Der nächste Schweizer Nobelpreisträger?

Der Schweizer ETH-Forscher erhält für die Entwicklung neuartiger Solarzellen den finnischen Millenium-Technologie-Preis. Seit einigen Jahren wir er als heisser Kandidat für den Nobelpreis gehandelt.

Nachhaltige Forschung: Michael Grätzel mit den von ihm entwickelten Solarzellen.

Nachhaltige Forschung: Michael Grätzel mit den von ihm entwickelten Solarzellen. Bild: Keystone

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Der Schweizer Forscher Michael Grätzel von der ETH Lausanne erhält den mit rund 1,1 Millionen Franken dotierten Millenium-Technologie-Preis. Die Technische Akademie Finnland zeichnete den 66-jährigen Chemiker am Mittwoch für seine neuartige Farbstoff-Solarzelle aus. Die Grätzel-Solarzelle sei seit kurzem auf dem Markt, teilte die ETH Lausanne am Mittwoch mit. Ihre Vorteile gegenüber den herkömmlichen Siliziumzellen sind unter anderem, dass sie weniger kostet und bei schwachem Licht effizienter ist. Es handle sich um eine der vielversprechendsten Entwicklungen in den erneuerbaren Energien.

Die Verbreitung der Solarenergie sei bisher durch den hohen Preis gehemmt worden, sagte Ainomaija Haarla, der Präsident der Technischen Akademie Finnland, laut einer Mitteilung der Akademie bei der Preisverleihung. Die «Grätzelzelle» werde bei der Suche nach günstigen Lösungen in dem Bereich eine entscheidende Rolle spielen.

Photosynthese imitiert

Michael Grätzel benutzt für seine Solarzelle, deren Prototyp bereits in den 1980er-Jahren entstand, organische Farbstoff- Moleküle. Die Zellen funktionieren ähnlich wie Pflanzenblätter, sie imitieren deren Photosynthese. Dabei nehmen die Pflanzen Licht auf und gewinnen aus den frei gewordenen Elektronen Energie.

Bei der Grätzel-Zelle werden die Elektronen weggeleitet und generieren Strom. Die Zellen lassen sich mit verschiedenen Farbstoffen herstellen. Zudem sind sie flexibel und äusserst leicht und können zum Beispiel auf Rucksäcke aufgebracht werden. Möglich ist es sogar, durchsichtige Zellen herzustellen und sie auf Fensterscheiben anzubringen.

Nobelpreis-Kandidat

Grätzel ist in Deutschland geboren, besitzt inzwischen aber die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er ist seit 1977 an der ETH Lausanne tätig. Er hat bereits diverse wichtige Preise erhalten: Erst letztes Jahr bekam er den renommierten Balzan-Preis. Zudem wird er seit einigen Jahren als heisser Kandidat für den Nobelpreis gehandelt.

Der Millenium-Technologie-Preis ist der wichtigste Technologiepreis der Welt. Finnland ehrt damit alle zwei Jahre Entwickler, die das Wohl und die Lebensqualität der Menschen verbessern. Verliehen wird der Preis von der Technology Academy Finland, einer unabhängigen Stiftung, die von finnischen Industrieunternehmen und dem Staat getragen wird.

Elektronisches Papier

Neben Grätzel zeichnete die Akademie am Mittwoch noch zwei andere Forscher aus: Richard Friend von der Universität Cambridge (GB) und Stephen Furber von der Universität Manchester (GB) erhielten je 150'000 Euro.

Friend hat organische LEDs entwickelt, mit denen sich zum Beispiel elektronisches Papier oder Leuchttapeten herstellen lassen. Und Furber hat einen Mikroprozessor erfunden, der heute in 98 Prozent aller Handys und in den meisten anderen elektronischen Geräten eingesetzt wird. (jak/sda)

Erstellt: 09.06.2010, 17:07 Uhr

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