«Endeavour» lässt Obama hängen

Tausende enttäuschte Raumfahrtfans, darunter auch Präsident Barack Obama und seine Familie, warteten vergebens auf den letzten Start des Space-Shuttle. Ein Kästchen hat den Geist aufgegeben.

US-Präsident Barack Obama (Mitte) und seine Frau Michelle (Hinten) sprechen am 29. April 2011 mit den Astronauten.

US-Präsident Barack Obama (Mitte) und seine Frau Michelle (Hinten) sprechen am 29. April 2011 mit den Astronauten.

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Der Start der Raumfähre «Endeavour» wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Schuld ist ein Beheizungsproblem an dem betagten Orbiter, das bereits am Freitag aufgetreten war. NASA-Techniker konnten die Panne am Sonntag nicht beheben. Hoffnungen auf einen Start am Montag zerschlugen sich, als klar wurde, dass ein Schaltkasten in der Raumfähre ausgetauscht werden müsse.

Anschliessend müssten zwei Tage lang Tests durchgeführt werden, sagte NASA-Sprecher Allard Beutel. Mit einem Start zur Internationalen Raumstation ISS wurde deshalb frühestens Ende Woche gerechnet.

Countdown in letzter Minute abgebrochen

Die sechsköpfige «Endeavour»-Besatzung war am Freitag bereits an der Rampe, als der Countdown in letzter Minute abgebrochen werden musste. Nach NASA-Angaben gab es Ärger mit zwei Heizungen.

Sie gehören zu einem Stromgerät, welches das Steuerungssystem des Shuttle bei Start und Landung versorgt. Das System muss beheizt werden, damit es im Weltraum nicht einfriert. Um die Problemzone zu erreichen, musste zunächst der riesige Aussentank der «Endeavour» geleert werden.

Hunderttausende warteten vergeblich

Hunderttausende Menschen, darunter die Familie Obama, waren aus vielen Ecken des Landes nach Cape Canaveral gepilgert, um dem berühmten Shuttle vor dessen Pensionierung noch einmal zu winken. Doch statt gereckter Hälse und dem Donner der Triebwerke gab es nur lange Gesichter: «Ich konnte es erst einfach nicht glauben», klagte der enttäuschte David Pasqua. Der 41-Jährige hatte sich von North Carolina aus auf den 950 Kilometer langen Weg nach Florida gemacht.

Wie viele andere Raumfahrtfans campierte er auf den Zufahrtswegen rund um den Weltraumbahnhof. Nach dem Abbruch waren am Freitagabend viele von ihnen enttäuscht abgezogen. Die Obamas blieben und nutzten die Zeit für einen Spaziergang durch das Kennedy Space Center.

Der Präsident traf ausserdem mit den sechs «Endeavour»-Astronauten zusammen, darunter auch Kommandant Mark Kelly. Er ist Ehemann der Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords, die bei einem Attentat im Januar durch einen Kopfschuss schwer verletzt wurde und - begleitet von ihren Ärzten - zum Start nach Florida geflogen war.

Schweizer Technik an Bord

Als Teil der Nutzlast ist auch das Alpha-Magnetspektrometer AMS 02 an Bord, der zu einem Grossteil in Genf gebaut worden war. Es soll auf der ISS stationiert werden und 18 Jahre lang nach Hinweisen auf Antimaterie sowie Dunkle Materie suchen. Das Gerät wurde nach Angaben der Universität Gend von 700 Forschern und Forscherinnen aus über 60 Instituten und Hochschulen aus 16 Ländern entwickelt und gebaut. Beteiligt waren unter anderem Wissenschaftler der Uni Genf und der ETH Zürich.

Zusammengebaut wurden die einzelnen Bestandteile zudem am Teilchenforschungszentrum CERN in Genf. Im letzten Herbst wurde der Spektrometer in Genf auf den Flughafen gebracht und zum Kennedy Raumfahrtzentrum nach Florida geflogen.

Nach 30 Jahren in den Ruhestand

Die «Endeavour» war am 7. Mai 1992 zu ihrem Erstflug gestartet. Nach erfolgtem Start der «Endeavour» wäre es dann an der «Atlantis», die Ära der Raumfähren abzuschliessen. Der allerletzte Shuttle-Flug ist auf den 28. Juni angesetzt.

Danach wird das Shuttle-Programm der USA, das am 12. April 1981 aufgelegt wurde, nach insgesamt 135 Missionen aus Kosten- und Sicherheitsgründen eingestellt. (rub/sda)

Erstellt: 01.05.2011, 19:17 Uhr

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