Drohnen für Rehkitze

Agrartechniker der Hochschule Zollikofen haben eine Methode gefunden, um junge Rehe vor dem Mähtod zu bewahren: Drohnenflüge mit Wärmebildkamera.

Rettung aus der Luft für Rehkitz. Drohnen sollen diese im hohen Gras aufspüren und vor dem sicheren Tod bewahren.

Rettung aus der Luft für Rehkitz. Drohnen sollen diese im hohen Gras aufspüren und vor dem sicheren Tod bewahren. Bild: zvg

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Unbemannte Kleinfluggeräte, sogenannte Drohnen, werden zur Kriegsführung eingesetzt, in der Terrorbekämpfung, bei der Hooliganüberwachung in und vor Sportstadien. Jetzt könnten ferngesteuerte Flugkörper – genaugenommen: Multikopter – ein blutiges Problem lösen, mit dem viele Landwirte vor allem im Frühling konfrontiert sind: dem qualvollen Mähmaschinentod junger Rehe, die sich im Gras oder Getreide verstecken.

«Rehkitze verbergen sich so perfekt, man ist praktisch chancenlos, sie zu finden», sagt Nicole Berger, Wissenschaftlerin an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften Zollikofen. Springen die Tiere auf, wenn die Mähmaschine näher kommt, ist es schon zu spät. Sie geraten in die Messer; wenn sie nicht sofort sterben, bleiben sie liegen, die Beine abgehackt, und schreien jämmerlich, bis der angeforderte Wildhüter da ist, um ihnen den Gnadenschuss zu geben. Im durch Kadaverteile verunreinigten Gras breiten sich laut Berger überdies Erreger aus, die für Kühe lebensbedrohlich sein können.

Agrarwissenschaftlerin Berger leitete ein eben abgeschlossenes Forschungsprojekt, in dem nach neuen Methoden zur Rehkitzrettung gesucht wurde – mit Erfolg: Ein ferngesteuerter Kleinhelikopter mit mehreren Propellern, der mit einer Wärmebildkamera Felder abfliegt und Rehkitze unfehlbar und punktgenau aufspürt, bringe den Durchbruch bei der Rehkitzrettung in greifbare Nähe, glaubt Nicole Berger.

Noch zu unwirtschaftlich

Die Effizienz der neuen Methode sei beachtlich: Bei idealen Bedingungen liessen sich 2 Hektaren in 15 Minuten abfliegen. Knackpunkt sind die Kosten: Mit 140 Franken pro Feld schlägt ein Flug zu Buche – aber im Schnitt liegt nur in jedem siebenten Feld ein junges Reh. Bergers Team möchte in einem Folgeprojekt die Wirtschaftlichkeit steigern, sucht für diese Forschungsarbeit aber noch Geldgeber.

Setzt sich die Drohnenprävention kommerziell durch, dürfte kaum jeder Landwirt seinen eigenen Multikopter anschaffen. Berger geht davon aus, dass die Suchflüge gemeindeweise organisiert würden. Fachwissen erfordert dann aber auch die Entfernung der Kitze aus dem Gefahrenbereich. Berührt man sie mit blossen Händen, verlieren sie ihre natürliche Geruchlosigkeit und würden, vor dem Mäher gerettet, zur leichten Beute von Füchsen oder Hunden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.04.2013, 10:10 Uhr

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