Das Gentech-«Potenzial» für den Ackerbau

Gentechnik ist gesünder als Bioanbau – zumindest in gewissen Fällen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Akademien der Wissenschaften Schweiz.

Gemäss der Studie besser als ihr Ruf: Gentechnisch veränderte Weizensetzlinge auf einem umzäunten Weizenfeld. (Archivbild)

Gemäss der Studie besser als ihr Ruf: Gentechnisch veränderte Weizensetzlinge auf einem umzäunten Weizenfeld. (Archivbild) Bild: Keystone

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Gewisse gentechnisch veränderte Pflanzen (GVO) könnten auf Schweizer Äckern ertragsreiche und umweltschonende Alternativen darstellen. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht der Akademien der Wissenschaften Schweiz, der heute in Bern den Medien vorgestellt wurde.

Der Bericht schliesst an das nationale Forschungsprogramm NFP 59 an. Dieses war 2012 zum Schluss gekommen, dass GVO keine Umwelt- und Gesundheitsrisiken bergen, die nicht auch für konventionell gezüchtete Pflanzen bestehen. Vielmehr müssten bei diesen neuen Sorten unter anderem weniger Chemikalien gegen Krankheitserreger gespritzt werden.

Biokartoffeln mit Kupfergehalt

Die Wissenschaftler sehen einige für die Schweiz interessante GV-Sorten. In Kartoffeln eingefügte Gene aus Wildkartoffeln könnten diese resistent gegen die Pilzkrankheit Kraut- und Knollenfäule machen. Heute müssen dagegen Pflanzenschutzmittel und im Biolandbau Kupfer gespritzt werden.

Apfelbäume müssten immer wieder mit Antibiotika vor dem Feuerbrand-Bakterium geschützt werden. GV-Apfelbäume, die sowohl gegen Feuerbrand als auch gegen Schorf resistent sind, seien in Entwicklung. Auch Gentech-Zuckerrüben, die in den USA bereits angebaut werden, erlaubten eine umweltschonendere Unkrautbekämpfung.

Der Gewinn der Bauern stiege mit diesen Rüben laut einer Studie der Forschungsanstalt Agroscope um 40 Prozent. Die Koexistenz mit gentechfreien Anbausystemen wäre grundsätzlich möglich, schreiben die Akademien. Auskreuzung und Vermischung liessen sich durch gezielte Massnahmen reduzieren oder verhindern.

Forschung torpediert

«Die Schweiz darf der Gentechnik nicht leichtfertig das Potenzial absprechen, zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit beizutragen», schreiben die Akademien weiter.

Die meisten Schweizer Pflanzenforschenden hätten sich jedoch von der Entwicklung von GVO abgewandt - unter anderem, weil die nötigen Freilandversuche - auch wegen Vandalismus - in der Schweiz kaum durchführbar seien.

Forschungs-Förderung

Die Akademien fordern deshalb eine «substantielle Förderung der öffentlichen Agrarforschung». Dies würde auch die Abhängigkeit von einigen wenigen grossen Firmen senken, welche zunehmend den Saatgutmarkt kontrollierten - auch jenen von konventionellem Saatgut.

Der Bericht wurde vom Forum Genforschung der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) und der Plattform Biotechnologie und Bioinformatik der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) erarbeitet. Dabei wurden wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem In- und Ausland einbezogen, darunter auch jene des NFP 59 (Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen). (mrs/sda)

Erstellt: 19.03.2013, 12:05 Uhr

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