«Dass es militärischen Zwecken dient, ist klar»

Der US-Raumgleiter X-37B landete diese Woche nach 15 Monaten im All. Über das Missionsziel grassieren die wildesten Spekulationen. Die Ruag, die indirekt an der Mission beteiligt ist, gibt Auskunft.

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Als der US-Raumgleiter X-37B am vergangenen Samstag auf der Militärbasis Vandenberg zwischen Los Angeles und San Francisco landete, setzten die wilden Spekulationen wieder ein. Was bezweckt die US Air Force, wenn sie ein unbemanntes, ferngesteuertes Mini-Shuttle für 469 Tage ins All schickt?

Am 5. März 2011 war das Raumschiff mit einer Altas-V-Rakete von Cape Canaveral gestartet. Während seines Einsatzes umkreiste es die Erde mehr als 7000-mal. Mit offiziellen Angaben zur Klärung der X-37B-Mission hielten sich die Behörden bisher zurück. Projektleiter Tom McIntyre liess zuvor nur vage verlauten, dass das Programm eine einzigartige Möglichkeit biete, um «Weltraumtechnologie zu entwickeln».

Krieg der Sterne?

Die geheimnisumwitterte Mission veranlasste Laien und Luftfahrtexperten zu wilden Spekulationen. Einige sehen darin gar den Grundstein für einen veritablen Krieg der Sterne. Vor allem von russischer Seite her wurde der Verdacht geäussert, es könnte sich um den Prototypen eines «orbitalen Bombers» handeln, der es den USA künftig ermöglichen würde, gegnerische Satellitenstationen gewissermassen aus dem All zu beschiessen. Der Verdacht, dass das Raumschiff militärischen Zwecken dienen soll, wird auch genährt, weil die Mission von der US Air Force geleitet wird. Die US-Luftstreitkräfte haben das Projekt im Jahr 2004 von der Nasa und der Firma Boeing übernommen, die es zuvor lanciert hatten.

Auch Hendrik Thielemann von der Ruag Space Schweiz glaubt an eine militärische Mission – jedoch nicht in der Form eines Krieg führenden Raumschiffs. Es mache wenig Sinn, Waffen erst ins All zu schiessen, wenn sie auch von der Erde aus abgefeuert werden können. «Der Aufwand wäre viel zu gross», sagt Thielemann. Am ehesten kann er sich das Shuttle als ein «erdumkreisendes Labor, das neue Geräte testet» vorstellen.

Möglicher Test von neuem Überwachungsequipment

Diese Bezeichnung klingt zunächst wenig nach kriegerischen Absichten, umschreibt aber das, was unter militärischer Raumfahrt im Allgemeinen verstanden wird: Satelliten, die ins All gesendet werden, um wichtige Aufklärungsdaten aus Krisenregionen zu ermitteln. «Ein solcher Zweck erscheint mir sinnvoll», sagt Thielemann. Diese Einschätzung deckt sich mit jener des Harvard-Astrophysikers Jonathan McDowell, der auf seiner Internetseite vermutet, dass während des Testflugs neues Überwachungsequipment getestet wurde.

Weniger infrage kommt gemäss Thielemann ein Einsatz zu Kommunikationszwecken, weil die Flugbahn des Raumschiffs nicht sehr geeignet ist, um Funkdaten zu übermitteln. Die X-37B kann die Erde in einer Höhe von bis zu 900 Kilometern über ein Jahr lang umkreisen. Die Datenübermittlung findet in der Regel in einer Höhe von mehr als 1000 Kilometer statt. «Dass es militärischen Zwecken dient, ist aber klar, sonst wäre es nicht bei der US Air Force. Alles Weitere ist jedoch Spekulation», sagt der Mediensprecher der Ruag Space Schweiz. Der Schweizer Rüstungskonzern ist indirekt an der Mission beteiligt, weil er die Nutzlastverkleidung – die Spitze – der Atlas V herstellt. Mit dieser Trägerrakete wurde der Satellit im letzten Jahr in den Weltraum befördert. Die Firma war bereits für die Nutzlastverteilung der Ariane-Raketen verantwortlich – dem europäischen Pendant der Atlas.

Das Shuttle hebt nochmals ab

Die Tests mit dem knapp 9 Meter langen und 4,5 Meter breiten Raumflugzeug gehen indes weiter: Während das gerade zurückgekehrte Shuttle zunächst am Boden bleibt, soll das Zwillingsmodell noch in diesem Jahr zu einem weiteren Flug starten. Das genaue Datum stand zunächst noch nicht fest. Klar ist allerdings, dass die US-Luftfahrt viel Geld in das Projekt investiert. Die verantwortliche Abteilung des Pentagons investierte alleine in den ersten sechs Jahren seit 2004 geschätzte 300 bis 400 Millionen US-Dollar, um die Mini-Raumfähre endgültig raumtauglich zu machen. Dazu kommt noch eine Kostenbeteiligung von rund 120 Millionen Dollar für die eingesetzte Trägerrakete, schreibt das Portal Astronomie-heute.de.

Erstellt: 20.06.2012, 12:28 Uhr

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