Analyse

Der Dreamliner bleibt ein Top-Flugzeug

Die Boeing 787 sei das erste Verkehrsflugzeug seit dem 1987 gestarteten Airbus A320, das man als technischen Quantensprung bezeichnen könne. Aviatikexperte Sepp Moser glaubt nach wie vor an den Dreamliner.

Pannen geringfügiger Art: Eine Reihe sich im Bau befindender Boeing 787 am Paine Field Airport in Washington.

Pannen geringfügiger Art: Eine Reihe sich im Bau befindender Boeing 787 am Paine Field Airport in Washington. Bild: Elaine Thompson/Keystone

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Der Dreamliner ist und bleibt ein technisches Meisterwerk: Rumpf und Flügel der Boeing 787 bestehen praktisch vollständig aus Kohlefaser-Verbundstoff; dadurch ist das Flugzeug bedeutend leichter als eines aus Aluminiumlegierungen. Zusammen mit hochmodernen Triebwerken erlaubt dies einen wirtschaftlicheren Betrieb und geringere Lärmentwicklung.

Ebenso wichtig ist die revolutionäre Architektur der «Innereien» der Boeing 787. Im Unterschied zu allen anderen Verkehrsflugzeugen werden Steuerflächen, Druckkabine, Fahrwerkmechanismus und Hilfsaggregate aller Art zum grössten Teil elektrisch betrieben und nicht hydraulisch oder mit Druckluft. Die zwei Triebwerke treiben sechs extrem starke Generatoren an, welche den benötigten Strom liefern. Für die Überbrückung kurzer stromloser Zeiten am Boden sorgen starke Lithium-Ionen-Batterien, wie sie – natürlich in viel schwächerer Ausführung – auch in tragbaren Computern und in Mobiltelefonen verbreitet sind.

Langfristig positive Wirkungen

Neue Flugzeugtypen durchlaufen in jedem Fall eine Phase der «Pubertät». Diese kann mitunter schwierig sein, weshalb die Airlines diese Maschinen auch mit hohen Rabatten kaufen können. Im Fall der Boeing 787 waren die Pannen bisher relativ geringfügiger Art: einmal betrafen sie ein Schmiermittel, zweimal eine Computer-Leiterplatte, einmal ein kleines Treibstoffleck – alles «normale» und beherrschbare Probleme. Die Schwierigkeiten mit der Lithium-Ionen-Batterie (sie dient dem Start der Hilfsturbine für die Energielieferung am Boden) sind aus zwei Gründen beunruhigend: Erstens weil der Fall vom 16. Januar der dritte in kurzer Folge war, und zweitens, weil die Fehlerquelle bei diesem Batteriedesign liegt. Zwei Jumbojet-Frachtflugzeuge mit grösseren Ladungen handelsüblicher Batterien dieses Typs sind in jüngerer Zeit brennend abgestürzt.

Dass die US-Luftfahrtbehörde FAA die Boeing 787 nun «gegroundet» hat, ist zweifellos richtig und wird auch von den meisten der betroffenen Airlines unterstützt. Die Massnahme ist kein Misstrauensvotum gegen den betroffenen Flugzeugtyp, sondern sie bildet die Voraussetzung für eine gründliche und unaufgeregte Analyse des Problems und seine nachhaltige Lösung. In ähnlicher Weise sind auch früher verschiedentlich Flugzeugtypen vorübergehend stillgelegt worden, zivile ebenso wie militärische. Langfristig hat dies immer positive Wirkungen gehabt.

Erstellt: 18.01.2013, 08:14 Uhr

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Sepp Moser

Sepp Moser ist freier Journalist, Aviatik- Experte, Pilot und Unternehmensberater.

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