Murten

Die jüngste Militärpilotin der Schweiz

Sie gehört zur Fliegerstaffel fünf, fliegt Bundesräte herum und löscht Feuer aus der Luft: Militärpilotin Murielle von Büren schwärmt vom Super Puma – und sagt, was darin besser ist, als in der F/A-18.

Murielle von Büren: «Der Super Puma hat  einen schönen, tiefen, dumpfen Ton.»

Murielle von Büren: «Der Super Puma hat einen schönen, tiefen, dumpfen Ton.» Bild: Corinne Aeberhard/FN

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«Das ist mein Büro», sagt Murielle von Büren strahlend und zeigt auf den grossen Vogel, der in einem Hangar auf dem Militärflughafen Payerne steht. Mit ihren 33 Jahren ist die Murtnerin die jüngste Militärpilotin der Schweiz. Hebt sie im Super Puma ab, trägt sie Helm, Handschuhe und eine Rettungsweste. Ist sie am Boden, tut es ein militärgrünes Kombi. Der Batch an der rechten Schulter mit der Heuschrecke zeigt: Pilotin von Büren gehört zur Fliegerstaffel fünf.

Eigentlich hat von Büren Höhenangst. Doch wenn sie erzählt, wie sie im knapp 20 Meter langen Super Puma senkrecht abhebt, kommt sie ins Schwärmen. «Im Heli habe ich Boden unter den Füssen.» Es sei die «Challenge», die sie reize: die Last so präzise wie möglich abladen, mit den anderen Piloten und Mechanikern zusammenarbeiten, das Multitasking.

Ein Flieger-Ehepaar

Während von Büren im Cockpit sitzt und ihren Heli erklärt, starten immer wieder F/A-18-Jets. Ihr Mann Alain fliegt die schnellen Flieger, auch er ist Militärpilot in Payerne. Hebt ein Jet ab, drückt sich von Büren die Zeigefinger auf die Ohren. Im Gegensatz zur F/A-18 sei der Super Puma richtig leise: Er habe einen «schönen, tiefen, dumpfen Ton».

Die unzähligen Bildschirme im Cockpit muss von Büren im Griff haben. Ein Super Puma sei wie ein kleiner Airliner. Man fliegt immer zu zweit: Neben dem Pilot sitzt der Co-Pilot im Cockpit des Helikopters. «Einer führt die Checkliste und ist für den Funk verantwortlich, während der andere sich auf das Fliegen konzentriert.» Auch braucht es immer eine dritte Person: Hinten im Laderaum – wo 18 Passagiere reinpassen – fliegt immer der «Loadmaster» mit. Er ist für die Mechanik verantwortlich und lotst die Piloten bei der Landung, weil diese vom Cockpit aus das Heck nicht sehen.

Eine unter tausend

Als Mädchen träumte Murielle vom Flug ins All. «Später habe ich gemerkt, dass der Job als Astronautin gar nicht so spannend ist. Da geht man einfach ins All arbeiten.» Die Fliegerei und das ganze Drumherum begannen sie zu faszinieren. Trotzdem schlug von Büren eine klassische Ausbildung ein. Sie machte das Lehrerseminar. Unglücklich war sie nicht. Der Traum vom Fliegen liess sie trotzdem nicht los: Nach dem Lehrerseminar wollte sie die Linienpilotenausbildung bei der Swissair beginnen. Der Traum endete abrupt: Im Oktober 2001 groundete die Swissair.

Schliesslich wagte sie einen zweiten Anlauf. «Ich traf per Zufall einen Kollegen, der mir von der Militärfliegerei vorschwärmte», erinnert sie sich. Sie entschloss sich, mit 24 Jahren den militärischen Weg einzuschlagen – von der Rekrutenschule über den Unteroffizier bis zum Leutnant. «Dass die Schulleitung mich unterstützte, gab mir die nötige Gelassenheit.» 2005 bestand sie die Selektion, danach konnte sie mit der Fliegerausbildung beginnen. Die Prüfung war happig: Von ursprünglich rund 1000 Interessierten kamen 18 in die engere Auswahl, davon schafften es sieben Personen zum Militärpiloten. Darunter eine Frau: Murielle von Büren.

Ferien mit dem Flugzeug

Heute fliegt die 33-Jährige vielseitige Einsätze. Sie transportiert mal Bundesräte, ist bei Feuerlöscheinsätzen in der Luft und fliegt für Holztransporte ins Berggebiet. Erst im April war sie für dreieinhalb Wochen in Kosovo. Dort ist sie mit Spezialeinheiten Aufklärungsflüge geflogen. Als Super-Puma-Pilotin ist sie auch im Einsatz, wenn die Polizei eine flüchtige Person sucht. Während der Woche ist von Büren an rund zwei Tagen in der Luft.

Sie hat zwei Kinder und arbeitet 70 Prozent. Den Hütedienst bei ihren Eltern und Schwiegereltern plant von Büren online. Die Kinder haben sich dran gewöhnt. Die 3-jährige Amelia wisse bereits: «Ist Mami in Grün, geht sie arbeiten.»

Diese Woche aber haben Amelia und ihr kleiner Bruder Timeo die Mutter für sich: Von Bürens machen Ferien – nicht mit dem Auto. «Wir haben ein Privatflugzeug gemietet und machen eine Frankreich-Rundreise.» Murielle und Alain wechseln sich ab als Pilot und Co-Pilot, Timeo setzen sie ins Autokindersitzli, Amelia ist genügend gross, sich auf einem eigenen Sitz anzuschnallen. Jeden Tag aber heben sie nicht ab. So können Murielle von Büren und ihr Mann Alain den Beruf auch mal vergessen.

(Freiburger Nachrichten)

Erstellt: 24.07.2013, 11:25 Uhr

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