Das Leben auf dem Mars wäre miserabel

Elon Musk will in zehn Jahren Mars-Reisen anbieten. Weshalb das nicht geschehen wird.

«Als Nächstes ist der Mars dran»: Musk will in den nächsten 20 Jahren den Mars kolonisieren. Video: YouTube / SpaceX


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Man muss ihn einfach lieben, diesen Magier, der mit einem einzigen Tweet die Nerds und Geeks dieser Welt in Erregung versetzen kann. Wie auch könnte man einen Kerl nicht lieben, der sein eigenes Auto ins All schiesst, einfach nur, weil er es kann? Als Nächstes ist der Mars dran, sagt Elon und behauptet, dass er innerhalb eines Jahrzehnts Menschen auf den roten Planeten bringen und dort in den nächsten zwanzig Jahren Hotels errichten und eine Kolonie aufbauen wird. Es gibt bemerkenswerterweise viele Freiwillige, die sich in seine Marsrakete setzen würden – auch ohne Rückreiseticket.

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Sind die bescheuert? Das Leben auf dem Mars wäre miserabel. Es gibt dort weder anständige Bars noch eine Internetverbindung. Sogar Elon selbst hat gesagt, er wolle da nicht hin. Aber davon abgesehen: Ist es wirklich machbar, oder dienen all diese Ankündigungen nur dazu, Elons Ego aufzublasen? Er muss sich ja inzwischen so einiges einfallen lassen, um seine Investoren bei der Stange zu halten. Die machen sich nämlich langsam Sorgen um Elons eigentlichen Brotverdienst: Autos bauen. An der Börse wird zurzeit mit elf Milliarden US-Dollar darauf gewettet, dass die Tesla-Aktie abstürzt.

Die Reise zum Mars dauert mehr als ein halbes Jahr.

Sosehr ich mich darüber freuen würde, wenn Elon es zum Mars schafft – meiner Meinung nach wird das nicht passieren. Jeder einzelne Aspekt dieser Reise muss erst noch entwickelt werden – von den Lebenserhaltungs- und Kommunikationssystemen über die Raketen bis hin zu den Landemodulen. Elon hat mit SpaceX die Kosten, um einen Satelliten ins All zu schicken, halbiert, und das ist eine tolle Leistung. Aber einen Satelliten in über 200 Kilometer Höhe zu schiessen, ist nicht wirklich schwierig – sogar Nordkorea kann das. Die Reise zum Mars hingegen, der über 50 Millionen Kilometer entfernt ist, dauert mehr als ein halbes Jahr.

Rüstungsausgaben blockieren die Mission

Es war schon schwierig genug, zum Mond zu fliegen, und dahin braucht man nur ein paar Tage. Das Apollo-Programm hatte 400'000 Angestellte und wurde von 20'000 Firmen und Universitäten unterstützt. Elon behauptet, er könne das allein viel besser. SpaceX hat 7000 Angestellte. Und mit seinen mickrigen 20 Milliarden könnte es sich Elon nicht einmal leisten, Menschen auf den Mond zu bringen. Auf die heutigen Verhältnisse hochgerechnet, kostete das Apollo-Programm rund 100 Milliarden US-Dollar. Um es zum Mars zu schaffen, müsste man die Budgets von Nasa, ESA und allen anderen Raumfahrtprogrammen zusammenlegen.

Bilder: Falcon Heavy hebt ab

Ich bin dafür, dass Menschen zum Mars fliegen – und gern noch viel weiter. Natürlich gibt es hier auf der Erde genug Probleme, um die man sich kümmern sollte, und viele sind der Meinung, dass man die Marserkundung deshalb auf Eis legen sollte. Aber warum nicht beides gleichzeitig in Angriff nehmen? Würden wir nicht einen grossen Teil der weltweiten Staatsbudgets für Kriege einsetzen, könnten wir es uns locker leisten, die Technologie für einen Flug zum Mars zu entwickeln.

Das Militär und seine fatalen Folgen kosten uns jährlich über 10 Billionen US-Dollar. In Friedensprogramme und Raumfahrt zusammengenommen wird weniger als ein Prozent dieses beschämenden Betrags investiert. Ich glaube und hoffe, dass eines Tages Menschen den Mars betreten werden, aber angesichts dieser Zahlen bin ich wenig zuversichtlich, dass dies während meines – oder Elons – Lebens passieren wird. (Das Magazin)

Erstellt: 01.06.2018, 13:56 Uhr

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