«Ich bin jedes Mal enorm aufgeregt im selbstfahrenden Auto»

Bald fährt ein autonomes Fahrzeug auf Zürichs Strassen. Ulrich Schwesinger von der ETH Zürich, der solche Systeme mitentwickelt, erzählt von Tests, Notstopps und der Aufregung beim Mitfahren.

Kein Fahrer am Steuer: Ein VW Golf, der von der ETH Zürich, Volkswagen und weiteren Beteiligten zum selbstfahrenden Auto weiterentwickelt wurde.

Kein Fahrer am Steuer: Ein VW Golf, der von der ETH Zürich, Volkswagen und weiteren Beteiligten zum selbstfahrenden Auto weiterentwickelt wurde. Bild: ETH Zürich

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Herr Schwesinger, Sie sind an der Entwicklung von Technologien beteiligt, dank denen Autos selber fahren und einparkieren können. Wie funktioniert das System?
Man stellt das Auto in einer sogenannten Drop-off-Zone am Eingang eines grossen Parkplatzes ab. Auf einer Smartphone-App drückt man einen Knopf, worauf das Auto selber zum Parkfeld fährt und dort parkiert. Will man es wieder zurückhaben, drückt man wieder den Knopf in der App, und das Fahrzeug kommt selbstständig zurück.

Wie oft testen Sie die selbstfahrenden Autos, die Sie mitentwickeln?
Bei unserem Projektpartner Volkswagen im deutschen Wolfsburg wird unser System täglich getestet. Ich selbst fahre alle eins bis zwei Wochen in einem selbstfahrenden Auto auf dem ETH-Campus Hönggerberg in Zürich und teste unsere neusten Entwicklungen. Dafür erhielten wir übrigens eine Bewilligung von der ETH.

Wie fühlt es sich an, in einem Testauto mitzufahren?
Sehr spannend, und das auch nach vielen Malen. Wahrscheinlich weil ich als Mitentwickler eine spezielle Sichtweise darauf habe. Denn ich bin jedes Mal enorm aufgeregt, weil ich sehen will, ob das Auto wirklich das macht, was ich ihm beibringen wollte.

Was passiert denn bei den Tests?
Unter anderem lassen wir selbstfahrende Autos – wir haben drei VW Golf, einen an der ETH Hönggerberg und zwei bei VW in Wolfsburg – zu Parkplätzen fahren oder, im Falle von Elektroautos, zu Ladestationen. Auf dem VW-Parkplatzgelände beträgt die Strecke, die das Auto auf einem Weg zurücklegen muss, bis zu 700 Meter. Dabei beziehen wir diverse Hindernisse wie andere Autos, Fussgänger, Bäume, Steine und so weiter mit ein. Auch üben wir, wie ein selbstfahrendes Auto einem anderen Fahrzeug folgt, meist einem von Menschenhand gesteuerten. Wenn wir nicht in den Autos sitzen, folgen wir ihnen zur Sicherheit jeweils dicht zu Fuss, was gut möglich ist, weil sie nicht schneller als 10 km/h fahren. Wenn nötig, lösen wir Notstopps aus. Dies geschieht mit einem roten Knopf auf einer Fernbedienung.

Sind Sie auch schon in schnelleren autonomen Fahrzeugen gefahren?
Nein, das Glück hatte ich noch nicht. Es kommen ohnehin nicht viele Leute in den Genuss davon, weil zumeist langsamere Manöver geübt werden.

Erstellt: 30.04.2015, 23:31 Uhr

Ulrich Schwesinger ist Doktorand am Institut für Robotik und Intelligente Systeme an der ETH Zürich. Die Hochschule entwickelt im Rahmen des Projekts «V-Charge» Technologien für automatisiertes Parkieren und Aufladen von Autos. Mit an Bord sind Volkswagen, Robert Bosch, die Technische Universität Braunschweig sowie die Universitäten Oxford und Parma. (Bild: zvg)

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