom Fliegen umzusetzen. «In Träumen vom Fliegen können die Menschen einfach ohne Üben fliegen und sie fühlen sich wunderbar.»

Der Andrang in Cambridge ist gross. Ohne Vorausbuchung geht gar nichts mehr. Die meisten sind von ihren Flugminuten begeistert, einige wenige fühlen sich unwohl. Die Direktorin des Ausstellungszentrums, Carrie Fitzsimmons, hielt es nicht lange aus: Ihr wurde schwindelig.

Serienproduktion soll bald beginnen

«Birdly» nähert sich unterdessen dem Ende seiner Tournee und der Testgelegenheit für Tausende Fans. Rheiner und sein Team wollen nun mit ihrem Unternehmen Somniacs den Prototyp zur Serienreife bringen. Was der Traum vom Fliegen kosten soll, steht noch nicht fest. Billig wird er nicht, aber er soll schon bald zu haben sein.

Ganz aus dem Versuchsstatus heraus kommt «Birdly» allerdings nicht. Rheiner will weiter forschen, ob die Technologie für Therapien nutzbar ist. Vor allem Rollstuhlfahrern könnte sie unmögliche Bewegungen zumindest erfühlbar machen. (ofi/sda)

Erstellt: 08.12.2015, 11:10 Uhr

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