Die Kriegs-Drohne von morgen

Die US-Streitkräfte stecken viel Geld in die Entwicklung hochmoderner Drohnen. Sie sind günstiger, effizienter und haben einen Vorteil: Der Risikofaktor Mensch kann fast gänzlich ausgeschaltet werden.

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Der gute alte Kampfjet-Pilot der US Armee hat bald ausgedient. Seit den Anschlägen von 9/11 verlassen sich die USA ganz auf Kriegs-Drohnen. Verfügten die US-Streitkräfte 2001 noch über 54 dieser unbemannten Flugobjekte, sind es laut einem Bericht der «Welt» heute schon mehr als 4000 Stück. Bis ins Jahr 2020 sollen für über 36 Milliarden Dollar weitere Drohnen angeschafft werden. Die US Luftwaffe hat kürzlich sogar gemeldet, dass erstmals mehr Piloten für die Bedienung der Drohnen ausgebildet würden als für den Lufteinsatz in Kampfjets.

Das erstaunt nicht, wenn man sich die Global Hawk genauer anschaut. Die amerikanische Grossdrohne hat ein Gewicht von über einer Tonne, eine Spannweite von stolzen 35 Metern und eine Reichweite von weit über 20'000 Kilometern. Sie kann bewegliche Live-Bilder direkt ins Pentagon liefern – und macht grosse Aufklärer wie die SR-71 und ihre Crew vergessen.

Menschliche Fehler ausmerzen

Der technische Fortschritt, den die Drohnen in den vergangenen zehn Jahren gemacht haben, ist in der Tat enorm. Waren noch vor ein paar Jahren reichlich rudimentär ausgestattete Flugobjekte mit geringer Reichweite im Aufklärungseinsatz, werden heute zur Terrorbekämpfung in den Krisenherden dieser Welt Hightech-Drohnen eingesetzt. Sie sind mit dem Besten ausgestattet, was Aviatik und Kriegstechnologie zu bieten haben. So kann die MQ-9 Reaper etwa ein Autokennzeichen aus drei Kilometern Entfernung lesen. Auch die Bewaffnung der Drohnen hat einen Quantensprung gemacht. Heute kann die Drohne mit sogenannten Sidewinder-Raketen, die immerhin 500 Kilogramm schwer sind, Ziele am Boden angreifen.

Ein Problem bleibt aber: Noch immer ist es in erster Linie der Mensch, der die Drohnen bedient. Meist sitzen die «Piloten» Tausende von Kilometern vom Einsatzort in einem klimatisierten Büro und steuern mit der Drohne ein Haus in Pakistan an, in dem ein wichtiges Mitglied der Terrororganisation al-Qaida vermutet wird. Dass da auch mal Fehler passieren, liegt auf der Hand. Und genau diese Fehlerquellen will die US Armee nun ausmerzen, wie die «Washington Post» schreibt.

Die Drohne entscheidet selbstständig

Im Luftwaffenstützpunkt in Fort Benning, Georgia, fanden vor kurzem erste Tests mit Drohnen der neusten Generation statt. Noch waren es nur Modelle, die in den Himmel stiegen – aber die Ingenieure sind offenbar zufrieden mit den ersten Flügen. Der Clou der neuen Super-Drohne: Sie wird nicht mehr von einem Menschen irgendwo in einem Container mit Befehlen gefüttert, sondern entscheidet während des Einsatzes selbstständig, aufgrund der Software, die man ihr eingepflanzt hat.

Gestützt auf die Programme stellt sie in der Luft Berechnungen an und passt sich laufend der veränderten Situation am Boden an, ohne dass ein Operateur Einfluss nehmen und Entscheide treffen muss. Zudem tauscht sie sich laufend mit den Drohnen aus, die denselben Einsatz fliegen. Feinde sollen also künftig allein aufgrund von Computerprogrammen identifiziert und getötet werden.

«Dann muss es einfach schnell gehen»

Charles E. Pippin, Wissenschaftler am Georgia Tech Research Institute, ist begeistert von seiner Entwicklung. «Ich kann mir Szenarien vorstellen, wo wir zehn dieser Drohnen in der Luft haben. Wenn dann auf dem Boden etwas Unerwartetes passiert, haben Sie keine Zeit, ihre Kollegen um Rat zu fragen. Dann muss es einfach nur schnell gehen», sagt er zur «Washington Post».

Bedenken, dass die neuen Waffen gegen die Genfer Konvention verstossen, hat er nicht. Die Konvention fordert Kriegsführende unter anderem zur Verhältnismässigkeit und zum Schutz der Zivilbevölkerung auf. Charles E. Pippin ist überzeugt, dass die neuen Drohnen diesen Standards genügen und zwischen feindlichen Kämpfern und Zivilisten unterscheiden können. (pbe)

Erstellt: 20.09.2011, 17:49 Uhr

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