Chinas grosser Schritt auf dem Weg zum Mond

Die Raumkapsel Shenzhou 9 hat erfolgreich an der Raumfähre Tiangong 1 angedockt. Mit an Bord: Die erste chinesische Astronautin. Die Mission gilt als Meilenstein auf dem Weg zu einer chinesischen Mondlandung.

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Die Volksrepublik China befindet sich auch im Weltall auf dem Vormarsch: Die drei Passagiere der chinesischen Raumkapsel Shenzhou 9 – darunter auch die erste chinesische Frau im All – haben heute erfolgreich mit ihrer Raumkapsel an die Raumfähre Tiangong 1 angedockt. Diese umkreist seit Ende September 2011 die Erde.

Die 33-jährige Liu Yang und zwei männliche Astronauten wurden am Samstag mit einer Rakete vom Typ Langer Marsch 2F ins All geschossen. Während der knapp zwei Wochen dauernden Mission werden die Taikonauten – wie die chinesischen Raumfahrer genannt werden – an Bord der Kapsel arbeiten und wissenschaftliche Versuche durchführen.

1500-mal geübt

Das schwierige Manöver sei von den Astronauten 1500-mal geübt worden, sagte eine Sprecherin des bemannten Raumfahrtprogramms. Es sei der «kritische» Moment der Mission und dessen Erfolg ein «grosser Durchbruch für das bemannte Raumfahrtprogramm», erklärte Chinas Präsident Hu Jintao.

Die erfolgreichen Andockübungen werden als Schritt Chinas gewertet, sich die technischen und logistischen Fähigkeiten anzueignen, um eine grosse Weltraumstation zu unterhalten. Darin sollen dann auch Taikonauten über einen längeren Zeitraum beherbergt werden.

China hat zwar gegenüber den etablierten Raumfahrtnationen Russland und den USA noch viel aufzuholen. Doch das Andockmanöver ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Chinesen grosse Fortschritte erzielen und auch bereit sind, grosse Summen in ihre Raumfahrtprogramme zu investieren. China plant nun eine unbemannte Mondmission, in der ein Fahrzeug auf die Oberfläche des Mondes geschickt werden soll. Chinesische Wissenschaftler planen aber auch bemannte Mondmissionen – doch vor 2020 wird das wohl kaum der Fall sein.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hingegen hat mit immer kleineren Budgets zu kämpfen – bemannte Flüge werden von den USA frühestens wieder im Jahr 2017 in den Weltraum gesandt. Die Nasa geht andere Wege als ihr chinesisches Pendant: Sie investiert in Firmen, die kommerzielle Flüge anbieten. Daneben wird an einer neuen Rakete und einer dazugehörigen Kapsel geforscht, die in Zukunft Astronauten zum Mond, zu Asteroiden und eventuell auch zum Mars fliegen sollen. Russland hingegen vermeldete, bemannte Raumflüge hätten derzeit keine Priorität.

Als Nationalheldin gefeiert

«China und sein Volk erwarten eure triumphale Rückkehr», sagte der Vorsitzende des chinesischen Volkskongresses, Wu Bangguo. Die Mission habe eine «wichtige strategische Bedeutung» für das Land. Besonders Liu Yang wurde von den chinesischen Medien als Nationalheldin gefeiert. Die 33-Jährige kam 1997 zur Volksarmee, wurde Pilotin und absolvierte knapp 1700 Flugstunden. 2010 wurde sie zur Taikonautin.

Vor drei Monaten wurde Liu auf eine Liste von sechs Kandidaten für die Mission gewählt – nach Angaben des Fernsehsenders CCTV wegen ihrer «exzellenten Fähigkeiten und psychologischen Qualitäten». Demnach wurde sie für eine sichere Notlandung gelobt, nachdem ihr Flugzeug durch einen Vogelschwarm schwer beschädigt worden war.

Liu sagte vor dem Start, sie freue sich besonders darauf, die Schwerelosigkeit im All zu spüren und die Schönheit des Planeten Erde zu sehen. «Als Pilotin flog ich am Himmel. Jetzt bin ich Astronautin und werde im Weltraum fliegen», sagte Liu.

(ses/sda/afp/Reuters)

Erstellt: 18.06.2012, 11:54 Uhr

Die erste Astronautin Chinas: Liu Yang begrüsst vor dem Start die wartende Menge. (16. Juni 2012)

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