«Forscherdrang ist uns in die Wiege gelegt»

Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier erzählt, warum er auf den Mars fliegen will.

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Erinnern Sie sich an Ihre Reisen im Weltall?
Ich erinnere mich sehr gut. Der erste Flug war 1992, der zweite 1993, dann die Flüge 1996 und 1999. Die Starts, das Rendezvous mit Hubble, die Spaziergänge im All oder auch der wunderbare Blick auf den Blauen Planeten - das werde ich nie vergessen.

Hatten Sie nie Angst vor dem Flug?
Der Start ist wirklich beängstigend. Da werden innerhalb kurzer Zeit enorme Energien frei, die kontrolliert werden müssen. Sobald man auf der Umlaufbahn ist, ist es sicher. Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bei der Rückkehr ist allerdings wieder riskant.

Begegneten Sie ähnlichen Gefahren auch auf der Erde?
Während der 38 Jahre als Militärpilot erlebte ich einige Momente, die gefährlicher waren als der Weltraumflug. Die Übungen im Hunter während des Kalten Krieges waren ziemlich tollkühn. Aber ich hatte immer Glück. Einige meiner Astronauten-Freunde oder Kollegen in den Hawker-Hunter-Jets sind nie zurückgekehrt.

Sie haben unlängst gesagt, Sie würden auch auf den Mars fliegen.
Der erste bemannte Flug auf den Mars wäre sicher sehr riskant. Aber ich wäre bereit, mich auf eine solche Mission zu begeben. Denn ich bringe die Erfahrungen mit und bin auch alt genug.

Es wäre eine Reise ohne Wiederkehr?
Ja. Ich würde trotzdem gehen, doch nur unter der Bedingung, dass es keine Selbsttötungsmission wäre. Aber wenn alles Mögliche getan wäre, damit man auf dem Mars eine ähnliche Lebenserwartung haben könnte wie hier - also wenn die Frage der gefährlichen Strahlung gelöst wäre sowie genügend Nahrungsmittel bereitgestellt werden könnten - dann würde ich gehen.

Was wäre grösser - der Respekt vor dem unbekannten Risiko oder die Wehmut über die Dinge, die Sie zurücklassen müssten?
Es ist keine Entweder-oder-Situation. Natürlich würde ich meine Familie sehr vermissen. Aber gleichzeitig ist es uns Menschen doch in die Wiege gelegt, das Unbekannte zu erforschen und die Grenzen des Wissens auszuweiten.

Wie war es jeweils, als Sie von Ihren Raumflügen zurückkamen und wieder sicheren Boden unter den Füssen hatten?
Das war immer ein sehr gutes Gefühl. Die harten Trainings vor dem Flug waren jeweils lang und deshalb auch belastend für die Familie. Daher war es immer ein glücklicher Moment, wieder zurück zu sein. Gleichzeitig dachte ich aber schon wieder daran, in den Weltraum zurückzukehren.

Waren Sie stolz auf das Erreichte?
Stolz war mir nie sehr wichtig. Als Astronaut machen Sie ihren Job so gut Sie können und sind zufrieden, wenn die Mission erfolgreich war. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2013, 17:48 Uhr

Astronaut Claude Nicollier. Foto: Keystone

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