Diese Projekte zeigen, wie der Atomausstieg funktioniert

Der AKW-Ausstieg der Schweiz ist beschlossene Sache, alternative Energiequellen sind gefordert. Die Solar Agentur Schweiz zeichnet heute zahlreiche Projekte für ihr Engagement in der Solarenergie aus.

Geehrt für ihre Rolle beim Atomausstieg: Micheline Calmy-Rey, Simonetta Sommaruga, Doris Leuthard und Eveline Widmer-Schlumpf (v.l.n.r.) erhalten den Europäischen Solarpreis 2011. Bild: Keystone

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In Genf werden die Schweizer Solarpreise für Persönlichkeiten, Institutionen, Neubauten, Sanierungen und Solaranlagen vergeben. Die Solar Agentur Schweiz zeichnet insgesamt 19 Projekte aus, die heute schon zeigen, wie der Ausstieg aus der Atomenergie in Zukunft gestaltet werden könnte. «Wenn der Stand der Technik zukünftig flächendeckend bei Sanierungen und Neubauten umgesetzt wird, kann die Schweiz in zehn Jahren alle Atomkraftwerke substituieren», vermeldet die Solar Agentur in einer Pressemitteilung.

«Europaweit einzigartiges Signal»

Auch die Preisträgerinnen des Europäischen Solarpreises 2011 wurden bekannt gegeben: Es sind die vier Bundesrätinnen Micheline Calmy-Rey, Doris Leuthard, Simonetta Sommaruga und Eveline Widmer-Schlumpf. Der Preis wird am 2. Dezember in Berlin verliehen. Sie werden für ihre Rolle im geplanten Atomausstieg der Schweiz geehrt. Es sei europaweit einzigartig, dass eine Regierung nach der Atomkatastrophe von Fukushima ein so «deutliches Signal zu einer Energiekehrtwende» setzte, sagte Gallus Cadonau, Geschäftsführer der Solar Agentur Schweiz.

Der Bundesrat werde den Erhalt des Preises an einer der nächsten Sitzungen besprechen, sagte Bundesratssprecher André Simonazzi. Er erinnerte aber auch daran, dass der Bundesrat nie kommuniziert habe, wie der Entscheid zum Atomausstieg zustande gekommen sei.

Symbolische Ehre

Für Evi Allemann, Nationalrätin (SP/BE) und Co-Präsidentin der Solar Agentur Schweiz, hat die Auszeichnung symbolischen Charakter. «Der Preis richtet sich an alle, die den Entscheid zum Atomausstieg mitgetragen haben», sagte sie. Das gelte für die Bundesräte genauso wie für die Parlamentarier.

Die Ehre des Solarpreises falle symbolisch den vier Frauen zu, sagte Allemann. Wie die Entscheide im Bundesrat im Detail zustande kämen, wüssten nur die Bundesräte selbst: «Wir sehen ja alle nicht hinter die Türen des Bundesratszimmers.»

Peter Malama, Nationalrat (FDP/BS) und ebenfalls Co-Präsident der Solar Agentur Schweiz, ist «sehr zufrieden» mit der Preisvergabe. Es sei klar, dass der Bundesrat nur aufgrund der «vier Individualmeinungen der Bundesrätinnen» auf den Atomausstieg eingeschwenkt sei.

«Ogi gratuliert»

Auch der ehemalige Preisträger und Alt-Bundesrat Adolf Ogi freut sich für die vier Bundesrätinnen. «Ogi gratuliert», sagte er auf Anfrage der sda. Die Medaille habe aber auch eine negative Seite: Die drei männlichen Kollegen gingen leer aus. «Die drei Bundesräte werden aber sicher nicht eifersüchtig sein, sondern ihren Kolleginnen den Erfolg gönnen», zeigte sich Ogi überzeugt.

Dass ausgerechnet die vier Frauen des Siebner-Gremiums den Preis erhalten, hat für den Alt-Bundesrat einen einfachen Grund: «Die Frauenmehrheit im Bundesrat wird ausserhalb der Schweiz als grosses Ereignis betrachtet.» Nicht zuletzt deshalb sei die Wahl wohl auf die Bundesrätinnen gefallen.

Schweizer Preis als Vorbild

Der Schweizer Solarpreis wurde 1990 zusammen mit dem damaligen Bundesrat und Energieminister Adolf Ogi lanciert. Ausgezeichnet werden seither Bauten, Solaranlagen, bestintegrierte Anlagen sowie Persönlichkeiten, Gemeinden, Kantone, Architekten, Ingenieure und Unternehmungen, die sich für die Solarenergie einsetzen. 1993 beschloss das Europäische Parlament, die erneuerbaren Energien auch auf europäischer Ebene stärker zu fördern. Daraufhin wurde der Europäische Solarpreis ins Leben gerufen, basierend auf den bisherigen Erfahrungen mit dem Schweizer Pendant. Die Organisatoren der nationalen Wettbewerbe melden jeweils ihre Preisträger als Kandidaten für den Europäischen Solarpreis an.

Award vom Stararchitekten

In Genf werden heute zudem zwei Norman Foster Solar Awards für PlusEnergieBauten verliehen, benannt nach dem gleichnamigen britischen Stararchitekten Lord Norman Foster. Der 2010 lancierte Award soll die Entwicklung, Nutzung und Umsetzung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien in der Schweiz und in Europa fördern. (fko/sda)

Erstellt: 10.10.2011, 11:29 Uhr

Gewinner 2011 - eine Auswahl

Eigenenergieversorgung von 448 Prozent: Die Firma Heizplan AG erstellte im letzten Jahr in Gams (SG) eine energieeffiziente Produktions- und Montagewerkstatt. Solarzellen auf dem Dach und an den Fassaden erzeugen jährlich 58'283 kWh nutzbare Energie - mehr als vier Mal so viel wie das Gebäude selbst verbraucht. (Bild: Solar Agentur Schweiz)

Hartnäckig geblieben, Preis erhalten: Die Familie Wildhaber aus Flums (SG) musste sich beim Bau ihrer Solaranlage gegen das Amt für Denkmalpflege des Kantons St. Gallen durchsetzen - es wollte die Anlage «aus denkmalpflegerischer Sicht» zunächst nicht bewilligen. Die Bewilligung wurde nach einem Augeschein erteilt und bildete die Grundlage für eine Änderung der Baurechtspraxis im Kanton St. Gallen. (Bild: Solar Agentur Schweiz)

Junger Solarpionier: Der Basler Jonas Rosenmund initiierte bereits mit 17 Jahren eine solare Mobiltelefon- und Akkuladestation an seiner Schule. Als Maturaarbeit realisierte er eine 152 m2 grosse Photovoltaik-Anlage auf einem Primarschulhaus in Muttenz. Zusammen mit einer weiteren Anlage auf dem Dach eines Werkhofs erzeugt die Anlage jährlich etwa 51'000 kWh. (Bild: Solar Agentur Schweiz)

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