Der schwächste Schüler in der Klasse ist ein Roboter

Kinder zeigen einem Roboter, wie man schöne Buchstaben schreibt – und verbessern so ihre eigenen Schreibfähigkeiten. Zudem gewinnen die Schüler durch dieses ungewöhnliche Lerntandem Selbstvertrauen.

Lernen mit Robotern: Die Cowriter ermöglichen auch den schlechtesten Schülern der Klasse, jemanden zu unterrichten.
Video: EPFL / Youtube

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Entwickelt wurde der Cowriter genannte Roboter an der ETH Lausanne. Am Dienstag stellten die Entwickler ihre Kreation an der Conference on Human-Robot Interaction (HRI) in Portland (USA) vor, wie die ETH Lausanne in einer Mitteilung schreibt.

Die Idee dahinter nennt sich «learning by teaching» (etwa: lernen durch beibringen). Wenn ein Kind Mühe mit dem Schreiben hat, kann es schnell an Selbstvertrauen und Interesse verlieren oder gar ganz aus dem Lernprozess aussteigen. Dies kann für seine ganze Schulkarriere verheerende Folgen haben.

Wenn aber das Schulkind selber in die Rolle der Lehrperson schlüpft und so sein Wissen weitergeben kann, wirkt sich das motivierend aus, und das Kind kann Selbstvertrauen gewinnen.

Ein ungeschickter Roboter

«Das Ziel ist, Lehrpersonen ein neues Werkzeug für den Unterricht in die Hand zu geben», wird Entwickler Séverin Lemaignan in der Mitteilung zitiert. Die Forscher haben für den Roboter denn auch eine ganz bestimmte Rolle vorgesehen: Die des schwächsten Schülers in einer Klasse. So hat auch ein Schulkind, das Probleme beim Schreiben hat, jemanden zum Unterrichten.

Merkt ein Kind, dass der Roboter zum Beispiel den Bogen im Buchstaben «p» nicht schön hinbekommt, bietet das Kind seine Hilfe an und zeigt dem Roboter auf einem Tablet, wie es gemacht wird. Während das Kind sich bemüht, dem digitalen Klassenkameraden etwas beizubringen, schult es ohne es zu merken seine eigenen Schreibfähigkeiten.

Dank seines Schreibalgorithmus kritzelt der 58 Zentimeter grosse, menschenähnliche Roboter zuerst unleserliche Buchstaben. Dann verbessert sich Cowriter anhand des Inputs des Kindes schrittweise. Er greift dafür auf eine Datenbank mit Schreibbeispielen zurück, die häufige Fehler von ABC-Schützen enthält. Mit leichten Anpassungen kann der Roboter sogar auf individuelle Schwächen eines Kindes eingehen.

Roboter gut aufgenommen

Der Prototyp von Cowriter wurde bereits auf der Primarstufe in einzelnen Lektionen mit rund 70 Schulkindern im Alter von 6 bis 8 Jahren getestet, wie die ETH Lausanne schreibt. Die Schulkinder hätten den Roboter gut aufgenommen.

Die Experimente dienten aber vor allem dazu, die technische Funktionsfähigkeit des Roboters zu prüfen. Nun soll das Augenmerk darauf gelegt werden, ob die Schülerinnen und Schüler auch tatsächlich vom Cowriter profitieren. Falls dem so ist, könnten ähnliche Roboter dereinst auch in der Sprachtherapie zur Anwendung kommen. (pst/sda)

Erstellt: 04.03.2015, 18:04 Uhr

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