Die Rettung eines Technik-Juwels

Das Verkehrshaus Luzern will Jacques Piccards Mésoscaphe renovieren.

Das Schweizer Unterseeboot an der Expo 1964: Nun soll der «weisse Schwan» renoviert werden.

Das Schweizer Unterseeboot an der Expo 1964: Nun soll der «weisse Schwan» renoviert werden. Bild: Keystone

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An der Landesausstellung 1964 in Lausanne tauchte der Mésoscaphe, das legendäre Unterseeboot des Tiefseeforschers Jacques Piccard, mit 40 Journalisten, Ehrengästen und fünf Mann Besatzung an Bord erstmals in den Genfersee. Die Nation jubelte. Es war das erste touristisch genutzte U-Boot der Welt und ein stolzes Symbol für schweizerischen Wagemut, Pioniergeist und technischen Fortschritt.

Der Preis für eine 25-Minuten-Fahrt war für diese Zeit ebenso stolz: 40 Franken. Dennoch beförderte der Mésoscaphe auf 1100 Fahrten rund 33'000 Gäste etwa 100 Meter tief bis zum Grund des Lac Léman. Als Trost blieb den Zurückgebliebenen, dass damals in der trüben Sauce des verschmutzten Sees ohnehin wenig zu sehen war. Und immerhin kam ein äusserst populäres U-Boot-Modell auf den Markt, mit dem Tausende von potenziellen Forschern in die schaumigen Tiefen ihrer Badewannen tauchten.

Kosename «Weisser Schwan»

46 Jahre nach der Jungfernfahrt steht der 28,5 Meter lange, 7,5 Meter hohe und ehemals 165 Tonnen schwere U-Boot-Koloss wie ein verrosteter Stahlwal vor der Schifffahrtshalle des Verkehrshauses in Luzern. Gezeichnet von den Spuren eines bewegten Lebens, ist der Mésoscaphe nur noch ein ausgeweidetes Stück Altmetall. Ein trauriger Anblick für das Juwel der Ingenieurskunst. Der weisse Rumpf mit rotem Streifen und hoch erhobenem Plexiglas-Turm hatte ihm 1964 den Kosenamen Weisser Schwan eingetragen. So leuchtend und jungfräulich weiss soll das Boot wieder erstrahlen.

«Meso» ist griechisch und steht für «mittlere Tiefe», «scaphos» heisst «Schiff». Jacques Piccard hatte das Boot 1964 nach seinem Vater (dem Stratosphärenballon- und U-Boot-Konstrukteur) Auguste Piccard getauft. Jetzt will es das Verkehrshaus Luzern als Zeugen der ruhmvollen Schweizer Verkehrsgeschichte renovieren. Es wird zwar nie mehr einsatzfähig sein. Die ganze elektrische Steuerung ist weg. Die Firma in Monthey, die das Boot einst baute, gibt es nicht mehr. Und die komplette Restauration wäre mit 15 Millionen Franken unerschwinglich. Doch als Ausstellungsobjekt kann es für gut ein Zehntel davon wiederhergerichtet werden.

Glanzstück der Schweizer Ingenieurskunst

Dafür hat Projektleiter Daniel Geissmann, Chef der Verkehrshaussammlung, auf der Homepage eine Sammelaktion namens Trésor gestartet. Wie bei der Verkaufsplattform Ricardo können spendewillige Sympathisanten dort Dinge ersteigern, deren Erlös der U-Boot-Renovation zugutekommt. Geissmann hat die Auktion ins Leben gerufen, weil die Finanzierung der Renovation «nicht vom Fleck gekommen ist». Rund 100 Objekte stehen bisher im Angebot – darunter ein Swarovski-Feldstecher, Fotoapparate, antike Schreibmaschinen, Setzkästen, Spielzeugautos, Modellbausätze für Flugzeuge und Boote. Auch eine alte Mostpresse ist dabei. Um den Rubel richtig ins Rollen zu bringen, hat Geissmann gemäss der «Neuen Luzerner Zeitung» sogar einen echten Jaguar aus seinem privaten Besitz in die Auktion gegeben, der mehr als 100'000 Franken einbrachte.

Wer sich beteiligt, rettet nicht nur ein Glanzstück der Schweizer Ingenieurskunst, sondern auch die Erinnerung an die abenteuerliche Mésoscaphe-Vergangenheit. Das Verkehrshaus hat das U-Boot, das bei der Expo.02 in Murten als trauriges Rostrelikt ausgestellt war, nämlich 2005 vor der Verschrottung gerettet. Nach der Landesausstellung in Lausanne 1964 kam das Boot als Forschungsschiff in Kanada und den USA zum Einsatz, später auch auf der Suche nach der goldbeladenen spanischen Galeone San José, welche die Engländer 1708 vor der Küste Kolumbiens versenkten. Dass die Auguste Piccard zurück in die Heimat fand, ist einem Verein zu verdanken, der das historische Erbe bewahren wollte und diese Aufgabe dankbar dem Verkehrshaus überliess, als dafür kein Geld aufzutreiben war.

Erstellt: 30.12.2010, 22:08 Uhr

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